Emotionale Intelligenz: Test und Beispiele, um sie zu trainieren

Was ist emotionale Intelligenz?

Emotionale Intelligenz meint die Fähigkeit, die eigenen Gefühle und die Gefühle von anderen Personen wahrzunehmen, zu verstehen und nutzen zu können. Stell dir vor, ein:e Freund:in erzählt dir von einem Problem und ist dabei sehr aufgebracht. Wie reagierst du darauf? 

Wahrscheinlich wirst du durch Körpersprache und Tonfall der Person feststellen, dass sie frustriert ist. Du wirst dich in ihre Lage versetzen, um zu verstehen, wie sie sich fühlt. Dann wirst du zuhören und im Anschluss werdet ihr gemeinsam nach möglichen Lösungen suchen. Um angemessen auf dein Gegenüber reagieren zu können, hilft dir deine emotionale Intelligenz.

Manche Forschende, etwa David Goleman, John D. Mayer oder David Salovey, halten die emotionale Intelligenz für die wichtigste Form der Intelligenz. Traditionell wurde Intelligenz durch den Intelligenzquotienten (IQ) gemessen, der kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, Problemlösung und verbales Verständnis umfasst.

In den letzten Jahrzehnten hat jedoch das Konzept der emotionalen Intelligenz stark an Bedeutung gewonnen, da es auch die Rolle der zwischenmenschlichen Beziehungen umfasst. In einer Welt, die zunehmend von sozialen Kontakten und Teamarbeit geprägt ist, spielt die emotionale Intelligenz eine entscheidende Rolle für unseren persönlichen und beruflichen Erfolg. 

Der Grund: Der Mensch ist ein soziales Wesen und kann nur in Gruppen überleben – Familie und Freundschaften sind lebensnotwendig für uns. Deswegen ist es für jeden einzelnen und jede einzelne von uns wichtig, die Gefühle unserer Gegenüber verstehen und einordnen zu können. Je besser wir das können, desto erfolgreicher sind wir in der Gruppe. 

Mittlerweile gilt emotionale Intelligenz als eine Schlüsselkompetenz, um gute Beziehungen aufzubauen, Konflikte zu lösen und ein erfülltes Leben zu führen – sowohl im beruflichen wie auch im privaten Umfeld.

Jede Interaktion mit anderen hat einen emotionalen Unterton.
David Goleman

Die 5 Kategorien der emotionalen Intelligenz

Das Konzept der emotionalen Intelligenz erlaubt uns ein tieferes Verständnis für unsere Gefühle und Beziehungen. Der Psychologe David Goleman identifizierte 1997 fünf Hauptkategorien, die emotionale Intelligenz ausmachen:
 

1. Selbstwahrnehmung

Bei der Selbstwahrnehmung geht es darum, die eigenen Emotionen einordnen zu können. Wenn wir uns bewusst machen, wie wir uns fühlen und woher diese Gefühle kommen, können wir auch unser allgemeines Verhalten und unsere Gedanken verstehen. Wir sind uns selbst näher und können gezielt auf unsere eigenen Bedürfnisse eingehen.
 

2. Selbstregulierung

Mithilfe von Selbstregulierung können wir unsere eigenen Emotionen kontrollieren. Damit ist gemeint, dass wir impulsives Verhalten vermeiden und stattdessen reflektiert und bewusst mit unseren Gefühlen umgehen können.
 

3. Selbstmotivation

Auch Selbstmotivation, also die Fähigkeit, uns selbst Ziele zu setzen und darauf hinarbeiten zu können, ist für die emotionale Intelligenz wichtig: Hier geht es darum, eine Art intrinsische Motivation zu entwickeln, Hindernisse zu überwinden und durchzuhalten.
 

4. Empathie

Die Fähigkeit, die Emotionen anderer Menschen wahrnehmen und verstehen zu können, heißt Empathie. Dass wir uns in andere Menschen einfühlen können, ihre Perspektiven verstehen und Mitgefühl zeigen, ist ein zentraler Punkt für unsere emotionale Intelligenz.
 

5. Soziale Fähigkeiten

Auch unsere sozialen Fähigkeiten sind zentral für die emotionale Intelligenz. Wenn wir in der sozialen Interaktion erfolgreich sind, Beziehungen aufbauen und Konflikte lösen können – kurz: effektiv mit anderen kommunizieren können – kann sich unsere emotionale Intelligenz voll entfalten.

Je stärker unsere Beziehung zu einem anderen Menschen ist, desto offener und aufmerksamer werden wir ihm gegenüber.
David Goleman

Emotionale vs. soziale Intelligenz?

Eng mit der emotionalen Intelligenz verwoben ist der Begriff der sozialen Intelligenz. Während sich aber die emotionale Intelligenz auf die Fähigkeit konzentriert, die eigenen Emotionen zu erkennen und zu regulieren sowie Empathie für andere zu zeigen, bezieht sich die soziale Intelligenz auf die Fähigkeit, effektiv mit anderen zu kommunizieren, Beziehungen aufzubauen und Konflikte zu lösen. 

