Wie du dir selbst vertraust und Zweifel überwindest

Leben & Balance

Selbstbewusstsein ist so eine Sache. Für viele von uns ist es etwas, das als erstrebenswert gilt. Das bedeutet im Umkehrschluss aber, dass wir der Meinung sind, es noch nicht zu sein. Wir zweifeln, an uns selbst, unserem Können und dem Weg, auf dem wir uns befinden. Dabei halten diese Selbstzweifel einen klein – und führen dazu, dass man sein eigenes Leben nicht selbst in die Hand nimmt. 

Doch woher kommt dieses schlechte Selbstbild? Wieso fallen uns, wenn man fragt, immer mehr Schwächen als Stärken ein? Und wie kann man das Blatt wenden und sich selbst im rechten Licht sehen? 

 

Der Grundstein wird in der Kindheit gelegt

Der Kern einer verqueren Selbstwahrnehmung und eines schlechten Selbstbildes liegt meist in der Kindheit. Grundwerte wie Achtsamkeit, Ehrlichkeit, Empathie und Verantwortungsbewusstsein werden vor allem dort vermittelt, wo Menschen einander wichtig sind.

Wer groß wird in dem Gefühl, als Person etwas zu bedeuten, der wird auch im späteren Leben mehr von sich halten – selbst, wenn man in der Erziehung vermittelt bekommt, bescheiden zu sein. Wer wiederum keine starken Beziehungen innerhalb der Familie oder auch im Freundeskreis erfährt, fühlt sich auch im Erwachsenenalter tendenziell orientierungslos. Es fehlt die innere Haltung, dass man Dinge erreichen kann, der Selbstwert bleibt eher im Keller als bei anderen. 

 

Wie findet man als Erwachsener zu Selbstvertrauen?

Der Name sagt es bereits: Selbstvertrauen ist das Vertrauen in sich selbst. In sich als Person, in sein Können, seine Talente und seine Absichten. Das ist zum Großteil – nicht nur durch die Kinderstube – sozial geprägt und bedingt sich gegenseitig. Wer Selbstvertrauen hat, wird seine Stärken gerne nach außen zeigen. Wer seine Stärken zeigt, bekommt gespiegelt, dass er Talente hat. Wer das gezeigt bekommt, gewinnt wiederum an Selbstvertrauen. 

Das Wichtigste – und gleichzeitig Schwierigste – ist vor allem, hinter dem zu stehen, was man tut. Dann ist man selbstsicher, und das Selbstbild deckt sich mit dem, was man nach außen hin ausstrahlt und was andere somit in der eigenen Person wahrnehmen. Diese Deckung macht einen frei: von Erwartungen anderer, von Ängsten und Unsicherheiten, von den vermeintlichen Schwächen, die man hat. Man wird frei, sein eigenes Leben in die Hand zu nehmen und selbst zu gestalten, anstatt nur „Mitfahrer“ zu sein und die Dinge lediglich geschehen zu lassen. Man kann einfach sein. 

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Das Leben passiert außerhalb der Komfortzone.
Redaktion

Dafür muss man jedoch ehrlich und mutig sein. Man muss sich selbst als Person reflektieren, auf seine Herkunft und Erziehung schauen und kleine sowie tiefgreifende Ängste überwinden. Man muss bereit sein, womöglich zu scheitern. Auch zwei oder drei Mal, bis man zum Ziel kommt. Doch wer die eigene Komfortzone nicht verlässt, der wird immer hinter seinen eigenen Möglichkeiten bleiben.

Was nach einem etwas abgedroschenen Spruch klingt, hat einen wahren Kern: Das Leben passiert außerhalb der Komfortzone. Was einen herausfordert, bringt einen weiter. Und näher zu sich selbst. Momente und Situationen, die erst einmal „kompliziert“ sind und nicht einfach von der Hand gehen, lehren einen sehr viel über die Person, die man ist und die, die man sein möchte. 

