Kreativität steigern: Wie kann ich kreativer werden?

Was Kreativität überhaupt ist und mit welchen vier Übungen du deine Kreativität fördern kannst

Was ist Kreativität?

Du glaubst vielleicht, du müsstest eine besondere Begabung oder ein Talent mitbringen, um als kreativ zu gelten. Kreativität ist jedoch so viel mehr als nur Kunst oder Handwerk: Sie ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch besitzt und weiterentwickeln kann. Sie hilft dir dabei, Probleme zu lösen, neue Ideen zu entwickeln und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten

Kreativität bedeutet also nicht unbedingt, etwas völlig Neues zu erschaffen. Oft zeigt sie sich bereits darin, bekannte Dinge auf ungewöhnliche Weise miteinander zu verbinden oder für alltägliche Herausforderungen eigene Lösungen zu finden.

Kreativ zu sein bedeutet, sich fantasievolle Lösungen für Probleme einfallen zu lassen und Antworten auf relevante Fragen im Alltag zu finden.
Volker Busch in »Kopf frei«

Kreativität Beispiele: So kann kreativ sein im Alltag aussehen

Ja, kreativ zu sein kann bedeuten:

  • ein Buch zu schreiben
  • ein Lied zu komponieren
  • ein Gemälde zu malen
     

Doch auch im Alltag gibt es viele Möglichkeiten, kreativ zu sein. Zum Beispiel, wenn du:

  • eine Methode erfindest, die deinen Haushalt erleichtert, bspw. einen spielerischen Putzplan.
     
  • dir eine Gute-Nacht-Geschichte für dein Kind ausdenkst.
     
  • dir aus den Resten im Kühlschrank ein neues Rezept zu überlegst.
     
  • ein Vision Board gestaltest.
     
  • Motto-Tage für die Familie planst.
     
  • dir überlegst, wie du dich nach einem Streit wieder versöhnen kannst.
     
  • neue Routinen für dich entwickelst.


Du siehst: Es gibt so viele Möglichkeiten, dein Leben kreativ zu gestalten. Dabei sind deiner Kreativität bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

[…] nicht jeder Mangel an Ideen zeigt ein fehlendes kreatives Talent.
Volker Busch in »Kopf frei«

Warum du kreativer werden solltest

Manchmal stehen wir vor einer Herausforderung und wissen einfach nicht weiter. Wir sammeln Informationen, wägen Möglichkeiten ab und versuchen, mit unserem Verstand die beste Lösung zu finden. Doch je mehr wir darüber nachdenken, desto schwerer fällt es uns manchmal, eine Entscheidung zu treffen.

Gerade dann kann es helfen, unsere gewohnten Denkmuster zu verlassen und neue Perspektiven einzunehmen. Denn kreative Ideen tauchen meist in den ruhigen Momenten auf – dann, wenn wir uns erlauben, die Kontrolle loszulassen und unserer Fantasie das Steuer zu übergeben.

Wenn du deine Kreativität förderst, kann dir das dabei helfen,

Es lohnt sich also, in allen Lebensbereichen deine Kreativität zu fördern.

Kreative Lösungen stärken unser Selbstvertrauen, stimmen zuversichtlich und beruhigen unser Stresssystem.
Dr. Volker Busch in »Kopf frei«

Kreativität fördern: 4 Übungen

Bei Kreativität geht es darum, bestimmte Denkgewohnheiten zu hinterfragen, sich selbst Raum zu geben und regelmäßig zu üben.

Hier kommen vier praktische Übungen und Tipps, mit denen du deine Kreativität gezielt fördern kannst und dir den Raum schaffst, deine Fantasie ans Steuer zu lassen – inspiriert durch das Buch »Der Weg des Künstlers« von der Autorin Julia Cameron.

 

Eine Person schreibt in ein leeres Tagebuch auf einem Holztisch neben einer Tasse Kaffee und einer kleinen Blumenvase.

1. Übung: Kreativer werden mit den drei »Morgenseiten«

Dafür nimmst du dir jeden Morgen direkt nach dem Aufwachen drei DIN-A4-Seiten zur Hand und schreibst alles auf, was dir in diesem Moment durch den Kopf geht. Jeder noch so kleine Gedanke zählt. Wenn dir nichts einfällt, schreibst du auf »Ich weiß gerade nicht, worüber ich schreiben soll.«

Wichtig ist, dass du deine Gedanken ungefiltert aufschreibst, ohne sie zu bewerten oder zu korrigieren. Die Morgenseiten gehören nur dir – du musst sie niemandem zeigen.

Warum das hilft, kreativer zu werden:

Weil es ein Ort ist, nur für dich: zum Träumen, Wünsche äußern und sich beschweren. Du darfst mit diesen Morgenseiten »etwas riskieren«, was du dich sonst vielleicht nicht trauen würdest.

Du könntest zum Beispiel schreiben: »Mich nervt aktuell mein Job. In einem Jahr möchte ich Modedesigner:in sein, in Paris leben und eine Million Euro jährlich verdienen.« Auch wenn du bisher nicht daran glaubst, schreib es auf und lass zu, dass dein Verstand kreativ sein darf.

 

2. Übung: Triff dich mit deinem/deiner inneren Künstler:in

Es ist wie ein festes Date in deiner Partnerschaft: Du verabredest dich einmal die Woche allein mit deinem/deiner inneren Künstler:in. Das ist der Anteil in dir, der neugierig ist, Neues entdecken und etwas erschaffen möchte. 

Es geht darum, bewusst Zeit mit diesem Anteil in sich zu verbringen. Dafür kannst du etwa ins Kino gehen, ein Museum besuchen, über einen Flohmarkt schlendern oder einen Ort erkunden, an dem du noch nie warst. Tu das, was dir Freude bereitet.

