Ein Plädoyer für mehr Gelassenheit auf deinem spirituellen Weg

Meditation & Achtsamkeit

Techniken wie die Meditation, aber auch Yoga und die Achtsamkeit können unseren Stress erwiesenermaßen erheblich reduzieren. Wir können gelassener werden und in unserer spirituellen Entwicklung weiterkommen. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn wir nicht in einen Selbstoptimierungwahn geraten. Halte doch an dieser Stelle einen Moment inne und frage dich ehrlich, ob du dich selbst gerne unter Leistungsdruck setzt – auf und neben der Matte – und es immer gut und richtig machen möchtest?

 

Ehrgeizige Menschen sind besonders betroffen

Betroffen sind besonders solche Menschen, die auch im Alltag die Tendenz haben, alles perfekt zu machen und nach Möglichkeit durch besondere Leistungen auf sich aufmerksam machen möchten. Wie geht es dir? Bist du leistungsorientiert oder machst du die Dinge, weil sie dir Spaß machen? Bist du enttäuscht, wenn du im Yoga nicht in den Kopfstand kommst oder kannst du es mit einem Lächeln akzeptieren?

Es heißt, dass wir auf der Yogamatte oder dem Meditationskissen genauso reagieren wie im alltäglichen Leben. Solltest du also ehrgeizig sein, nicht verlieren können, oder glauben, dass du erst dann geliebt wirst, wenn du 200% gibst, dann tust du gut daran, deine Haltung dir selbst gegenüber zu ändern. Vergiss bitte nicht, dass es beim Yoga, bei der Meditation, beim Thai Chi und allen anderen spirituellen Praktiken darum geht, genau dieses Leistungsstreben loszulassen. Es geht nicht darum, unser auf Leistung konditioniertes Ich zu bedienen. Das Ziel ist viel mehr, aus dem Sein heraus zu leben und zu handeln. 
 

Jeder Mensch hat sein Päckchen. Jeder hat seine Aufgaben. Und jeder hat seine Herausforderungen. Jeder hat sein eigenes Tempo. 
Redaktion

Bleib bei dir

Stress und Leistungsdruck entsteht dann, wenn wir immer wieder auf die Nachbarmatte im Yogaraum schauen und feststellen, dass unser Nachbar oder unsere Nachbarin viel tiefer in die Dehnung kommt als wir selbst. Der Druck entsteht auch dann, wenn Teilnehmer*innen in Abschlußrunden eines Meditationsretreats von ihren wunderbaren, lichtvollen Erlebnissen erzählen und wir selbst die Notbremse unseres Gedankenkarussels die ganze Woche über gesucht und nicht gefunden haben.

Finden wir auch am Ende eines achtwöchigen Achtsamkeitskurs immer noch nicht auf Anhieb den Knopf, der uns in die Stille führt, können wir uns schon mal schlecht fühlen. Erwischt uns trotz einer Dauerkarte im Yogastudio die Existenzangst oder werden wir trotz regelmäßiger Meditation gekündigt oder krank, bekommen wir schnell Schuldgefühle. Haben wir trotz positiver Affirmationen immer noch keinen Traumpartner oder eine zahlbare Wohnung gefunden, kann sich das Gefühl einschleichen, dass wir etwas falsch gemacht haben, oder – schlimmer noch – selbst schuld daran sind. Orientiere dich nicht an anderen. Bleib bei dir!

 

Disziplin und Gleichmut

Natürlich braucht es eine gute Motivation, damit wir uns täglich aufs Meditationskissen setzen oder regelmäßig zum Yoga gehen. Und es braucht auch ein Ziel, das uns dahingehend motiviert, regelmäßig unsere Mantren zu rezitieren, achtsam zu essen und die Gehmeditation in Ruhe Schritt für Schritt zu machen.

Aber Vorsicht: Übertriebener Ehrgeiz hat auf der Yogamatte und dem Meditationskissen nichts verloren. Die Vorstellung, dass du irgendwann mal „fertig“, bzw. „vollkommen“ bist, kannst du am besten am Eingang des Yogastudios oder des Meditationszentrums abgeben. Wenn wir mit einer solchen Erwartung an unsere spirituelle Praxis gehen, ist diese zum Scheitern verurteilt. 
 

