Die Organuhr: Im Einklang mit unseren natürlichen Rhythmen leben

Leben & Balance

Der chinesischen Medizin nach besitzen wir zwölf Hauptorgane mit entsprechenden sogenannten Meridianen, die jeweils mit bestimmten Tageszeiten in Verbindung stehen. Die Funktion der spezifischen Organsysteme ist zu diesen Tageszeiten optimal. Die in der Organuhr natürlichen und biologischen Rhythmen helfen uns, unseren täglichen Energiekreislauf zu regulieren. Er entspricht zwei sich abwechselnden Tageshauptzyklen und unterstützt sie:

  1. den Yang-Zyklus: einen nach außen gerichteten, expansiven Zyklus, der durch Aktivitäten wie Wachstum, Planung, Verdauung und Ausscheidung gekennzeichnet ist;
  2. den Yin-Zyklus: einen nach innen gerichteten, rezeptiven Zyklus, der Reinigung, Erholung, Schutz und Erhaltung ermöglicht.

 

Yin und Yang in Harmonie bringen

Leben wir entsprechend der Organuhr, bringen wir Yin und Yang in ein Gleichgewicht, das auf natürliche Weise Teil unserer Konstitution ist. Der chinesischen Körperuhr zu folgen ist eine der einfachsten, direktesten und unmittelbarsten Möglichkeiten, unsere Gesundheit und unser Befinden positiv zu beeinflussen und Körper und Geist zu stärken.

Bist du zum Beispiel jemand, der das Frühstück gern auslässt, könnte eine bewusste Umstellung auf ein volles, herzhaftes Mahl zwischen 7 und 9 Uhr morgens deinen Stoffwechsel, die Verdauung insgesamt, den Kreislauf und die Immunkraft verbessern. Das liegt daran, dass morgendlich durch den Magen aufgenommene Nahrung die Produktion der Lebensenergie Qi anschiebt. Die anderen Organe sind abhängig von dieser Energie, um ihre Funktionen erfüllen und ihnen die im Lauf des Tages benötigte Energie schenken zu können.
 

Nach der Organuhr leben

Hier folgt nun eine Aufstellung, damit du deinem Tag eine gesunde Struktur geben und den Tageszeiten entsprechende Aktivitäten wählen kannst. Orientiere dich enger an der Uhr, dann wirst du harmonischer und ausgewogener leben. Es wird sich spürbar auf dein Wohlbefinden auswirken und eine solide gesundheitliche Grundlage bilden. 
 

3–5 Uhr: Lungen (Metall-Element)

Schlafe tief und erholsam.

In einem Yoga-Ashram oder Tempel in Asien würdest du um diese Zeit womöglich Atem- oder Meditationsübungen machen. Viele Nonnen und Mönche rund um den Globus stehen jetzt freiwillig auf. Entsprechend der chinesischen Medizin sind diese frühen Morgenstunden der optimale Zeitpunkt zum Entgiften der Lungen und für die Endphase des Tiefschlafs. 

Die Lungen haben in der chinesischen Medizin ebenso mit Inspiration wie mit Loslassen zu tun. Was tun wir, wenn uns jemand mit einem Geschenk überrascht? Wir ringen nach Luft. Wow! Ah! Vor Freude ziehen wir schnell die Luft ein. Wenn etwas schwer ist oder wir uns belastet fühlen, atmen wir oft mit einem Seufzer aus. Im Idealfall ermöglichen wir es den Lungen um diese Uhrzeit, uns zu helfen, damit wir für die Inspirationen des vor uns liegenden Tages unbelastet und offen sein können.

Warum die Atmung ansonsten noch so essentiell wichtig für dich ist und eine passende Atemübung findest du hier.

5-7 Uhr ist die ideale Zeit zum Aufstehen und für den Tagesbeginn. In der chinesischen Medizin ist der Dickdarm dafür zuständig, den Körper zu entschlacken.
Redaktion

5–7 Uhr: Dickdarm (Metall-Element)

Wache auf und entschlacke.

