Wenn Liebe durch den Magen geht

Gutes Essen: Liebe geht durch den Magen

Diät am Tag 1: Der Magen knurrt, während die Laune sinkt. Du wirst „hangry“. Miese Stimmung aus Gründen des Hungers ist ein nachvollziehbares Diätbegleitsymptom. Nahrung ist für das Leben schließlich existentiell. Deshalb wirkt sich der Zustand des Magendarmtrakts auf den Körper aus: von der Immunlage und dem Hormonhaushalt bis hin zur Gefühlslage. Der Volksmund weiß das natürlich schon lange: Schlechte Nachrichten schlagen dir wirklich auf den Magen und Liebe geht durch selbigen. Bauch und Stimmungen stehen zueinander in enger Beziehung. Glückzustände äußern sich durch Schmetterlinge im Bauch, vor Aufregung wird dir übel und das Bauchgefühl leistet Entscheidungshilfe.

Zeit, näher hinzusehen: Hat dein Bauch Gefühle? Gastroenterologen meinen: Ja! Wieso sich Depressionen Studien zufolge über bewusste Ernährung beeinflussen lassen, wie Beziehungen und das Hungergefühl zusammengehören und wieso Schlechtwetter und Langeweile zu Frustfressen führen – Forschungsergebnisse leisten Aufklärung.

 

Wie Übergewicht im Kopf entsteht

Dein Hungergefühl kannst du nicht bewusst beeinflussen. Schon gar nicht, wenn du zu den emotionalen Essern zählst. Vor Jahren behaupteten Forscher trotzdem noch immer, dass Übergewicht im Kopf entsteht und verwiesen auf unbewusste Gehirnaktivitäten. Dein Gehirn sendet über den Vagusnerv Signale an den Magendarmtrakt. Der Schlüssel dazu seien Hormone, so das Ergebnis älterer Forschungen.

Essen aus Langeweile ist Psychologen deshalb ein fester Begriff. Fast jeder neigt bei Langeweile zu Fressorgien. Diesem Phänomen eng verwandt ist das Frustessen. Eng verwandt insofern, als dass Langeweile dich frustet. Es geht noch weiter: Sämtliche Emotionslagen wirken sich offenbar auf das Essverhalten aus. Für Frustesser wird die Chipstüte nach Enttäuschungen zum Zufluchtsort. Die süße Tafel Schokolade kompensiert für fehlende Süße im Leben und der zweite Riesenburger soll neben dem Magen die innere Leere füllen.

Mit mieser Laune senkt sich Heißhunger nach Kalorienbomben auf Frustesser nieder. Auf Karotten, Kraut und Salat Heißhunger zu haben, ist ein paranormales Phänomen. Viel Zucker und Fett steckt bei Heißhungerattacken in den Objekten der Begierde. Ernährungswissenschaftler und Psychologen bemühen sich seit Jahren darum, den Magen zu verstehen. Studien haben ergeben, dass Schmetterlinge im Bauch den Hunger dämpfen, wohingegen emotionale Tiefs das Hungergefühl fördern. Dass Emotionen wie Liebe durch den Magen gehen, trifft im wahrsten Sinne des Wortes zu. Bei Traurigkeit, Frust, Angst und Unsicherheit wird Essen beispielsweise zum Beruhigungsmittel. Hungrige Seelen suchen Trost in Süßigkeiten. Kummer wird mit Essen bewältigt und Wut unter Chips begraben.

Das „Belohnungsprinzip“ ist das Herzstück von „emotionalem Essverhalten“.
Redaktion

Dass Stimmungen auf den Magen schlagen, ist die Schuld von Hormonen. Das Glückshormon Phenylethylamin (PEA) hält das Gehirn beispielsweise von der Kontaktaufnahme zum Magen ab. Zufriedene Menschen verspüren deshalb seltener Hungergefühle. Negativstimmungen schrauben den Glückshormonspiegel dagegen herab. Der Körper bemüht sich bei Tiefstimmungen deshalb um die PEA-Zuführung von außen.

Obwohl dein Körper Glückshormone theoretisch auch bei Sportaktivität ausschüttet, schickt das Gehirn zu zur Steigerung der Glückshormonlevel Hungersignale an den Magen, anstatt dich zum Laufen zu schicken. Das „Belohnungsprinzip“ ist das Herzstück von „emotionalem Essverhalten“. Fettige Chips oder zuckerhaltige Schokolade lassen den Glückshormonhaushalt im Körper ansteigen und die miese Stimmung ist vorerst „gegessen“.

Aber wehe, wenn du die Sünde realisierst. Das schlechte Gewissen fördert neue Tiefstimmungen und die Sache geht von vorne los. Trickse das Gehirn bei der nächsten Tiefstimmung einfach aus und steigere deine Glückshormonlevel selbsttätig mit Sport, um Fressorgien vorzubeugen.

 

Bauchgefühl: Hat dein Magendarmtrakt Gefühle?

Paare in einer glücklichen Beziehung verspüren wegen ihres Hormonspiegels aus den eben geschilderten Zusammenhängen weniger Hunger als „liebeshungrige“ Singles. Dass Beziehungen laut einem Forscherteam der Heidelberger Universität trotzdem Schlemmereien und Übergewicht begünstigen, liegt an der Sinnlichkeit von leiblichen Genüssen. Gut zu essen macht die Sinne genauso glücklich wie Sex. So etwa äußern sich 65 Prozent aller Befragten in einer repräsentativen Umfrage der „Brigitte Balance“. Dass Essen allein sinnlich ist und so glücklich machen kann wie der Sexualakt, nennen Wissenschaftler mittlerweile als einen von vielen Beweisen für die Emotionsquelle Magendarm. Also: Iss dich glücklich & gesund, indem du dich bewusst und frisch ernährst.