5 Phasen der Trauer: Die Bewältigung von Abschied und Verlust

Leben & Balance

»Es war wie im falschen Film!«, »Ich? Schwer krank? Nein, das kann gar nicht sein!« – Solche oder ähnliche Gedanken oder Worte sind häufig das Erste, was in einem Menschen aufkommt, wenn er eine tödliche Diagnose mitgeteilt bekommt. Angehörige und Freunde reagieren meist ähnlich. Am liebsten würden die Betroffenen einfach weglaufen, weit weg von allem. 

Einige sind fassungs- und sprachlos, verwirrt, innerlich leer. Manche vergießen nicht eine einzige Träne, bei anderen hören sie gar nicht mehr auf zu fließen. Die einen versuchen, die Diagnose zu verdrängen und sich abzulenken, die anderen stellen Fragen über Fragen. 

In den Tagen und Wochen nach einer tödlichen Diagnose können sich aufbrechende Emotionen wie Gereiztheit, Aggression, Wut, Angst, Schuldfragen oder -zuweisungen und Enttäuschung abwechseln. 

Wichtig ist: Jede Reaktion ist in Ordnung, es gibt hier kein richtig oder falsch. Denn es geht nun erst einmal darum, die Diagnose sacken zu lassen – und dafür hat jede(r) seine/ihre eigene Methode.

Allerdings lässt sich bei vielen Trauernden ein Muster erkennen, welches die bekannte schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross unter den 5 Phasen der Trauer zusammengefasst und bekannt gemacht hat.

 

Trauerbewältigung: Die 5 Phasen der Trauer nach Kübler-Ross

Diese können von schwerkranken Menschen durchlaufen werden – allerdings nicht zwangsläufig in der genannten Reihenfolge. Manchmal kommt es auch zu Umwegen oder Rückschlägen, einzelne Trauerphasen können wiederholt oder auch übersprungen werden. 

Wir Menschen sind einzigartig, unsere Leben und unsere Gefühlswelten sind individuell – und genauso individuell ist auch unser Prozess der Trauerbewältigung. Es gibt nicht den präzisen Ablauf der Sterbephasen. Angehörige und Sterbebegleiter sollten das Leben und Sterben des Erkrankten daher auch nicht auf starre Phasen reduzieren.
Die Phasen können vielmehr für die Betroffenen und ihr Umfeld eine Orientierungshilfe darstellen für die Zeit nach der Diagnose.

Phase I: Schock und Verleugnung, Verneinung der Tatsache

Das erste Stadium beginnt mit der Diagnose einer lebensbedrohlichen Erkrankung. Betroffene können und wollen in dieser Phase nicht wahrhaben, was sie gehört oder gelesen haben. Sie reagieren auf die Information ihrer tödlichen Krankheit oft wie unter Schock, fühlen sich hilflos, alleine, verzweifelt. 
In der Regel lehnen Erkrankte die Auseinandersetzung mit dem Tod ab und weigern sich, sich mit ihm zu beschäftigen.
Die erste der Trauerphasen bildet den eigentlichen Beginn des Trauerprozesses. Sie kann mehrere Stunden, oft aber auch einige Tage oder gar Monate andauern.

Phase II: Einsetzen der Gefühle, Fragen und Aggressionen

Die zweite Phase ist die der Fragen nach dem Warum, Weshalb, Wieso. Betroffene haben ihre Diagnose verstanden und erleben unterschiedlichste emotionale Reaktionen.

Die Reaktionen auf eine tödliche Diagnose sind äußerst individuell – und jede Reaktion ist richtig.
Redaktion

Betroffene reagieren negativ auf ihre Umwelt, beschimpfen teilweise gesunde Personen, weil sie ruhelos werden durch die Frage »Warum ausgerechnet ich?«. Sie werden wütend und aggressiv, häufig zeigen sich auch Zorn und Neid auf weiterlebende Menschen.
Nicht selten stellen Erkrankte die Vermutung an, es kümmere niemanden, dass sie sterben. Neben schwarzem, verletzendem Humor äußert sich dies auch in verbalen Angriffen von Pflegepersonal oder nahestehenden Angehörigen. Eine betroffene, geliebte Person ist für ihr Umfeld oft nicht wiederzuerkennen.

Phase III: Verhandlungen über das Leben

Der Mensch beginnt in dieser Phase, sich mit seinem Tod auseinanderzusetzen. Er versucht, mit Ärzten oder Gott zu verhandeln, also mit denjenigen, von denen er glaubt oder hofft, dass sie ihn noch heilen oder ihm zumindest einen Aufschub gewähren können. Dann wünscht er sich, bestimmte Ereignisse – zum Beispiel die Hochzeit eines Kindes – noch mitzuerleben.

Die 5 Phasen der Trauer können in unterschiedlichen Reihenfolgen und Geschwindigkeiten durchlaufen werden. Manchmal gibt es auch Umwege oder Rückschläge, einzelne Phasen werden wiederholt.
Redaktion

Phase IV: Depressive Verstimmung, Niedergeschlagenheit

Todkranke spüren jetzt die Symptome und Konsequenzen der tödlichen Krankheit immer mehr und verfallen in eine depressive, hoffnungslose oder auch apathische Stimmung. Sie bereuen es, bestimmte Dinge im Leben versäumt zu haben, hadern mit falschen Entscheidungen. Das ist oft aber auch Antrieb, sich um letzte Dinge wie das Testament oder die Versorgung ihrer Liebsten zu kümmern.

Phase V: Akzeptanz und Annahme, Rückzug

Die letzte Phase der Trauer nach Kübler-Ross ist die der Akzeptanz. Die betroffene Person ist sich ihres bevorstehenden Todes bewusst und hat diesen akzeptiert und angenommen. Nicht jeder Erkrankte erreicht diese fünfte Trauer- und Sterbephase. Unter denen, die sie erreichen, lässt sich oft beobachten, dass sich die Betroffenen in sich selbst zurückziehen und sich von der Außenwelt abkoppeln. Sie beginnen, ihren Verlust zu verarbeiten - denn nicht nur für die Hinterbleibenden entsteht eine große Lücke. 

 

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