Mit Blick auf die Organuhr ist dies die ideale Zeit zum Aufstehen und für den Tagesbeginn. In der chinesischen Medizin ist der Dickdarm dafür zuständig, den Körper zu entschlacken. Daher ist es in diesen Stunden des Tages gut, Stuhlgang zu haben und die am vorherigen Tag verdauten Abfallprodukte auszuscheiden. Durch das Loslassen schaffst du außerdem Raum für die Aufnahme von Neuem – ob es sich nun um neue Nahrung, Erfahrungen oder Ideen handelt. Loslassen ist nicht immer leicht. Verstopfung ist zum Beispiel eine verbreitete Störung, die mit Festhalten zu tun hat.

Wenn du dich schwer von belastenden Gefühlen trennen kannst, empfehlen wir dir diesen Artikel: Schwierige Emotionen loslassen mit der RAIN-Methode.

Solcherlei Ungleichgewicht kann sich in der Kombination von Essgewohnheiten, Körperübungen, Atemübungen und einem regelmäßigen Tagesablauf in dem Maße normalisieren, wie das Körper-Qi und die Energie in ein größeres Gleichgewicht finden.
 

7–9 Uhr: Magen (Erd-Element)

Nehme einen leichten Snack zu dir, halte Stimulation im Allgemeinen in Grenzen, mache Körperübungen und genieße schließlich ein herzhaftes Frühstück.

Sind die Lungen erst einmal gereinigt, ist dies die ideale Tageszeit, um zu meditieren, Atemübungen und anschließend leichte Körperübungen zu machen. Da wir für Letzteres Qi brauchen, ist es am besten, zum Tagesbeginn eine Tasse Tee oder heißes Zitronenwasser zu trinken und ein Stück Obst zu essen. In den Stunden zwischen 7 und 9 Uhr ist die Magensäure am effektivsten tätig. Das heißt, dass die Verdauungssäfte im menschlichen Körper jetzt am stärksten sind. Essen wir jeden Morgen eine volle Mahlzeit, dann maximieren wir unsere Verdauung und die Nahrungsaufnahme und entwickeln einen gesunden Stoffwechsel. 

Der Magen ist das Organ, das die Nahrung aufnimmt, die wir zu uns nehmen, und sie so zerlegt, dass der Körper sie verstoffwechseln kann. Ohne das Qi aus unserer Nahrung haben die anderen Organe Mühe, ihren Aufgaben nachzukommen. Wenn du es dir zur Gewohnheit machst, um diese Zeit eine ordentliche Mahlzeit zu dir zu nehmen, wird dein Magen mit Sicherheit genügend Qi in Energie verwandeln können, damit du gut durch den Tag kommst.

In der chinesischen Medizin ist der Magen auch das Organ, das stets alles umrührt und verdaut, was wir an Gedanken und Emotionen, also gewissermaßen an Lebenserfahrung, aufnehmen. Eine gute Idee wäre es, zu dieser Tageszeit die geistige und emotionale Stimulation minimal zu halten, um den Magen beim Verarbeiten nicht zu überfordern und aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenig (oder gar nicht) reden, Meditation und sanfte Körperübungen wie Qigong oder sanftes Yoga, gerne bei geöffnetem Fenster, werden den Magen jetzt ebenfalls bei seiner Verdauungstätigkeit unterstützen.
Hier findest du 3 passende Mini-Meditationen für Einsteiger und eine kleine Frequenz Morgen-Yoga mit Anna Trökes, die du gleich morgen in deine Routine einbauen kannst.

 

9–11 Uhr: Milz (Erd-Element)

Fokussiere und konzentriere dich.