Lass alle Vorstellungen, Wünsche und Erwartungen los.
Redaktion

Spiritualität ist ein Weg

Einen spirituellen Weg zu gehen, bedeutet, dass wir lernen uns im ersten Schritt selbst anzunehmen. Und zwar mit all unseren Ecken und Kanten. Und wir tun gut daran, wenn wir im zweiten Schritt unsere Grenzen anerkennen und unsere Eigenarten lieben lernen. Sich seiner selbst bewusst zu werden und achtsamer zu werden meint, dass wir einfach offener und freundlicher zu uns selbst und der Welt sind. Und im dritten Schritt können wir dann ändern, was zu ändern ist.

Für uns, die wir in einer Leistungsgesellschaft leben, mag es paradox und unvorstellbar klingen: aber das „Erfolgsgeheimnis“ der spirituellen Praktiken sieht so aus: Je mehr du von irgendwelchen Vorstellungen, Wünschen und Erwartungen loslässt, wie du am Ende deines Weges sein wirst oder sein solltest, desto mehr Freude wirst du bei dem haben, was du tust. Je eher du mit dir selbst Frieden schließt, und zwar so wie du aussiehst und bist, desto eher wirst du dich wohlfühlen. Lass alle Ziele und Wünsche los. Das ist zwar leichter gesagt als getan. Aber es ist möglich.
 

Konditionierungen loslassen

Wir alle wollen geliebt werden. Und so geben wir seit unserer Kindheit unser Bestes. Wir versuchen, alles zu erfüllen, was andere von uns verlangen. Dieses Verhalten nehmen wir ebenfalls mit auf die Yogamatte oder das Meditationskissen und gehen dabei manchmal weit über unsere Grenzen hinaus. Vielleicht möchten wir unserem überambitionierten Yogalehrer*in gefallen, der oder die uns möglichst tief und gedehnt in die Haltungen bringen möchte. Möglicherweise vergisst er oder sie – und wir selbst auch - dass nicht jeder Mensch alle Haltungen machen kann. Meistens sind wir frustriert, wenn wir dann nicht in den Spagat oder Handstand kommen und die Wünsche nicht erfüllen können. Dann suchen wir den Fehler bei uns selbst, anstatt unsere Grenzen zu erkennen und anzuerkennen. 


 

Schenke auch dir Mitgefühl

Erst wenn du aufhörst, die Wünsche anderer erfüllen zu wollen, wird dich eine spirituelle Praxis dir selbst näherbringen. Erst dann, wenn du lernst, dich mit deinen Grenzen, deinem eigenen Tempo anzunehmen, wirst du dich lieben lernen und wirklichen inneren Frieden finden. Solltest du dir selbst gegenüber immer noch in einer Weise ungnädig, streng und fordernd sein, dann entspanne dich. Solltest du dich verurteilen, dich schuldig fühlen und permanent ärgern, weil du noch nicht weiter bist, ändere deine Haltung dir selbst gegenüber und schenke dir selbst Mitgefühl. Du hast es verdient. 

 

Das Gras wächst nicht schneller, wenn du daran ziehst.
Redaktion

Alles hat seine Zeit

Forschungen haben gezeigt, dass es lange dauert, bis wir Gewohnheiten verändern und achtsamer werden. Forschungen haben auch erwiesen, dass es mindestens fünf bis sechs Anläufe braucht, bis wir etwas ändern. Es braucht auch mindestens 30 Tage, bis sich eine neue Gewohnheit in unserem Gehirn eingebrannt hat und es zur Routine wird. Es dauert Monate, manchmal auch Jahre, bis wir auf dem Meditationskissen Frieden mit uns schließen und uns dafür vergeben können, dass wir uns selbst immer wieder unter spirituellen Leistungsdruck setzen. Mach dir dies bitte bewusst. Denke daran, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn du daran ziehst. Und vergiss nicht, dass der Weg das Ziel ist. 
 

Es geht ums Sein, nicht ums Tun

Lach über dich, wenn du merkst, dass du vor Neid platzt, wenn der Nachbar oder die Nachbarin auf der Yogamatte weiter in die Dehnungen kommt als du selbst. Freu dich über deine Fähigkeit der Selbstreflexion, wenn du mitkriegst, dass du dich wieder kritisierst, weil deine Gedanken während der Meditation mit dir Achterbahn fahren. Sei mitfühlend mit dir, wenn du nach einem 10-stündigen Arbeitstag nicht mehr zum TaiChi gehst und genieße stattdessen das Abhängen auf dem Sofa als eine ganz bewusste Auszeit, die du verdient hast. Denk immer daran, dass es auf dem spirituellen Weg mehr ums Sein als ums Tun geht.

 

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