Warum das hilft, kreativer zu werden:

Indem du dir bewusst Zeit nimmst, schaffst du überhaupt den Raum, offen für künstlerische Kreativität zu sein und deinen kreativen Horizont zu erweitern. Ganz nebenbei kann das sogar dazu beitragen, dass du dich insgesamt glücklicher und erfüllter fühlst.

Es hat sich erwiesen, dass der Künstlertreff uns Einsichten, Inspiration und Freude verschafft.
Julia Cameron in »Der Weg des Künstlers«
frau-geht-durch-wald-waldbaden

3. Übung: Kreativer werden durch stille Spaziergänge

Geh mindestens zweimal in der Woche ganz allein für mindestens 20 Minuten spazieren. Verzichte auch auf Ablenkungen wie dein Smartphone, Musik oder Podcasts. Es geht nicht darum, ein Ziel zu erreichen oder deine Fitness zu verbessern. Der Spaziergang dient dir als absichtslose Zeit, um dich mit deiner inneren Inspiration zu verbinden. Du kannst dir davor auch eine Frage stellen und schauen, mit welcher Antwort du nach Hause kommst.

Warum das hilft, kreativer zu werden:

Das kann dein Bewusstsein völlig verändern. Der Spaziergang ist ein Werkzeug, um dich zu entspannen, mit dir selbst in Kontakt zu kommen und neue Inspirationen zuzulassen. Wenn du regelmäßig im Stillen Spazieren gehst, kannst du weiter denken, mehr fühlen und kreativer werden.
 

4. Übung: Lass dich von deiner Intuition leiten

In »Der Weg des Künstlers« betont die Autorin immer wieder die Kraft des Sich-leiten-Lassens. Doch was steckt dahinter? Anstatt krampfhaft kreative Ideen zu produzieren, darfst du lernen, die Kontrolle loszulassen und dich von deiner Intuition führen zu lassen. Das bedeutet: nicht alles planen und nicht alles analysieren. Stattdessen darfst du zuhören, empfangen und mitgehen.

Warum das hilft, kreativer zu werden:

Kreativität braucht vor allem eines: inneren Raum. Wenn du dich führen lässt, anstatt zu kontrollieren, öffnest du diesen Raum – mental, emotional und intuitiv. Du kommst raus aus dem Leistungsdenken und rein in einen Zustand des Vertrauens und der Offenheit. Genau dort, wo der innere Kritiker leise wird, kann Neues entstehen.

Durch dieses Loslassen entspannen sich Körper und Geist. Kreative Gedanken dürfen fließen. Ob beim Schreiben, Gestalten, Nachdenken oder Problemlösen: Die besten Ideen kommen oft dann, wenn du nicht nach ihnen suchst, sondern ihnen erlaubst, zu dir zu kommen.

Wenn wir alle vier [Übungen] gemeinsam verwenden, gewinnen wir Vertrauen in unsere Kreativität.
Julia Cameron in »Der Weg des Künstlers«

Kreativität im Alltag steigern: 5 einfache Tipps und Beispiele

Die folgenden Impulse können dir helfen, auch einmal schnell im Alltag deine Kreativität anzukurbeln.

  1. Verlasse deine gewohnten Wege: Probiere etwas Neues aus, etwa ein unbekanntes Rezept oder eine andere Herangehensweise an eine alltägliche Aufgabe. So kommst du auf Ideen, die dir in deiner gewohnten Routine vielleicht nicht eingefallen wären.
  2. Sammle deine Ideen: Ob ein interessanter Gedanke, ein schöner Satz oder eine spontane Eingebung: Halte fest, was dich inspiriert. Dafür kannst du ein kleines Notizbuch nutzen oder dir eine Notiz auf deinem Smartphone machen. Vielleicht möchtest du auch ein eigenes Vision Board anlegen, wenn du eher ein visueller Mensch bist.
  3. Wechsle die Perspektive: Wenn du bei einem Problem nicht weiterkommst, frage dich: Wie würde eine andere Person an die Sache herangehen? Manchmal hilft schon ein anderer Blickwinkel, um neue Lösungen zu entdecken.
  4. Erlaube dir, unperfekt zu sein: Nicht jede Idee muss gut sein und nicht alles, was du ausprobierst, muss gelingen. Versuche, etwas einfach aus Freude daran zu tun, ohne das Ergebnis zu bewerten.
  5. Gib deinen Gedanken eine Pause: Du musst nicht ständig nach neuen Ideen suchen. Manchmal fällt dir eine Lösung gerade dann ein, wenn du dich mit etwas ganz anderem beschäftigst – etwa beim Kochen oder unter der Dusche

 

Fazit: Wir alle können kreativer werden

Kreativität ist kein Talent für Auserwählte. Sie ist eine Fähigkeit, die in uns allen steckt. Du musst keine Künstlerin bzw. Künstler sein, um kreativ zu leben. Du musst nur bereit sein, dich selbst wieder zu spüren, neugierig zu bleiben und dir Raum zum Ausprobieren zu geben. Ob durch:

  • das Schreiben der Morgenseiten,
  • das Treffen mit deinem/deiner inneren Künstler:in
  • stille Spaziergänge oder
  • das Sich-leiten-Lassen.

Kreativer zu werden, ist ein Weg zurück zu dir selbst. Und dieser Weg darf leicht sein, voller Entdeckungen, unperfekt und lebendig. Denn genau so ist echte Kreativität: nicht kontrolliert, sondern fließend. Nicht perfekt, sondern echt.

 

Achtsamkeit direkt ins Postfach

Abonniere unseren Newsletter und erhalte alle 2 Wochen ausgewählte Artikel zu aktuellen und spannenden Themen unserer Expert:innen – plus ein kleines Geschenk und 3 Tipps für einen achtsamen Alltag.