Im Hier und Jetzt leben: 6 Tipps, um den Moment zu genießen

Was es bedeutet, im Hier und Jetzt zu leben, und wie wir es lernen können – mit Achtsamkeit, Atmung und Meditation

Was bedeutet es, im Hier und Jetzt zu leben?

Leben im Hier und Jetzt ist mehr als ein spiritueller Trend. Es bedeutet, mit deiner Aufmerksamkeit ganz im Moment zu sein und sie auf das auszurichten, was gerade geschieht, statt gedanklich schon beim Nächsten zu sein.

Doch im Alltag läuft vieles auf Autopilot: Wir stehen auf, ziehen uns an, verlassen das Haus und plötzlich sind wir bereits bei der Arbeit angekommen. Doch hast du in diesen Stunden wirklich wahrgenommen, wie sich das warme Wasser beim Duschen anfühlt, wie deine Kleidung dich wärmt oder wie dein Körper sitzt oder steht, während du unterwegs bist? Wenn nicht, bist du damit nicht allein.

Das passiert uns allen immer wieder. Dein Ziel muss auch nicht sein, jeden Moment vollkommen präsent und bewusst zu sein. Doch je öfter du es schaffst, innezuhalten, desto ruhiger können dein Alltag und dein inneres Erleben werden.

Mit der Zeit nimmst du klarer wahr, was sich für dich gut anfühlt – und was nicht. Diese innere Haltung kann dir dabei helfen, Stress zu reduzieren, deine mentale Gesundheit zu stärken und langfristig mehr Lebenszufriedenheit zu entwickeln.

Um wirklich in Kontakt mit unserem Hier und Jetzt zu sein […], müssen wir so lange im Erleben verweilen, bis der gegenwärtige Augenblick in uns einsinken kann
Jon Kabat-Zinn in »Im Alltag Ruhe finden«

Warum fällt es uns so schwer, im Moment zu leben?

Im Moment zu leben fällt uns schwer, weil unser Geist darauf ausgelegt ist, ständig zu planen, zu bewerten und vorauszudenken. Unser Denken springt automatisch zwischen Vergangenheit und Zukunft hin und her, um Erfahrungen einzuordnen und mögliche Probleme zu vermeiden.

Hinzu kommen die permanenten Reize von außen:

  • Nachrichten
  • Termine
  • soziale Medien
  • Bildschirme
  • Erwartungen

All das und mehr beansprucht immer wieder unsere Aufmerksamkeit. Das ist aufregend – doch der gegenwärtige Moment ist leise und unspektakulär. Genau deshalb wird er auch leicht übersehen.

 

Wie lebe ich im Moment?

»Genieße den Moment« klingt für viele zunächst wie eine leere Floskel. Doch hinter diesem Satz verbirgt sich eine einfache, kraftvolle Wahrheit: Lebenszufriedenheit entsteht selten durch große Ereignisse, sondern durch das bewusste Wahrnehmen des Alltäglichen. Es geht nicht darum, auf besondere Augenblicke zu warten, sondern die unscheinbaren Momente als wertvoll zu erkennen.

Ein großer Irrtum: Im Moment zu leben bedeutet nicht, Gedanken abzuschalten oder den Alltag zu verlangsamen. Es bedeutet, immer wieder bewusst zurückzukehren zu dem, was gerade da ist. Das kann ein Atemzug sein, eine Körperempfindung oder die Handlung, die du gerade ausführst.

Wichtig ist nicht die Dauer, sondern die Haltung dahinter. Das bedeutet: Wahrnehmen, ohne sofort zu bewerten oder etwas ändern zu wollen. Je öfter du dir im Alltag diese kleinen Pausen der Achtsamkeit erlaubst, desto natürlicher wird die Präsenz für dich.

 

Ob es uns gefällt oder nicht, der jetzige Augenblick ist das Einzige, womit wir arbeiten können.
Jon Kabat-Zinn in »Im Alltag Ruhe finden«

6 Tipps, um den Moment zu genießen

Die folgenden sechs Impulse, teilweise inspiriert aus dem Buch »Im Alltag Ruhe finden« vom Autor Jon Kabat-Zinn, können dir helfen, Schritt für Schritt mehr im Moment anzukommen:

 

1. Sei dankbar für die kleinen Momente im Leben

Eine bewährte Möglichkeit, dein Bewusstsein im Hier und Jetzt zu stärken und deinem Leben eine innere Ausrichtung zu geben, ist eine regelmäßige Dankbarkeitspraxis.

