Achtsamkeit zu Fuß entdeckt – Gehmeditation

Meditation & Achtsamkeit

 

Achtsam zu sein bedeutet, dass wir möglichst offen, wertfrei und neugierig im gegenwärtigen Moment sind. Es beschreibt einen Zustand, in dem wir mitbekommen, was im Augenblick geschieht. Und zwar mit allen Sinnen. Wir sind gedanklich weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft. Wir schmieden keine Pläne und trauern Vergangenem nicht hinterher. Achtsamkeit ist die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiches Üben der Gehmeditation. Nur wenn du dir genügend Zeit für eine Übung nimmst, kannst du auch die kleinsten Veränderungen in deinem Körper und deinem Geist wahrnehmen, die dadurch entstehen, dass du ganz anwesend bist, wenn du einen Fuß nach dem anderen von der Erde hebst und wieder absetzt. Und das können manchmal sehr feine Veränderungen sein, die du nicht erspüren würdest, wenn du dir nicht wirklich genügend Zeit schenkst, um dich der Übung mit all deinen Sinnen und mit all deiner Aufmerksamkeit zuzuwenden.

Ohne Hinwendung auf das, was wir tun, während wir gehen und mit unseren Füßen die Erde berühren, ist jedes Bewegen seelenlos und ohne großen Sinn und Zweck. Ohne Fühlen, Spüren und Wahrnehmen werden in unseren Bewegungen im wahrsten Sinne des Wortes keine dauerhaften Fortschritte möglich. Jeder hat ein gewisses Körpergefühl – auch du. Aber ein Gefühl allein reicht nicht aus, um ein tieferes Körperbewusstsein zu erfahren, welches dich in Kontakt bringt mit deinen eigentlichen Bedürfnissen. Dies erfordert Hingabe in der täglichen Praxis. Es ist eine sehr spannende und für manchen auch eine ganz neue Erfahrung, über das Fühlen, Spüren und Wahrnehmen ein differenziertes Körperbewusstsein zu entwickeln. Besonders gut kannst du dies meiner persönlichen Erfahrung nach über das Wahrnehmen der Füße und das achtsame Gehen praktizieren.

 

Heitere Gelassenheit kultivieren

Neben der Achtsamkeit ist heitere Gelassenheit ein weiteres wichtiges Tool für deine bewusste Wahrnehmung. Lass also den Ehrgeiz los und versuch deine Bemühungen, es besonders gut oder vielleicht sogar perfekt zu machen, hinter dir zu lassen. Sonst besteht die Gefahr, dass du dich verkrampfst und im Kopf bist, anstatt vollkommen in die Wahrnehmung deiner Füße zu kommen. Durch Heiterkeit lösen sich Blockaden, und deine Energien bleiben im Fluss.

 

Achtsamkeits-Basics

Auf den Weg geben möchte ich dir noch ein paar Tipps, die das achtsame Gehen zu einer wundervollen Erfahrung machen.

Nimm dir genügend Zeit für deine Füße.

Richte deine Gedanken im Verlauf eines Tages immer wieder auf deine Füße.

Entspann dabei alle Zehen.

Wenn du gehst, dann versuch bei jedem Schritt mit deiner Konzentration in deinen Füßen zu bleiben. Aber bitte verurteile dich nicht, wenn es dir nicht von Anfang an gelingt.

Entwickle das Gefühl der „lächelnden Füße“.

Versuch, vorsichtig und sanft aufzutreten.

Richte deine Aufmerksamkeit auf die Beschaffenheit des Bodens (Waldboden, Kieselsteine, Sand, Beton …) und versuch sie mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Halte dabei den Kopf aufrecht und schau nach vorn. Dich auf die Füße zu konzentrieren bedeutet aber nicht, dass du den Blick zu den Füßen lenkst.

Sei geduldig und lass dir Zeit. Mach dir bewusst, dass es eine gewisse Übung braucht, die ganze Aufmerksamkeit weg vom Kopf und hin zu den Füßen zu lenken. Somit wird es dir anfangs möglicherweise sogar schwerfallen und ungewohnt erscheinen, aber denk daran: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

 

Gehmeditation

Die Gehmeditation ist langsames, bewusstes Gehen, das heißt: Wir sind mit der ganzen Aufmerksamkeit möglichst nur beim Gehen. Sie wird in allen buddhistischen und taoistischen Traditionen in unterschiedlichen Formen geübt. Im Zen und im Qigong praktiziert man Gehmeditation bis hin zum schnellen Laufen. Am bekanntesten ist die Gehmeditation des vietnamesischen Meisters Thich Nhat Hanh. Er lehrt seine Schüler, so zu gehen, als würde bei jedem Schritt die Erde von den Füßen geküsst und dadurch eine Blume erblühen. Wenn man ihm persönlich begegnet, spürt man seine Präsenz und Verwirklichung bei jedem Schritt. Das erfordert jedoch eine lange Zeit des Übens, Spürens und Wahrnehmens.

Seine besonders eindrucksvoll-einfachen Anweisungen für die Gehmeditation sind:

Mit dem Einatmen einen Schritt mit dem linken Fuß.

- Mit dem Ausatmen einen Schritt mit dem rechten Fuß.

Im Tibetischen gibt es dazu folgende Anweisungen:

- Den Oberschenkel und dadurch auch den Fuß anheben.

- Den Fuß vorschieben.

- Den Fuß mit den Ballen des kleinen und des großen Zehs aufsetzen und zur Ferse hin abrollen.

- Dabei schiebt sich die Leiste erst über das Knie und dann über das Knie sowie die zweite und dritte Zehe.

- Währenddessen hebt sich der andere Fuß auf den Ballen.

- Beim nächsten Einatmen wird er dann mit dem Oberschenkel angehoben – und ebenso wieder abgesetzt.

- Dabei umfasst hinter dem Rücken die rechte Hand das linke Handgelenk.

Versuch das bewusste Gehen auch in deinen Alltag zu integrieren. Du kannst es überall üben: Wenn du zur Bushaltestelle gehst, zu deinem Auto oder auch zur Toilette. Wähle immer wieder eine Wegstrecke, die sich für dich am besten für die tägliche Übung eignet. Und geh so, Schritt für Schritt, Tag für Tag, heiter immer weiter.

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