Unnahbare Menschen: Warum du sie immer wieder anziehst

Leben & Balance

Nahezu jeder beschwert sich über unnahbare Frauen oder Männer beim Dating – und doch spielen sie das Spiel viel zu oft selbst. Man trifft sich, ist sich sympathisch, trifft sich nochmal und nochmal, aber irgendwie bleibt das Ganze unverbindlich, gewürzt mit einer Prise Unnahbarkeit.

Entweder will man den anderen nicht zu früh mit den eigenen Wünschen nach einer Beziehung überfordern, will keine Signale der Ernsthaftigkeit senden, oder man ist sich nicht sicher, was man will – auch wenn man vielleicht schon längst miteinander im Bett war. Dabei spiegeln zwei Menschen sich oft gegenseitig die Unnahbarkeit wider, die sie in sich selbst oder beim anderen spüren. Doch wenn beide so handeln, wird keine wahre Nähe und Verbundenheit entstehen.
 

Hör auf zu warten und mache selbst den 1. Schritt

Viele Singles wünschen sich Signale des Gegenübers und warten darauf, ob er oder sie sich einlässt und nahbar zeigt. Denn erst dann fühlen sie sich sicher und sind bereit sich dem Gegenüber ebenfalls zu öffnen. Das Problem dabei ist, dass damit oft beide auf Nahbarkeit warten, aber keiner dazu bereit ist den ersten Schritt zu machen. Deine eigene Vorsicht und Unsicherheit erzeugt dadurch bei deinem Gegenüber Gleiches.

Ihr beide zieht eine Schutzmauer hoch und nehmt euch die Chance eine echte Verbindung aufzubauen und euch verbunden zu fühlen. Stattdessen denkt ihr verkopft über alles nach und verliert die Verbindung zueinander. Es entsteht ein Teufelskreis der Unnahbarkeit, der durch jeden Misserfolg beim Dating nur noch mehr angefacht wird und dein Liebesleid vergrößert.

Lese-Empfehlung: Wie du den Weg aus dem Liebesleid findest

 

Unnahbarkeit
Du selbst trägst deinen Anteil zu der Unnahbarkeit in deinem Leben bei.
Lena Lamberti

Nein zur Unnahbarkeit 

Es ist wichtig zu verstehen, dass du selbst deinen Anteil an der Unnahbarkeit trägst, die du in deinem Leben erlebst. Entweder weil du ebenso unnahbare Verhaltensweisen an den Tag legst oder weil du der Unnahbarkeit immer wieder die Tür in dein Leben öffnest. Mit der Hoffnung, dass dein Gegenüber sich dir vielleicht doch noch öffnet, wenn du nur geduldig wartest. 

Die Menschen, die immer wieder unter unnahbaren Frauen oder unnahbaren Männern leiden, folgen meistens einem klassischen Muster und laufen den unnahbaren Frauen oder den unnahbaren Männern hinterher, während sie die nahbaren Menschen irgendwie nicht attraktiv finden. 

Der wichtigste Tipp gegen Unnahbarkeit ist daher ganz einfach: Sage ihr freundlich, aber bestimmt „Nein, danke. Darauf habe ich keine Lust“ und schließe die Tür wieder. So kannst du deine Zeit sinnvoller einsetzen statt diese mit distanzierten Menschen zu vertrödeln. Klingt einfach? Ist auch so! Dabei ist es hilfreich zu verstehen, warum unnahbare Männer oder unnahbare Frauen für dich bisher so interessant waren. 
 

Übung: Was macht Unnahbarkeit für dich attraktiv?

Erster Schritt: Überlege was Unnahbarkeit für dich attraktiv macht bzw. was Nahbarkeit für dich unattraktiv macht:

  • Was macht die unnahbaren Menschen, die du immer wieder anziehst, für dich so interessant? Welche Eigenschaften haben sie, die du attraktiv findest?
  • Was macht die nahbaren Menschen, vor denen du immer wieder wegläufst, für dich so unattraktiv? Welche Eigenschaften haben sie oder welche fehlen ihnen, dass du sie nicht anziehend findest?