Sie hilft dir, den Blick weg von dem zu lenken, was fehlt, und hin zu dem, was bereits da ist. Zudem lädt sie dich dazu ein, täglich kurz innezuhalten und dir bewusst zu machen, wofür du dankbar bist.

Wichtig: Das müssen keine außergewöhnlichen Erlebnisse sein. Oft sind es gerade die kleinen, stillen Augenblicke, die unser Wohlbefinden nachhaltig beeinflussen.

Dankbarkeits-Übung:

  1. Nimm dir am Ende des Tages ein paar Minuten Zeit.
  2. Setze dich ruhig hin und erinnere dich an drei Dinge, für die du an diesem Tag dankbar bist. Zum Beispiel:
  • ein freundlicher Blick oder ein Lächeln
  • der erste Kaffee oder Tee am Morgen
  • eine Mahlzeit, die dir gutgetan hat
  • ein ehrliches Gespräch
  • einen Moment von Licht, Ruhe oder frischer Luft
  1. Was auch immer es für dich war: Halte kurz inne und würdige diesen Moment bewusst.

Mit der Zeit schärft diese Übung deinen Blick für das Positive im Alltag – selbst an Tagen, die unscheinbar oder herausfordernd wirken.

 

2. Sei achtsam, um im Hier und Jetzt zu leben

Achtsamkeit bedeutet, den gegenwärtigen Moment bewusst wahrzunehmen – so wie er gerade ist. Ohne ihn zu bewerten, zu analysieren oder verändern zu wollen.

Wenn du achtsam bist, verlässt du für einen Moment den Autopiloten und kommst mit deiner Aufmerksamkeit zurück zu deinem Erleben im Jetzt: zu deinem Körper, zu deinem Atem oder dem, was dich gerade umgibt.

Achtsamkeits-Übung:

  1. Halte kurz inne und richte deine Aufmerksamkeit für die nächsten 30 Sekunden auf deinen Körper.
  2. Nimm bewusst war:
  • Wie ist deine Haltung – locker oder angespannt?
  • Wie ist deine Atmung – flach oder tief?
  1. Denk daran, du musst nichts bewerten oder verändern, nur wahrnehmen, was gerade da ist.

Achtsamkeit beginnt in dem Moment, in dem du nichts mehr hinzufügen musst.

 

Achtsamkeits-Meditation von Maren Schneider

3. Erlaube dir, unklar zu sein

Wir sind es gewohnt zu glauben, dass wir alles sofort verstehen, entscheiden oder lösen müssen. Doch genau dieser innere Druck hält uns oft vom gegenwärtigen Moment fern.

Unsicherheiten bewusst auszuhalten, ohne sie gedanklich aufzulösen, bringt dich zurück ins Hier und Jetzt. Du musst nicht immer direkt reparieren oder eine Antwort parat haben.

In dem Moment, in dem du nicht sofort handelst, entsteht ein innerer Raum, in dem du wahrnehmen kannst, was wirklich in dir vorgeht.

Den-Moment-halten-Übung:

  1. Wenn das nächste Mal eine E-Mail, Nachricht oder Aufgabe auftaucht, erlaube dir, einen kurzen Moment innezuhalten.
  2. Spüre für ein paar Atemzüge, was in deinem Körper passiert: Anspannung, Unruhe, Druck oder vielleicht auch Neutralität?
  3. Nimm diese Empfindung wahr, ohne sie zu bewerten oder zu verändern.
  4. Erst danach entscheidest du bewusst, wie und wann du reagieren möchtest.

Nicht sofort zu reagieren, ist oft der erste Schritt zurück zu dir selbst.

 

4. Langweile dich ganz bewusst

Eins der größten Herausforderungen unserer Zeit ist die ständige Beschäftigung und Ablenkung. Echte Phasen der Langeweile sind selten geworden, weil wir uns beinahe permanent beschäftigen – sei es durch Essen, Aufgaben, Arbeit oder Unterhaltung. Unser Geist ist dadurch fast nie wirklich still.

