Immunbooster Selbstliebe

Leben & Balance

Vielleicht kennst du dieses Phänomen: Anstatt dir in stressigen Zeiten genügend Schlaf und eine gute Ernährung zu schenken, gehst du über deine Bedürfnisse hinweg. Stattdessen treibst du dich an zu noch mehr Leistung und zu noch mehr Durchhaltevermögen. Wahrscheinlich gehört dieses Phänomen, dass wir uns nicht immer mit uns selbst verbunden fühlen, zum Menschsein dazu. 

Aber, und das ist die gute Nachricht: Du kannst lernen, dich immer öfter um dich selbst zu kümmern. Ja, du kannst es üben, so wie du üben kannst, ein Instrument gut zu spielen. Anfangs wird es dir möglicherweise schwerer fallen. Aber mit der Zeit wird es leichter. Und dann wird es dir helfen, leichter durch schwierige Zeiten zu gehen. 
 

Wenn wir uns selbst lieben, sagen wir »Ja« zu uns und würdigen sowohl unsere Sonnen- als auch unsere Schattenseiten.
Ulrike Scheuermann

Schutz vor psychischem Stress

Forschungen haben gezeigt, dass Selbstliebe vor psychischem Stress schützt. Denn der Stress verstärkt sich, wenn wir uns in Grübeleien und Destruktivität, in Traurigkeit, Angst oder in Einsamkeit und Depression verlieren. Stress wiederum wirkt sich negativ auf deine Gesundheit, genauer gesagt, auf die Funktion des Immunsystems aus. 

Aus wissenschaftlicher Sicht werden unter dem Begriff Selbstliebe ähnliche Begriffe wie »Selbstakzeptanz«, »Selbstmitgefühl« und »Selbstwertgefühl«  zusammengefasst. Wenn wir uns selbst lieben, mögen wir uns. Dann fühlen wir uns wohl und richtig und haben das Gefühl, dass wir, so wie wir sind, okay sind.

Und zwar nicht deshalb, weil wir bestimmte Bedingungen erfüllen, sondern weil wir vom Leben so gewollt sind, wie wir sind. Wir sagen Ja zu uns, würdigen unsere liebenswerten Seiten und das, was wir getan haben. Wir nehmen aber auch unsere Fehler und Schattenseiten zu uns. Wir sagen rundum Ja zu uns und öffnen uns auch für das, was schief gelaufen ist oder für das, was wir nicht realisieren konnten. 
 

Vier Bausteine der Selbstliebe

Die Selbstliebe steht auf vier Säulen:

  • Selbstgespür
  • Selbstgefühl
  • Selbstgespräch
  • Selbstverbindung

Jeder dieser vier Aspekte spielt eine wichtige Rolle. Deshalb wirst du im Folgenden zu den einzelnen Aspekten eine Übung bekommen. Mache sie mit Liebe und ohne Druck. 
 

Dein Körper ist dein Zuhause.
Ulrike Scheuermann.

Selbstgespür: Liebe deinen Körper, wie er ist

Die erste Säule hängt zusammen mit unserem Körperbild und unserer Körperbeziehung. Unser Körper ist der Tempel unserer Seele. Er ist lebendig und wünscht sich die Pflege und Aufmerksamkeit, die ihm zusteht. Viele Menschen betrachten ihren Körper immer noch als eine Art Maschine, die funktionieren muss. Wie stehst du zu deinem Körper?

Übung: Erkunde dein Körperbild

Nimm dir Zeit für die folgenden Fragen. Vielleicht hast du sogar Lust, ein Bild von deinem Körper zu zeichnen. Ganz spontan, ohne darüber nachzudenken. 

  1. Wenn du deinen Körper zeichnen solltest: Wie sähe dieses Bild aus? Was bedeutet dein Körper für dich? Ist er eine Maschine?
  2. Ist er für dich ein treuer Diener? Welche Gestalt würdest du diesem Diener geben?
  3. Siehst du deinen Körper eher als eine Hülle, die deiner Seele oder deinem Geist als Heimat dient?
  4. Betrachtest du ihn als eine Freundin oder einen Freund? Bist du stolz darauf, wie viel ihr gemeinsam erlebt und bewältigt habt? Wie sähe diese Freundin aus?
  5. Wie reagierst du darauf, wenn du müde, schwach oder krank bist? Hörst du auf deinen Körper? Schenkst du ihm genügend Zeit zur Regeneration?
  6. Wenn dein Körper deiner besten Freundin gehören würde, was würdest du ihr raten, wenn sie krank ist?
  7. Wie wär’s, wenn du eine Liste machst mit Dingen, für die du deinem Körper dankbar bist? Schaffst du es, zehn, zwanzig oder sogar dreißig Dinge aufzuschreiben, die dir möglich sind, weil du ihn hast?

Mach dir immer wieder bewusst, dass eine liebevolle Auseinandersetzung mit deinem Körper zu mehr Selbstliebe führen wird. Dann wirst du auch mehr Gespür für ihn bekommen und wissen, was ihm gut tut und was ihm schadet. 
 