Die Aufgabe der Milz besteht darin, die vom Magen verdaute Nahrung in Qi umzuwandeln und durch den Körper zirkulieren zu lassen. Du wirst feststellen, dass du ohne ein nahrhaftes Frühstück auch weniger zu verteilen hast. Dies führt zu einem Ungleichgewicht in der Milz und kann zudem den Energiefluss im gesamten System durcheinanderbringen. In der chinesischen Medizin beherbergt die Milz das sogenannte yi, das am ehesten als Intention und Gedanken verstanden werden kann. Daher sind diese Stunden des Tages am besten für fokussierte geistige Arbeit geeignet wie Studieren, Schreiben, Organisieren oder Recherchieren. Mit einer gesunden Milz sind unsere Gedanken vermutlich klar und fokussiert.

Ist sie aus dem Gleichgewicht, tendieren wir zum Grübeln, zu zwanghaften Gedanken, dazu, uns zu sorgen oder zu quälen. Da der Mensch dazu neigt, zu viel nachzudenken und sich den Kopf über Vergangenes oder über künftige Belange zu zerbrechen, sind Milz und yi häufig überfordert und überlastet. Eine der besten Möglichkeiten, die Milz in der Balance zu halten, besteht in Meditation und Körperübungen wie Yoga und Qigong. Dies ist das beste Gegenmittel für einen aufgewühlten Geist, da er sich dann auf die Körperempfindungen konzentrieren kann und gewissermaßen nach Hause findet.

 Mehr Tipps, wie du innere Ruhe finden kannst, verraten wir dir hier.

Das Herz wird in der chinesischen Medizin als oberster Gebieter oder Herrscher über den Körper beschrieben.
Redaktion

11–13 Uhr: Herz (Feuer-Element)

Sei jetzt aktiv und nehme dann ein Mittagessen zu dir.

Esse nach einem zügigen Spaziergang oder anderen Körperaktivitäten ein ordentliches Mittagessen, um das Herz in seinen Anstrengungen und dich insgesamt mit Energie und Nahrung für den Nachmittag zu versorgen und zu nähren. Das Herz wird in der chinesischen Medizin als oberster Gebieter oder Herrscher über den Körper beschrieben. Der Herrscher ist in China der Kaiser, der Glück, Gesundheit und Wohlbefinden des Staates verwaltet und beaufsichtigt. 

Die Aufgabe des Herzens entspricht daher der eines Herrschers: mit Weisheit, Einsicht und Güte zu regieren und auf diese Weise für den Erhalt von Frieden und Harmonie zu sorgen. Da die Hauptaufgabe des Herzens darin besteht, Blut durch das Herz-Kreislauf-System zu pumpen, müssen wir in diesen Stunden für eine gute Durchblutung sorgen. Es ist also eine ideale Zeit, um nach der konzentrierten Arbeit in der Milzphase eine aktivere Arbeit zu verrichten. Dies gilt nur dann nicht, wenn jemand an einer Herzkrankheit oder an Bluthochdruck leidet. Da das Herz jetzt auf Hochtouren arbeitet, um das Blut zirkulieren zu lassen, kann ihm zu viel physische Anstrengung schaden. Bei einem Herzleiden ist es am besten, in diesen Stunden zu ruhen, damit das Herz seine Arbeit möglichst effizient leisten kann.
 

Organuhr

13–15 Uhr: Dünndarm (Feuer-Element)

Ruhe dich aus, halte Mittagsschlaf, lese oder erledige Alltägliches.

Die chinesische Organuhr rät nach dem Mittagessen dazu, sich auszuruhen oder leichte Aufgaben zu erledigen, die keine große geistige Anstrengung verlangen, denn jetzt arbeitet der Dünndarm daran, das Reine vom Unreinen zu trennen. Er schickt das Unreine als Abfall durch den Dickdarm und das Reine zum Herzen, sodass es sich klarer und leuchtender anfühlt. Wie bei allen Reinigungsprozessen, bei denen unerwünschte Objekte durch Absorption ausgeschieden werden, sollte man diesen Prozess am besten ungestört vonstatten gehen lassen.

