Die 4 magischen Mantras: So stärkst du deine Beziehungen

Meditation & Achtsamkeit

Wir alle möchten geliebt und verstanden werden. Ein wichtiger Schlüssel hierzu ist, einem anderen mit ungeteilter Aufmerksamkeit zuzuhören. Möglicherweise kennst du solche Situationen: du willst deiner Freundin erzählen, was dich bedrückt. Sie aber schaut dabei alle 10 Sekunden auf ihr Handy. Du hast deinem Freund etwas erklärt und dabei merkst du, dass er mit seinen Gedanken ganz woanders ist. Berechtigterweise wirst du dich in solchen Momenten unverstanden fühlen. 

 

Offene Ohren sind Herzöffner

Auch wenn das Verhalten der anderen unachtsam ist, geht es nicht darum, sie anzuklagen. Frage dich an dieser Stelle zuerst einmal: Kann ich mir selbst auch gut zuhören? Nehme ich mich und meine Bedürfnisse in der Tiefe ernst?

Wenn wir unser eigenes Herz besser hören, können wir auch anderen Menschen besser zuhören. Wenn wir uns selbst mit Mitgefühl begegnen, werden wir auch mehr Mitgefühl für unsere Mitmenschen empfinden. Wenn uns dies gelingt, wird unser Zuhören wie die Salbe für eine Wunde. Dann werden unsere Beziehung zu uns selbst und anderen Menschen tiefer und tragfähiger. 

Wie aber hören wir anderen richtig zu? Gib anderen Menschen die Chance, das auszusprechen, was ihnen am Herzen liegt. Versuche, einfach wertfrei wahrzunehmen, was sie dir zu sagen haben. Dabei brauchst du sie nicht zu unterbrechen. Du musst sie auch nicht korrigieren oder ihnen ungefragt Ratschläge geben. Alles was in einem solchen Gespräch zählt, ist dein offenes Herz und dein aufrichtiges Mitgefühl.

 

Liebe in jeder Beziehung: Achtsam zuhören

Der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh ist ein gutes Beispiel für liebevolles und achtsames Zuhören. Wenn er mit einem Menschen spricht, achtet auf den Tonfall und erkennt so die Sorgen, Hoffnungen und Träume des anderen. Auch wir selbst können den Muskel des mitfühlenden Zuhörens sozusagen trainieren.

 

Wenn wir unser eigenes Herz besser hören, können wir auch anderen Menschen besser zuhören. Wenn wir uns selbst mit Mitgefühl begegnen, werden wir auch mehr Mitgefühl für unsere Mitmenschen empfinden.
Thich Nhat Hanh

Die vier Mantras der heilenden Liebe

Wenn wir uns selbst zuhören, kommen wir mit Verletzungen in Kontakt und spüren die Wunden, die eine Beschuldigung oder eine Kritik in uns hinterlassen hat. Wir verschließen uns in Gesprächen mit Eltern und Partnern, wenn sie uns verurteilen und uns Schuldzuweisungen machen. Ist uns dies bewusst, ist es besonders hilfreich, achtsam auf einen Menschen zuzugehen, der dich in einer Auseinandersetzung schon einmal sehr verletzt hat. 

Die folgenden vier Mantras helfen dir dabei, mehr Offenheit zu entwickeln. Das wunderbare an ihnen ist: wir können sie überall anwenden. 

 

Erstes Mantra der Liebe: Ich bin für dich da     

Wir können einem Menschen kein größeres Geschenk machen, als ihm oder ihr die ungeteilte Aufmerksamkeit und Unterstützung zu schenken. Nur so entsteht eine tiefe und ehrliche Verbindung. Dieses Dasein beginnt damit, dass wir unser Smartphone aus- bzw. stummschalten, um uns genügend Zeit für unser Gegenüber zu nehmen. Die andere Person wird sofort spüren, dass du ihr zuhörst und für sie da bist. 


Zweites Mantra: Ich weiß, dass du da bist, und darüber bin ich sehr glücklich     

Wenn wir wahrnehmen, dass unser*e Gesprächspartner*in aus echtem Interesse nachfragt und für uns da ist, ist das ein großes Geschenk. Nur wirkliche Präsenz macht es uns möglich, die Gegenwart des anderen zu erkennen und wertzuschätzen. Dass wir dies so empfinden, können wir der anderen Person auch mitteilen, denn dadurch entsteht gemeinsame Freude und echte Verbundenheit.      

Wir können der anderen Person dafür danken, dass sie sich Zeit für uns nimmt. Dies ist keine Selbstverständlichkeit. Ein Dank macht deutlich, dass du es wertschätzt, dass jemand für dich da ist. Häufig kommt nach einem solchen Dank: »Das ist doch selbstverständlich...« oder »Nichts zu danken...« Nach einer solchen Antwort kannst du sagen: »Das sehe ich anders. Ich bin dir aus ganzem Herzen sehr dankbar, weil ich erlebe, dass es nicht selbstverständlich ist.«

 

Drittes Mantra: Liebste/r, ich weiß, dass du leidest  

Sind wir achtsam und mit allen Sinnen beim anderen, erkennen wir auch, wie sehr unser Gegenüber leidet. Allein unsere Gegenwart kann das Leid der/des anderen schon lindern. Beachte dabei folgendes Verhalten:

  • Unterbrich die andere Person nicht, während sie dir etwas erzählt, sondern lass sie ausreden. Selbst wenn du etwas in deinen Augen sehr Wichtiges zu sagen hättest. Erst wenn dein Gegenüber fertig ist, bist du an der Reihe. Du kannst fragen: »Möchtest du noch etwas sagen?« Durch diese Frage machst du deutlich, dass du wahrnimmst, dass die andere Person leidet.
     
