Lerne dich selbst zu lieben

Leben & Balance

Hand aufs Herz: Bist du hundertprozentig zufrieden mit dir selbst? Deinem Aussehen, deiner Fitness, deinen Essgewohnheiten? Wenn du jetzt mit „nein“ geantwortet hast, keine Sorge. Du bist nicht allein. Wir haben gelernt, uns ständig selbst zu optimieren und optimieren zu müssen. Gerade das Frausein ist in der gesellschaftlichen Wahrnehmung dadurch geprägt, schön sein zu müssen. Was gerade schön und „richtig“ ist, gibt ein Ideal vor, das durch Magazine, Film und Fernsehen und die Werbung beeinflusst ist. Und wir sind im schlimmsten Fall diejenigen, die der (mit Photoshop) aufgehübschten Version hinterher eifern, ohne sie jemals erreichen zu können. 

Hier kommt Body Positivity ins Spiel: Sie hat ihren Ursprung dort, wo der Leidensdruck momentan am größten ist, in den sozialen Medien. Nirgends werden wir heutzutage so mit perfekt gebräunten, sportlich schlanken und erfolgreichen Selfmade-Frauen konfrontiert wie auf Instagram und Co. Die Fotoplattform lädt einen auf die schöne Seite des Lebens ein. Dort gibt es viel Urlaub, viel gesundes Essen, genug Zeit fürs Fitnessstudio – und definitiv sehr wenig schlechte Tage, keine fettigen Haare und Pickel und Momente, die davon zeugen, dass auch die scheinbar schönsten Frauen der Welt mal traurig sind und lieber im Bett bleiben möchten.

 

Body Positivity ist ein Aufschrei in der gleichgeschalteten Werbewelt, die uns suggeriert, dass nur schlanke Frauen erfolgreich sein und geliebt werden können.
Redaktion

Wir sind alle schön!

Auftritt Body Positivity. „Wir sind alle schön!“, schallt es auf einmal immer öfter von Bildunterschriften und Hashtags, Curvy Blogger erobern die schöne Instagram-Welt, alle mit der Botschaft: Du bist gut so, wie du bist. Ob Größe S oder XL, mit Cellulite und Dehnungsstreifen, mit oder ohne Oberweite. Es ist ein Aufschrei in der gleichgeschalteten Werbewelt, die uns suggeriert, dass nur schlanke Frauen erfolgreich sein und geliebt werden können. 

Und das ist gut so: Beinahe jede zweite Frau hat schon einmal eine Diät gemacht. Alle mit dem Ziel, sich selbst zu optimieren. Das sind beängstigende Zahlen, die aber symptomatisch sind für unsere Gesellschaft. Die Logik dahinter ist eigentlich empörend: Mit dem Postulieren von unerreichbaren Idealen lässt sich ein Haufen Geld verdienen. Sei es über Nahrungsergänzungsmittel, Diätshakes, Sportkurse, Wundercremes, Haarpflege für eine glänzende Mähne – die gesamte Werbeindustrie spielt damit, dass Frauen schön sein müssen. Was „schön“ bedeutet, das bestimmen die Anzeigen und Werbespots, die Frauen mit seidig-glänzendem Wallehaar und ohne jegliche Gesichtsporen zeigen. 

 

Das Ganze hat Tradition: Frausein hat sich schon vor Jahrhunderten über das Aussehen definiert. Ob dick als Zeichen für Wohlstand oder in ein enges Korsett gepresst, Frauen galten nur etwas, wenn sie einem bestimmten Ideal entsprachen. Genau mit dieser Tradition bricht Body Positivity. Im Grunde ist der Begriff gleichzusetzen mit Selbstliebe. Denn alles, was wir durch das Ideal gelernt haben, ist tendenziell: Wir sind nicht genug, wenn wir nicht genau so aussehen. 

 

Wie lerne ich, mich selbst zu lieben?

Eines vorweg: Selbstliebe kommt nicht über Nacht. Wir sind so darauf trainiert, immer nach Mängeln zu suchen, dass wir diese Suche nicht von heute auf morgen stoppen können. Aber wir können die Sicht auf unseren Körper verändern und uns Schritt für Schritt von diesem vermeintlichen Idealbild unserer Selbst lösen. 

 

Dein Körper ist mehr als nur dick oder dünn

Hast du dir schon einmal Gedanken gemacht, was dein Körper jeden Tag leistet? Er ist so viel mehr als das „Außen“, das man sieht und beurteilt. Jede Nacht vollbringt er Höchstleistungen um sich zu regenerieren, damit du am nächsten Morgen gewappnet bist für einen neuen Tag. Unermüdlich, 24/7 hält er dich am Leben, lässt dich atmen, laufen, sehen und fühlen. Er hält alle deine lebenswichtigen Organe an ihrem Platz, er lässt dich Essen genießen und zieht daraus alles, was nötig ist, um dich stark zu machen. Er verzeiht Naschereien und kurze Nächte, er kann sich meist selbst heilen. Wir finden das ziemlich beeindruckend! Führ dir nur mal vor Augen, wie schnell ein Kratzer oder ein kleiner Schnitt verheilt – ein ziemliches Wunderwerk, oder nicht?

 

Die Natur hat dich genau so vorgesehen wie du bist

Jeder Mensch hat gewisse Veranlagungen. Manche bauen schnell Muskeln auf, andere machen jeden Tag Sport und werden zwar fitter, aber sehen keinen Muskelzuwachs oder das berühmte Sixpack. Einige können essen, was sie wollen, ohne zuzunehmen. Manche schauen das Stück Kuchen nur an und nehmen in ihrer persönlichen Wahrnehmung zwei Kilogramm zu. Natürlich wollen wir hier niemanden sagen: Iss ohne Verstand, wenn du dick wirst, ist es so gewollt. Aber wer sich durch Diäten kämpft und einfach nicht abnimmt, dem möchte sein Körper vielleicht sagen: Ich brauche die paar Extrakilos, damit ich das Beste aus mir rausholen kann. Viele ehemalige „klassische“ Models, die nun als Curvy Models ihren Durchbruch feiern, berichten davon, wie viel wohler sie sich fühlen, seitdem sie aufgehört haben, gegen ihre natürliche Statur anzukämpfen. 


 

DU bist mehr als dein Körper

So gut und wichtig Body Positivity – gerade in Social Media – ist, wir wollen hier noch einen Schritt weitergehen. Denn auch wenn Body Positivity die Vielfalt feiert, es geht doch wieder hauptsächlich um das Aussehen von Frauen. Dabei sind wir alle viel mehr als nur unser Äußeres. Mach dir bewusst, wo deine Stärken liegen. Möchtest du als „die mit den langen Beinen“ oder „die mit den tollen roten Locken“ bekannt sein, oder Leuten lieber in Erinnerung bleiben, weil du schlagfertig bist, weil du gut zuhören kannst und kluge Fragen stellt? Weil du mit deiner Gitarre das Highlight auf jeder Feier bist oder weil du den Tennisschläger schwingst wie kaum jemand sonst? Du hast definitiv Talente und Charakterzüge, die so viel wertvoller sind als Äußerlichkeiten. Konzentriere dich darauf. Überlege dir, was deine Freunde und Familie an dir schätzen. Das sind deine Stärken, das macht dich aus. Nicht dein Aussehen. 


 

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