Zweiter Schritt: Gehe in deinen Reflexionen zu Unnahbarkeit und Nahbarkeit einen Schritt weiter:

Die Unnahbaren:⁠ Welche Nachteile haben die Eigenschaften, die du an diesen Menschen so anziehend findest? Beispiel: Eine erfolgreiche Person verbringt oft mehr Zeit mit seiner Arbeit als mit dir. ⁠

Die Nahbaren:⁠ Überlege dir die Vorteile der Dinge, die dich an diesen Menschen abschrecken.⁠ Beispiel: Ein bodenständiger Mensch kann dich vielleicht in keinen Luxusurlaub einladen, aber er ist an deiner Seite, wenn es dir schlecht geht, kümmert sich und macht dich zu seiner obersten Priorität.⁠

Was kannst du hier für dich feststellen? ⁠ Sind gewisse Eigenschaften, die dich bisher angezogen haben wirklich so toll? Erfüllen sie wirklich deine emotionalen Bedürfnisse? ⁠

⁠Sind die nahbaren Menschen wirklich so schlimm? Verkörpern sie nicht eigentlich Dinge, die du dir sehr wünschst, die aber sehr ungewohnt für dich sind und die du aktuell noch schwer zulassen kannst?⁠ Solltest du nicht eigentlich Nahbarkeit zu deiner obersten Priorität beim Dating machen, um die Beziehung führen zu können, nach der sich dein Herz wirklich sehnt?

     

    Frage dich: Warum möchtest du selbst keine wahre Nähe zulassen?
    Lena Lamberti

    Dritter Schritt: Was gewinnst du durch Unnahbarkeit?

    So wie du oft unter Unnahbarkeit durch andere leidest, so gibt es immer auch Vorteile dabei für dich – sonst würdest du nicht daran festhalten, sondern hättest dem Ganzen schon längst Grenzen gesetzt. Eine gewisse Unnahbarkeit durch deinen Gegenüber kann dir zum Beispiel dabei helfen, dich nicht wirklich einlassen zu müssen und mehr Zeit für dich selbst zu haben. Unnahbarkeit kann daher ein guter Kompromiss aus Beziehung und Single-Dasein sein. Überlege daher an dieser Stelle, welche Vorteile die Unnahbarkeit in deinem Liebesleben hat.

    Hier einige Beispiele:

    • Du hast mehr Zeit für dich.
    • Durch den reduzierten Kontakt musst du nicht immer zwischen deinen Bedürfnissen und den Bedürfnissen deines Gegenübers verhandeln und kannst dein Ding machen.
    • Weniger Paarzeit bedeutet mehr Zeit zur Selbstverwirklichung z.B. im Job, bei deinen Hobbies oder mit Freunden
    • Keine Gefahr: Wer dir nicht nahe kommt, kann dich auch nicht verletzten.
    • Keine Bevormundung.

      Welche Vorteile fallen dir sonst noch ein? Sei hier ganz ehrlich zu dir. Ich bin sicher, dass du neue Erkenntnisse über dich erlangen kannst, wenn du aufrichtig hinschaust. Versuche jeden Tag ein bisschen nahbarer zu sein.
       

    Schritt für Schritt zu mehr Nähe und Verbundenheit

    Um den Schalter von Distanz zu echter Nähe in deinem Liebesleben umzulegen, braucht es ein klares Versprechen an dich selbst, nahbar zu werden – dir selbst sowie anderen gegenüber. 

    Generell kann ich dir sagen, dass du nicht von einem Moment auf den anderen in den kompletten Nahbarkeitsmodus wechseln kannst. Das ist für die meisten Menschen zu viel und nicht gut aushaltbar, wenn sie echte Nähe nicht gewöhnt sind. Dein Ziel sollte es stattdessen sein jeden Tag ein kleines bisschen nahbarer zu werden. Versuche daher dich in jeder Interaktion ein wenig mehr so zu zeigen, wie du wirklich bist, dich deinen Ängsten (z.B. vor Zurückweisung) zu stellen und dich Schritt für Schritt mehr zu öffnen.

    Gleichzeitig ist es genauso schwer von einem Tag zum anderen alle unnahbaren Menschen in deinem Leben gegen nahbare Exemplare auszutauschen und das ist absolut okay. Mache dir stattdessen bewusst, dass jedes Nein gegen Unnahbarkeit ein Ja zur Nahbarkeit ist. Es ist auch okay, wenn dir das nicht immer sofort gelingt. Bemühe dich einfach darum, dass es jeden Tag ein bisschen besser klappt. Auf diese Weise wirst du nach ein paar Wochen oder Monaten auf dem Nahbarkeitslevel ankommen, das du dir wünschst und echte Nähe tolerieren können ohne immer wieder vor ihr wegzulaufen.

    Lies hier noch mehr zu Verbundenheit und Beziehungen.

     

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