Selbstzweifel vs. Hoffnung: den ersten Schritt gehen

Es ist leichter gesagt, als getan. Der erste Schritt ist meist der schwierigste, an „einfach losgehen“ ist gar nichts einfach. Der Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein ist vergleichbar mit guten Vorsätzen. Jeder von uns hat sich zu Beginn eines neuen Jahres wahrscheinlich schon gewisse Dinge vorgenommen, Dinge, die er besser machen möchte. Und diese höchstwahrscheinlich recht schnell wieder verworfen. 

Das liegt nicht unbedingt an fehlender Willenskraft, sondern an Gewohnheiten und schlechten Erfahrungen, die uns unbewusst und innerlich ausbremsen. Wir bleiben an alten Mustern und Bildern hängen, die wir gelernt haben. Das Alte zu verabschieden und frei ins Neue zu laufen, neue Gewohnheiten zu entwickeln, ist schwer. Denn das erfordert, dass sich unser Gehirn neu verknüpft. Dazu muss man die gewünschten Gewohnheiten immer und immer wiederholen, selbst wenn es einem widerstrebt. Dafür ist Durchhaltevermögen gefragt. Man muss das, was einem fremd ist, so lange wiederholen, bis es einem in Fleisch und Blut übergeht – bis man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Das ist anstrengend. Aber es lohnt sich. 

 

Selbstzweifel überwinden

Denn genau so lassen sich auch Selbstzweifel überkommen. Es ist Arbeit. Aber diese Arbeit ist auf lange Sicht sehr befreiend. Jeder Mensch sucht nach einem Sinn, der sein Leben erfüllt. Diese Erfüllung findet man jedoch selten in „Ich kann das nicht“ und „Das wird nie klappen“. Dabei ist es ganz egal, wonach man sich sehnt: ob man im Job eine Führungsposition anstrebt, ob man sich privat endlich kreativ verwirklichen möchte oder einen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen will – man muss losgehen und riskieren, erst einmal zu scheitern. Und dann wieder aufstehen und weiterlaufen. 
 

Oft verwechseln wir ein bequemes Leben mit einem guten Leben.
Redaktion

Scheitern erwünscht

Dabei ist das Scheitern nicht zwangsläufig ein Hindernis. Es kann auch zu einem Schlüsselmoment auf dem Weg zum gesunden Selbstbewusstsein werden. Denn, neurologisch betrachtet, wirkt sich ein intensives Erlebnis unter Beteiligung aller Sinne viel stärker auf unser Verhalten aus als ein bloßer Appell oder ein gelesener Satz. Sogenannte Bewältigungserlebnisse brennen sich ins Gehirn ein, indem sie neue Verbindungen im neuronalen Netzwerk schaffen, die dann nicht mehr so leicht zu löschen sind. Und: Wer eine solch emotionale Herausforderung überwunden hat, dem fällt es auch in Zukunft leichter, in schwierigen Situationen zu bestehen. Das Selbstbewusstsein wächst. 

Oftmals verwechseln wir ein bequemes Leben mit einem guten Leben. Weil nichts anstrengend ist und uns herausfordert, geht es uns vermeintlich gut. Warum auch nicht, das Streben nach Sicherheit und Kontrolle wird uns von kleinauf beigebracht. Wir werden nicht dazu erzogen, Fehler zu machen. Wir haben schnell Angst, die Kontrolle zu verlieren. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Doch das beschränkt ein freies, selbstbestimmtes Leben. 
 

Vertrau dir selbst

Wegen der Angst vor Fehlern trauen sich viele Menschen auch weniger zu, als tatsächlich in ihren Möglichkeiten liegt. Dabei liegt es bei jedem selbst, sein Leben im Rahmen genau der vielen Möglichkeiten, die noch versteckt irgendwo schlummern, zu gestalten – und das Beste aus jeder Situation zu machen. Wenn man sich auf neuem Grund und in ungewohnten Situationen bewegt, ist die Unsicherheit besonders groß. Das ist normal. Doch wir können steuern, wie wir die Situation jeweils interpretieren. Das Selbstbewusstsein spielt hier jedes Mal eine große Rolle. Doch das Vertrauen in sich selbst wächst mit jeder gemeisterten Unbequemlichkeit. Geh einfach los.
 

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