Klarer wird der Unterschied anhand eines Beispiels: 

Angenommen du sitzt mit deinen Kolleginnen und Kollegen zusammen und es kommt zu einer hitzigen Diskussion bezüglich eines Projektvorschlages. 

  • Deine emotionale Intelligenz lässt dich deine eigenen Gefühle und die deiner Diskussionspartner:innen erkennen. Außerdem kannst du dank deiner emotionalen Intelligenz deine eigenen Impulse regulieren – selbst wenn du sehr aufgebracht bist, wirst du deine Kolleginnen und Kollegen nicht anschreien oder gar beschimpfen. 
     
  • Deine soziale Intelligenz dagegen lässt dich erfolgreich kommunizieren, also deine Gedanken und Ideen klar und respektvoll formulieren. Dank ihr bist du in der Lage, den Konflikt konstruktiv zu lösen und im Team eine Lösung für die Meinungsverschiedenheit zu finden. 

Beide Fähigkeiten sind also eng miteinander verknüpft und spielen eine wichtige Rolle in zwischenmenschlichen Interaktionen.

 

Der Emotionale-Intelligenz-Test

 

Kann man emotionale Intelligenz lernen?

Unsere emotionale Intelligenz entwickelt sich im Laufe des Lebens und wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. 

Neben einer biologischen Veranlagung und frühen Kindheitserfahrungen haben auch Erziehung und soziales Umfeld einen großen Einfluss darauf, wie wir mit Emotionen umgehen können: Wenn wir in einer Umgebung aufwachsen, in der Gefühle tabuisiert oder unterdrückt werden, kann dies die Entwicklung emotionaler Intelligenz erschweren. Umgekehrt kann eine offene Umgebung, die Raum für Gefühle gibt, dazu beitragen, dass wir unsere emotionale Intelligenz besser entwickeln.

Aber egal wie es um deine emotionale Intelligenz steht, du kannst zu jedem Zeitpunkt deines Lebens damit anfangen, sie zu entwickeln und zu verbessern. Bewusstes Lernen und Selbsterfahrung sind wichtige Bausteine, auch im Erwachsenenalter die emotionale Intelligenz zu fördern. 

Beachte dabei diese 5 Tipps:
 

1. Reflektiere deine Gedanken und Verhaltensweisen

Nimm dir Zeit, um über deine eigenen Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen nachzudenken und deine Gefühle zu verstehen. Frage dich, wie du auf bestimmte Situationen reagierst und warum. Diese bewusste Selbstbeobachtung hilft dir, ein besseres Verständnis für deine eigenen emotionalen Reaktionen zu entwickeln.
 

2. Übe den Umgang mit deinen Emotionen

Versuche, deine Emotionen bewusst wahrzunehmen und zu verstehen, wie sie sich auf dein Denken und Verhalten auswirken. Suche nach gesunden Bewältigungsstrategien, um mit starken Emotionen umzugehen, wie zum Beispiel:

3. Entwickle Empathie

Versuche, dich in die Lage anderer Menschen zu versetzen und ihre Perspektive zu verstehen. Höre aktiv zu und zeige Interesse an den Gefühlen und Bedürfnissen anderer. Üben kannst du Empathie durch Gespräche, das Lesen von Büchern oder das Mitfühlen in fiktiven Situationen, etwa in Romanen oder Serien.
 

4. Stärke deine sozialen Kompetenzen 

Investiere Zeit und Energie in den Aufbau und die Pflege von Beziehungen. Arbeite an deinen kommunikativen Fähigkeiten, indem du lernst, deine Gedanken und Gefühle klar auszudrücken und auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Sei offen für Feedback und lerne aus zwischenmenschlichen Herausforderungen.
 

5. Bilde dich weiter

Es gibt verschiedene Bücher, Kurse, Podcasts und Workshops, die sich mit dem Thema emotionale Intelligenz und Gefühlen beschäftigen. Oft bieten sie auch praktische Tipps und Übungen. Nutze diese Ressourcen, um dein Wissen und deine Fähigkeiten in diesem Bereich zu erweitern.

 

Fazit: Besser leben dank emotionaler Intelligenz

Unsere emotionale Intelligenz spielt eine entscheidende Rolle für unser Wohlbefinden und unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. 

Indem du die Fähigkeit entwickelst, deine eigenen Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und zu regulieren, kannst du mit Herausforderungen besser umgehen. Du kannst Konflikte konstruktiv lösen und dir selbst sowie anderen einfühlsam begegnen. Es lohnt sich also, Zeit und Energie in die Entwicklung deiner emotionalen Intelligenz zu investieren. 

Lerne dich selbst und deine Gefühle kennen, begegne anderen Menschen mit Achtsamkeit und übe dich in klarer Kommunikation, dann kannst du dich selbst und deine Beziehungen zu anderen auf eine neue Ebene bringen.

 

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