Dabei entsteht gerade in der Langeweile ein Raum, in dem nichts von dir verlangt wird und in dem deine Aufmerksamkeit ganz natürlich ins Hier und Jetzt zurückkehren kann.

Langeweile-Übung:

  1. Erlaube dir bewusst einen kurzen Moment des Nichts-Tuns – etwa fünf Minuten lang.
  2. Lege dein Handy außer Reichweite, setze dich hin oder schaue aus dem Fenster.
  3. Widerstehe dem Impuls, dich abzulenken.
  4. Nimm wahr, was in dir auftaucht: Unruhe, Gedanken, vielleicht auch Widerstand?
  5. Bleibe einfach dabei, ohne etwas verändern zu wollen.

So verwandelt sich Langeweile oft ganz von selbst in Präsenz.

 

5. Achte auf deine Atmung

Eines der einfachsten und besten Tools, um sich mit dem gegenwärtigen Moment zu verbinden, ist der Atem, da du jederzeit Zugriff darauf hast. Schon wenige bewusste Atemzüge reichen aus, um den Körper zu beruhigen und wieder bei dir selbst anzukommen.

Atem-Übung:

  1. Lege eine Hand auf den Bauch und atme vier Sekunden langsam durch die Nase ein.
  2. Spüre, wie sich deine Bauchdecke hebt.
  3. Atme dann für sechs Sekunden wieder aus und spüre, wie sich deine Bauchdecke wieder senkt.
  4. Wiederhole diesen Zyklus etwa fünfmal – je nachdem, wie es sich gut für dich anfühlt.
  5. Es geht nicht darum, »richtig« zu atmen. Wenn deine Gedanken abschweifen, ist das völlig normal. Sobald du es wahrnimmst, kehre einfach zu deiner Atmung zurück.

Jeder Atemzug bringt dich ein Stück näher in den gegenwärtigen Moment.

 

Mithilfe des Atems in den gegenwärtigen Augenblick zurück-
zukommen ist keine Frage der Zeit, sondern der Verlagerung
unserer Aufmerksamkeit.
Jon Kabat-Zinn in »Im Alltag Ruhe finden«

6. Nutze Meditation, um im Hier und Jetzt zu leben

Der letzte Tipp ist dir wahrscheinlich schon bekannt – vielleicht hast du ihn aber bisher noch nicht konsequent umgesetzt. Meditation ist kein Zustand, den du erreichen musst, sondern sie schafft dir einen Raum, in dem du einfach sein darfst.

Durch Meditation lernst du, Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen besser wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten oder zu kontrollieren. Genau dadurch entsteht Abstand zum Gedankenstrom und du übst dich ganz natürlich darin, im Hier und Jetzt anzukommen.

Meditations-Übung:

  1. Setze dich bequem hin und schließe deine Augen, wenn es sich gut anfühlt.
  2. Richte deine Aufmerksamkeit für ein bis zwei Minuten auf das, was gerade da ist.
  3. Wenn Gedanken kommen, nimm sie wahr und kehre sanft in die Stille zurück.

 

Fazit: So lernst du iIm Hier und Jetzt zu leben und den Moment zu genießen

Im Hier und Jetzt zu leben bedeutet nicht, dein Leben komplett umzukrempeln. Vielmehr geht es darum, deine Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment zu lenken. Genau darin liegt der Schlüssel zu mehr Leichtigkeit, innerer Ruhe und echter Lebensfreude.

Mit einfachen Übungen kannst du lernen, den Moment bewusster wahrzunehmen:

  • Sei dankbar für die kleinen Momente im Leben
  • Sei achtsam, um im Hier und Jetzt zu leben
  • Erlaube dir, unklar zu sein
  • Langweile dich ganz bewusst
  • Achte auf deine Atmung
  • Nutze Meditation, um im Hier und Jetzt zu leben

Du musst nicht jede Methode anwenden. Wähle bewusst die Übungen, die sich für dich stimmig anfühlen und sich leicht in deinen Alltag integrieren lassen. Schon kleine Veränderungen können helfen, den Moment bewusster zu genießen.

 

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