  • Vermeide es, der anderen Person ungefragt einen Ratschlag zu geben. Manchmal tut es gut, einfach nur auszusprechen, was wehtut.
     
  • Äußere dein Mitgefühl nur dann, wenn du es wirklich empfindest. Sonst könnte es gespielt wirken. 
     
  • Wenn du nachfragst, warum genau die andere Person so leidet, hilfst du ihr möglicherweise noch einmal, tiefer zu verstehen und zu erforschen, was genau das Problem für sie ist.

 

Viertes Mantra der Liebe: Ich leide. Bitte hilf mir    

Das vierte Mantra ist nicht so einfach wie die ersten drei. Dieses Mantra wendest du an, wenn du selbst leidest. Du sprichst es in dem Moment aus, in dem du das Gefühl hast, dass die andere Person dein Leid verursacht hat: »Ich leide. Bitte hilf mir.«

Manche Menschen trauen sich nicht, dieses Mantra auszusprechen. Ihr Stolz steht ihnen dabei im Weg. Aber vergiss nicht, dass Stolz keinen Platz in einer tiefen, ehrlichen Beziehung hat. Hört die andere Person diesen Satz, wird sie zu sich selbst zurückkommen und berührt werden.

 

Kommunikation in Beziehungen: Liebevolles Nachfragen

Wie schnell verstehen wir akustisch oder inhaltlich etwas falsch. Deshalb ist es besonders für uns als Eltern wichtig, die Sprache der Liebe und des Verstehens zu kultivieren und zu vermitteln. Nur dann werden sich die Kinder uns vollkommen anvertrauen. Solange wir versuchen, ihnen autoritär zu begegnen, werden wir die Stimme ihres Herzens nicht vernehmen.

Ein Kind wird sich dann gesehen fühlen, wenn wir es fragen: »Glaubst du, dass ich dich gut genug verstehe – deine Schwierigkeiten, dein Leiden, deine Träume und tiefsten Sehnsüchte? Bitte sag es mir. Ich möchte dir kein Leid bereiten. Wenn ich dich noch nicht wirklich verstehe, dann hilf mir bitte dabei.«

Das gleiche gilt natürlich auch für unsere Partner*innen, Freund*innen, Kolleg*innen. Es hilft bei all unseren Kontakten. 

 

Zwischenmenschliche Beziehungen stärken mit der Liebes-Meditation

Die folgende Meditation ist eine wunderbare Möglichkeit, unser Leiden zu heilen und umzuwandeln. Bei dieser Liebes-Meditation wenden wir ganz bewusst Mitgefühl an. Wir senden die heilsame Energie der Liebe und des Mitgefühls zuerst uns selbst, dann an die Menschen, die wir lieben. Danach wenden wir uns jemandem zu, mit dem wir Schwierigkeiten haben.

Abschließend öffnen wir uns noch einmal für alle Wesen, die leiden. Wir können sagen: »Möge ich...«, dann »Mögest du...«, »Mögen sie...« und schließlich »Mögen alle Wesen...«. 

Diese Sätze haben eine tiefe Wirkung. Du kannst sie jeden Abend vor dem Schlafengehen rezitieren oder während deiner täglichen Meditationspraxis. Auf diese Weise entsteht eine Verbindung mit der ganzen Welt.

  • Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist sein. 
  • Möge ich sicher und frei von Verletzungen sein. 
  • Möge ich frei von Ärger, Angst und Furcht sein. 
  • Möge ich lernen, mich selbst mit den Augen des Verstehens und der Liebe zu betrachten. 
  • Möge ich fähig sein, die Samen der Freude und des Glücks in mir selbst zu erkennen und zu berühren. 
  • Möge ich lernen, die Quellen von Wut, Verlangen und Verblendung in mir selbst zu erkennen und zu sehen. 
  • Möge ich wissen, wie ich die Samen der Freude in mir jeden Tag nähren kann. 
  • Möge ich in der Lage sein, gesund, gefestigt und frei zu leben. 
  • Möge ich frei von Anhaftung und Abneigung sein, aber nicht gleichgültig.

Dies sind nur einige der Sätze, die du für die Liebes-Meditation verwenden kannst. Vielleicht fällt dir noch ein persönlicher Satz ein, der dich darin unterstützt, deine persönlichen Beziehungen zu stärken. Auch die vier Mantras werden dir helfen, dass deine Beziehungen leichter und lebendiger werden.

Das Wichtigste dabei: Setze dich nicht unter Druck. Manchmal braucht es eine Weile, bis wir wirklich achtsam und mitfühlend sind. Sei deshalb in erster Linie mitfühlend mit dir selbst. Mit den vier magischen Mantras wird es dir leichter fallen, dein Herz für andere zu öffnen und deine zwischenmenschlichen Beziehungen zu stärken. 

 

Mehr für dich