Selbstgefühl: Löse deine Emotionen

Selbstliebe ist ein Paradox: Je mehr wir alles zulassen können, was da ist, desto schneller können sich auch schmerzvolle oder schwierige Gefühle wandeln. Normalerweise unterdrücken wir vor allem negative Gefühle. Lassen wir sie hingegen da sein, dann können sie wieder abklingen, ausreifen, sich verwandeln. Im Umgang mit Emotionen gibt es ein einfaches Geheimnis: Emotionen wandeln sich, wenn wir mit ihnen arbeiten. Wusstest du das? Es ist viel kräfteschonender, erwachsener und beziehungsfördernder. Sie reifen aus, wenn wir sie betrachten. 

Anfangs braucht es Aufmerksamkeit, auftauchende Emotionen zu bemerken und sich nicht von ihnen überfluten zu lassen. Übrigens haben Forschungen im Bereich der Psychoneuroimmunologie gezeigt, dass es gut für die Gesundheit und das Immunsystem ist, vielfältige Emotionen differenziert wahrzunehmen. Folgende Übungen können dir dabei helfen:

Übung: Lass Emotionen durch dich hindurchfließen 

Es ist möglich, eine Emotion zu beobachten, wie sie aufkommt, sich ausbreitet, da ist, sich verändert, wieder abklingt:

  1. Nimm die auftauchenden Emotionen achtsam wahr. Egal, wie schwierig sie sind. 
  2. Bleib mit deiner Aufmerksamkeit dabei und konzentrier dich auf das, was du wahrnimmst. 
  3. Betrachte sie mit etwas Abstand und Neugierde. Mach dir bewusst, dass es sich dabei um flüchtige Erfahrungen handelt. 
  4. Entspann dich in dem Moment, in dem du die Emotion erlebst. Und lass sie in diesem entspannten Zustand ohne Widerstand durch dich hindurchfließen.
  5. Sollte dich etwas ablenken, komm wieder zurück Beobachtung zurück und versuch so entspannt wie möglich zu bleiben. 
  6. Nimm wahr, wie die Emotion durch diese distanzierte Beobachtung abnimmt, sich wandelt und es in dir ruhiger wird. 

    Erfahre hier noch mehr über die Welt der Gefühle.
     
Nichts fehlt. Du bist bereits vollkommen.
Ulrike Scheuermann

Selbstgespräch: Nimm ungeliebte Seiten an

Die Bedeutung des Annehmens spielt eine immer größer werdende Rolle in unserer Gesellschaft. Zum Glück! Mit folgender Übung kannst du dich dem annähern:

Übung: Der Akzeptanz-Dreischritt

  1. Finde heraus, was du an dir nicht magst: Welche Seiten und Eigenschaften lehnst du ab? Deinen Körper? Deine Figur? Eigenschaften oder Verhaltensweisen?
  2. Nimm an, was du nicht magst: Wie wäre es, wenn du das, was du ablehnst, zu dir nimmst. Es erst einmal für dich in deinen Gedanken annimmst, dass es untrennbar zu dir gehört. Später kannst du es jemanden zeigen oder mit jemanden teilen. 
  3. Entwickle ein Genug-Gefühl: Überleg dir, was jetzt an dir gut genug ist. Zähl auf, was andere Menschen an dir lieben. Was hast du bereits im Leben erreicht? Wofür bist du dankbar? Sag dir, dass es jetzt schon reicht, wie du jetzt bist.

Mach dir bewusst, dass du bereits vollkommen bist! Du musst nichts von dir verstecken. Sag dir das immer wieder.  Mach dies zu deinem neuen Mantra.
 

Wenn du dich selbst liebst, wirst du auch anderen Menschen Liebe entgegenbringen können.
Ulrike Scheuermann

Selbstverbindung: Vertiefe deine Beziehungen

Unser Umgang mit anderen Menschen – egal ob wir freundschaftliche Beziehungen pflegen, uns in einer Partnerschaft befinden, in einer größeren Gemeinschaft leben – hat Einfluss darauf, wie wir mit uns selbst umgehen. Wenn du verstehst, wie du mit anderen Menschen umgehst, wirst du auch mehr über deine Beziehung zu dir selbst erfahren. Und umgekehrt: Wenn du dich selbst liebst, wirst du auch anderen Menschen mehr Liebe entgegenbringen können. Folgende Übung kann dich darin unterstützen, deine Beziehungen besser zu verstehen:

Übung: Denke über deine Beziehungen nach

  1. Welche Beziehungen raubten dir Energie?
  2. Was genau hat dich dabei Kraft gekostet?
  3. Welches Muster war damals aktiv, und wie wirken sich diese Muster heute noch in deinen Beziehungen aus?

    In meinem Artikel Self Care (7/9) – Verbundenheit und Beziehungen beschreibe ich, wie du entspannt und verbunden mit anderen Menschen zusammen sein kannst.
     

Wie wär’s, wenn du dir einen Jour fixe einrichtest, um dir selbst näher zu kommen und diese Fragen zu beantworten? Die Zeit, die du dir selbst schenkst, wird dich dir näherbringen. Schau weniger auf das, was andere machen, denken und tun. Besuch dich lieber selbst und liebe dich selbst. Stärke die vier Säulen der Selbstliebe. Dann wirst du erkennen, dass du einzigartig und liebenswert bist, weil du DU bist. 

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