Qigong: Den eigenen Energiefluss spüren und stärken

Meditation & Achtsamkeit

Alles Lebendige hat Energie, und alles Lebendige hat Qi. Und mit diesem Qi – auch der Bäume, der Wälder, der Berge und Seen, der Tiere, Pflanzen und Steine – kannst du über deine Vorstellungskraft in Verbindung treten. Das chinesische Zeichen »Qi« bedeutet Energie und »Gong« bedeutet Methode und weist darauf hin, dass Qi – die Lebensenergie – nur durch praktische Anwendung erfahrbar wird. Ist Qi nicht im Fluss, entstehen im Körper Blockaden, und der Mensch wird krank. Durch das Üben von Qigong hingegen können die Blockaden aufgelöst werden, und der Mensch kann wieder gesund werden. 
 

Qigong-Übungen entstammen dem Daoismus, Konfuzianismus oder Buddhismus.
Redaktion

Yin und Yang 

Energie ist aber nicht gleich Energie, sondern in der Traditionellen Chinesischen Medizin wird zwischen Yin- und Yang-Energie unterschieden. Gesundheit ist ein Zustand von Harmonie, in dem Yin und Yang im Gleichgewicht sind. Krankheit ist ein Zustand, in dem Yin und Yang im Ungleichgewicht sind. In der TCM wird sogar in jedem Organ die Yin- und Yang-Qualität beurteilt. Wenn wir uns krank fühlen, kann man das auch auf eine Yin- oder Yang-Schwäche zurückführen. Hier kann durch Üben von Qigong das Gleichgewicht wiederhergestellt werden. 

Yin - steht für das weibliche Prinzip, das Empfangende, das Ruhende, das Feste, das Dunkle; - für den Winter, die Kälte, für Intuition und Weisheit. Mond, Erde, See werden auch dem weiblichen Prinzip zugeschrieben. Yang - steht für das männliche Prinzip, das Aktive, das Bewegte, das Fließende; - für den Sommer, die Hitze, für den Intellekt und die Methode. Sonne, Himmel, Berge, Felsen werden dem männlichen Prinzip zugeschrieben. Dies ist eine sehr vereinfachte Darstellung von äußerst tiefgründigen philosophischen Werten, deren Komplexität sich in dem Satz erahnen lässt: »In allem Yin ist Yang, in allem Yang ist Yin.« 

 

Yin und Yang beim Qigong

Das Durchdrungensein von Yin und Yang nutzt man ganz praktisch beim Üben von Qigong, indem man sich über den Scheitelpunkt mit dem Himmel (Yang) und über die beiden Füße mit der Erde (Yin) verbindet. Du kannst aber auch in der Natur Qi aufnehmen: sitzt du auf einem Felsen, wird deine Yang-Energie gestärkt, und im Wasser erfährst du die Yin-Qualität. Der Mensch kann die Yang-Energie des Himmels und die Yin-Energie der Erde in sich transformieren und sich mit dem Universum verbinden.

Die daoistischen Weisen geben einem dazu gerne das Bild, dass durch die Gedankenkraft aus dem Unterbauch Fäden zum Universum, zu Menschen, zu Tieren, zu Pflanzen etc. gesponnen werden. Wenn du mit diesem Bild etwas anfangen kannst, dann kannst du dir vorstellen, dass du dich mit allem Lebendigen bewusst verbinden kannst und du Teil eines riesigen Netzwerks bist. 

 

Das Qi stärken

Zurück zum Qi: Qi ist Lebensenergie, die in Energiebahnen – den Meridianen – durch unseren Körper fließt. Mit jedem Atemzug nimmst du Qi und Sauerstoff über deine Nase und deinen gesamte Körperoberfläche (Haut, Poren) auf. Mit einer fokussierten Vorstellungskraft kannst du das sogar noch verstärken. 