Bleibt er unvollendet, riskieren wir, das, was wir rein halten wollen, zu kontaminieren. Der Körper braucht eine ruhige Umgebung, um optimalen Nutzen aus dem Reinigungsprozess ziehen zu können. Funktioniert der Dünndarm gut, dann werden Herz und Geist klare, ruhige, ausgeglichene Gedanken hervorbringen. Ist er aus dem Gleichgewicht, können Herz und Geist verwirrt und überfordert sein, und das Urteilsvermögen ist womöglich beeinträchtigt.
 

15–17 Uhr: Blase (Wasser-Element)

Trinke einen Tee. Erledige leichte Aufgaben oder bringe eine Arbeit zu Ende, für die du Konzentration benötigst.

In Großbritannien wie auch in vielen asiatischen Kulturen ist jetzt Tea Time, weil der Körper in den Blasenstunden mit dem flüssigen Abfall auch die Gifte ausscheidet. Indem du mehr Wasser oder Tee trinkst, füllst du aktiv die Reservoirs wieder auf und unterstützt den Entgiftungsprozess. Dadurch, dass die Gifte entfernt werden, stellt sich die Energie in den Nieren wieder her.

Dies kann gegen Spätnachmittag dazu führen, dass die Konzentrationsfähigkeit oder Produktivität wieder leicht ansteigt. Aufgrund unserer heutzutage hektischen und stressigen Lebensweise nehmen viele von uns diesen Schub gar nicht wahr. Stattdessen fühlen wir uns womöglich erschöpft und müde. Das liegt daran, dass die Nieren und die Blase unser konstitutionelles Qi, das auch »Essenz« oder jing genannt wird, speichern und zu regulieren helfen. Fühlst du dich zu dieser Tageszeit müde, solltest du dich lieber ausruhen, statt dich mit anspruchsvoller Arbeit zu quälen.
 

17–19 Uhr: Niere (Wasser-Element)

Mache sanfte Körperübungen, die helfen, die Knochendichte zu erhöhen, und nehme dann zum Abendessen etwas Leichtes zu dir.

Da zu dieser Tageszeit die Nieren am aktivsten sind, wäre es sinnvoll, ein paar leichte Körperübungen zur Erhöhung der Knochendichte zu machen, wie etwa Qigong-Übungen im Stehen, die das Prinzip der Tensegrity verwenden (das heißt, eine Kombination von Anspannung und Kompression auf Muskeln und Knochen anbringen), oder Belastungsübungen aus dem Yoga, zum Beispiel die Positionen »Heuschrecke«, »Herabschauender Hund« oder »Brett«, die gegen die Schwerkraft zu halten sind und von denen es heißt, dass sie die Knochen stärken.

Bist du in einem Fitnessstudio angemeldet, wäre die Nierenzeit für leichtes Gewichtheben gut geeignet. Eine leichte Mahlzeit nach den Körperübungen stärkt die Nierenessenz, auch jing genannt, ebenfalls. Wir haben zwei Arten von in den Nieren gespeichertem jing: das jing unserer Vorfahren, das uns von unseren Eltern, Großeltern und Ahnen weitergegeben wurde, und das nachgeburtliche jing, das wir durch unsere Essgewohnheiten, Körperübungen und Lebensweise aufnehmen. Von beiden heißt es, dass sie unser Knochenmark unterstützen und anreichern, was nicht nur für unsere Körpergrundstruktur bedeutend ist, sondern auch mit so wichtigen Funktionen zu tun hat wie dem Aufbau unseres Immunsystems.
 

Das Perikard ist der Beschützer des Herzens.
Redaktion

19–21 Uhr: Perikard (Feuer-Element)

Mache es dir mit einem guten Buch, einem gewaltfreien Film oder deinen Lieben gemütlich.