Qi besteht aus drei verschiedenen Qualitäten: Jing, Qi und Shen. Deshalb wird Qi auch als »Die drei Kostbarkeiten« bezeichnet. Alle drei fließen vereint als Qi in den Energiebahnen. Jing wird normalerweise mit Essenz übersetzt, Qi ist die grundlegende Lebenskraft und Shen auf der Ebene der geistigen Funktion. Jing ist die feinstoffliche, Qi die halb-feinstoffliche und Shen die geistige Ebene. Qi wird über die Atmung, aber auch über deine Poren und ganz besonders intensiv von unseren Händen und Augen aufgenommen und ausgeschieden. Geschwächt wird es hingegen über zu viel Sprechen, sportliche Überforderungen oder Sexualität.
 

Das Qi in unseren Energiebahnen bewegt sich pausenlos, doch die Intensität wechselt von Organ zu Organ alle zwei Stunden.
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Die drei Energiespeicher

In unserem Körper befinden sich drei wertvolle Speicher (Energie-Tankstellen). Der Hauptenergiespeicher ist das Untere Dantien. Seine japanische Bezeichnung Hara ist bei uns bekannter. Es befindet sich unterhalb des Nabels. Neben dem Unteren Dantien gibt es das Mittlere Dantien, das sich in Höhe der Brustwarzen in der Mitte des Brustbeins befindet. Das Obere Dantien liegt zwischen den Augenbrauen und wird auch oft als Drittes Auge bezeichnet. 

Durch das Üben von Qigong lernen wir, diese Energiespeicher immer deutlicher wahrzunehmen, das Qi zu spüren, zu fühlen und auszugleichen und damit besser für uns zu sorgen.

 

Energiepforten

Der Körper hat mehrere besondere Pforten, um Energie aufzunehmen und auch abzugeben: 

  • Die Himmelspforte befindet sich am Scheitelpunkt.
  • Die Menschenpforte befindet sich in der Mitte der Hand. Sie wird auch Laogung-Punkt genannt. (Beuge den Mittel- und Ringfinger in die Mitte deines Handtellers. Dort, wo die Fingerkuppen die Handfläche berühren, befindet sich der Laogung-Punkt.)
  • Die Erdpforte befindet sich in der Mitte des Fußballens und wird Sprudelnde Quelle genannt.
  • Eine weitere wichtige Erdpforte, die besonders im buddhistischen Qigong (Chan Mi Qigong) geübt wird, ist der Dammpunkt, auch Huiyin genannt. 

Über all diese Pforten stehen wir im Austausch mit dem Universum und können durch das gezielte Üben von Qigong frische Energie in uns aufnehmen und verbrauchte Energie abgeben. Ein Hauptmerkmal dieser Energiepforten ist, dass ein Energieaustausch vermehrt stattfinden kann.

 

Erlebe deinen Qi-Fluss

Bist du neugierig geworden, wie sich dein Qi anfühlt? Dann mache die folgende Übung. Sie wird dir einen ersten Geschmack davon vermitteln, wie du eine Verbindung zu deinem Qi herstellen kannst. Und wenn du die Übungen regelmäßig machst, wirst du nach und nach auch immer mehr Gespür dafür bekommen, wie du dein Qi stärken kannst. 

So geht‘s:

  • Halte beide Hände vor deinem Körper in einem gewissen Abstand, die Handflächen zeigen zueinander und die Fingerspitzen zeigen zum Himmel. 
  • Schließe deine Augen und konzentriere dich auf die Handmitte. 
  • Beuge beide Ring- und Mittelfinger Richtung Handmitte und berühre dort mit deinen Fingerkuppen die Laogung-Punkte – eine der oben beschriebenen Energiepforten.
  • Öffne nun wieder deine Hände und spüre die Verbindung zwischen beiden Händen. Vergrößere nach einer gewissen Zeit den Abstand zwischen deinen Händen. 
  • Wenn du den Energiekontakt verlierst, verringere den Abstand wieder. 
  • Spiele mit der Energie wie mit einem unsichtbaren Ball zwischen deine Handflächen. Du kannst sie als Wärme, Kribbeln oder kühlen Wind wahrnehmen.

Solltest du heute nichts wahrnehmen, so probiere es in den nächsten Tagen noch einmal aus. Manchmal kann es dauern, bis man es spürt.
 

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