In der Zeit des Perikards (des Herzbeutels, eine Art Bindegewebe, das das Herz umschließt) kannst du es dir mit jemandem oder etwas, den oder das du liebst, gemütlich machen, dich ruhig hinsetzen und/oder etwas Inspirierendes, »Herzerwärmendes« lesen. Das Perikard ist der Beschützer des Herzens. Das Herz ist in der chinesischen Medizin sehr wichtig, und jeder direkte Schlag dagegen wäre zu schmerzhaft beziehungsweise gefährlich oder gar tödlich. Der Beschützer des Herzens hat daher die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Herz in Sicherheit ist.

Wird es durch großen Kummer, Trauer oder Gewalt angegriffen, federt das Perikard den ersten Stoß ab. Auf diese Weise leitet es Spannung mit ab und schützt das Herz vor direkter Verletzung. Wie ein »wohlwollender Türsteher« eines Nachtclubs lässt es jedoch ein, was das Herz füttert und nährt, wie etwa Zärtlichkeit, Freundlichkeit, Fürsorge und Liebe. In den klassischen Texten der chinesischen Medizin und daoistischen Handbüchern gelten die Stunden des Perikards als ideale Zeit für die Liebe. Hat man keine Beziehung, kann man jetzt wunderbar Zeit mit Haustieren, Freunden oder anderen Menschen verbringen, die einem nahestehen.
 

21–23 Uhr: Dreifacher Erwärmer (Feuer-Element) 

Nehme ein Bad oder eine heiße Dusche und gehe zu Bett.

Angesichts der Anforderungen der heutigen Zeit ist es nicht immer möglich, so früh schlafen zu gehen: Späte Arbeitszeiten, technische Geräte, die uns wachhalten, oder gute spätabendliche Fernsehprogramme verlocken dazu, lange aufzubleiben. Ein Lebensrhythmus mit frühen Schlafenszeiten bietet jedoch viele Vorteile. Der Dreifache Erwärmer ist sozusagen der Temperaturregler des Körpers. Seine Funktion besteht darin, unsere Temperatur in drei Hauptbereichen zu regulieren: im Unterbauch, im Solarplexus und in der Brust. Diese Bereiche sind durch Faszien miteinander verbunden.

Ist die Temperatur in diesen drei Bereichen gut reguliert, dann ist der Körper selbstreguliert oder auch im Gleichgewicht. Dies unterstützt Funktionen wie den Stoffwechsel, die Hormonproduktion, Stimmung, Fortpflanzung, Sexualfunktion und den Schlaf. Damit der Dreifache Erwärmer gut arbeiten kann, sollte man in seiner Hauptfunktionszeit am besten schlafen. Gehst du jetzt nicht ins Bett, kann das die Fähigkeit des Körpers, diese Aktivitäten zu bewerkstelligen und zu regulieren, behindern und zu Problemen in Blutkreislauf, Atmung, Verdauung, Ausscheidung und Fortpflanzung führen. 

 

Ab 23 Uhr findet der empfindliche Übergang zwischen den Yang- und Yin-Kreisläufen statt.
Redaktion

23–1 Uhr: Gallenblase (Holz-Element)

Schlafe und ermögliche deinem Körper, sich zu regenerieren.

Jetzt findet der empfindliche Übergang zwischen den Yang- und Yin-Kreisläufen statt. Der Körper beginnt, das Blut und die Zellen zu regenerieren, beides Aufgabe von Gallenblase und Leber. Die Leber (das größte Körperorgan) und die Gallenblase (ein kleines, birnenförmiges Organ direkt unterhalb der Leber) befinden sich beide auf der rechten Körperseite unterhalb der Rippen. 

Entsprechend der chinesischen Medizin, regiert die Gallenblase über Urteilsvermögen und Entscheidungsfindung. Sie setzt die von der Leber erzeugten Ideen und Pläne um. Bist du um diese Zeit wach, beeinträchtigst du womöglich die Entscheidungsfähigkeit deiner Gallenblase und störst sie in ihrer Aufgabe, die Galle aus der Leber zu entfernen und zu speichern. In diesem Fall kann »zu viel Galle« entstehen, was leicht zu Grobheit, Ungeduld und Unbesonnenheit führt.

Viele Menschen bleiben heutzutage lange auf. Vielleicht gehörst du ebenfalls dazu. Unsere technischen Geräte wie auch spätabendliche Fernsehprogramme oder andere Unterhaltung sind verlockend. Wenn wir zwischen 23 und 1  Uhr nachts auf sind, wächst laut chinesischer Medizin unsere Neigung zu Irritationen, Wut oder sogar Gewalt. 
 

1–3 Uhr: Leber (Holz-Element)

Zeit für Tiefschlaf, Entgiftung und Träume, die dir  Inspiration für deine Visionen, Ziele und Pläne schenken.

In diesen frühen Morgenstunden gibt der Körper Toxine frei, die von der Leber aufgenommen und in Form von Galle an die Gallenblase weitergegeben wurden. Diese Toxine können sowohl Chemikalien oder Hormone aus unserer Nahrung wie auch im Alkohol enthaltene Gifte und Pestizide sein. Damit der Körper seinen Aufnahme- und Ausscheidungsprozess effektiv und ungestört vollziehen kann, sollte er um diese Zeit ruhen. Bist du dagegen in diesen frühen Morgenstunden wach, kann sich dies negativ auf deine Leber (und Galle) auswirken und zu vermehrter Toxizität und Störungen anderer von der Leber verwalteter Funktionen wie Menstruation, Schlaf, Hormonproduktion und allgemeines Energieniveau führen. 

Hast du bereits ein Problem mit deinem Hormonstatus? Dann kann dir dieser Artikel vielleicht weiterhelfen: Hormone & Lebensmittel - die richtige Ernährung zum hormonellen Gleichgewicht.

Laut westlicher Medizin hat die Leber viele Funktionen, darunter auch das Speichern von Zuckern und deren Freigabe während der Nacht. Genau deshalb wachen wir, wenn wir spät eine schwere Mahlzeit oder kurz vor dem Schlafengehen süße Snacks zu uns genommen haben, mitunter mitten in der Nacht auf. Haben wir bereits durch unser Essen Zucker im Blut, kann uns die zusätzliche Lebertätigkeit nachts aufrütteln. Deshalb ist es sinnvoll, abends vor 19 Uhr zu essen und späte Snacks zu vermeiden. Eine gesunde Leber unterstützt außerdem die eigenen Visionen, Ziele und Träume. In diesen Nachtstunden tauchen häufig Träume auf. 

Die Leber nimmt zudem Wut  – eine Emotion, die mit dem Holz-Element assoziiert ist – auf und setzt sie frei. Eine Leber, die aus dem Gleichgewicht ist, kann zu Irritation, Zorn oder – im Mangelzustand – zu Duckmäuserei und der Unfähigkeit führen, sich zu behaupten. Eine gesunde, ausbalancierte Leber dagegen ermöglicht es uns, Wut kreativ und konstruktiv so zu äußern, dass wir weder uns selbst noch anderen Schuld zuzuweisen brauchen.
 

Abschließende Gedanken zu den Tageszeiten

Regelmäßig früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen ist ein guter Anfang, wenn man die eigene Gesundheit unterstützen und kultivieren und den Körper ins Gleichgewicht bringen will. Auch wenn manche der Vorschläge für Aktivitäten zeitlich so nicht gleich einzuteilen sein sollten, denke daran, dass jeder Samen, den du säst, mit der Zeit aufgehen wird. Vielleicht möchtest du erst einmal nur die Morgen- und Abendroutine umstellen. Sind diese dann zur Gewohnheit geworden, kannst du deine Energie Stück für Stück weiteren Veränderungen in deinem Alltag widmen. Es eilt nicht. Lass dir Zeit und nimm wahr, wie sich die Veränderungen anfühlen. Die chinesische Organuhr wird dir dabei helfen.
 

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