Körpersprache deuten und Gesichter lesen lernen

Es heißt, man kann nicht nicht kommunizieren. Denn nicht alles, was wir anderen mitteilen, erfolgt über die Sprache. Auch wenn Schweigen für sich schon ein deutliches Zeichen ist: Das was wir mit unserem Körper ausdrücken, geht meist noch viel weiter.

Ob wir also beim Reden gestikulieren oder die Hände vor der Brust verschränken, oder schweigend mit hochgezogenen Schultern und abgewandtem Blick im Bus sitzen, sagt viel über uns und unsere Stimmung aus.

Die Körpersprache lässt uns quasi zwischen den Zeilen lesen und hilft uns, unser Gegenüber einzuordnen. Ist er oder sie uns freundlich gestimmt? Hat die Person keine Lust auf eine Begegnung? Und natürlich: Hat er oder sie Interesse an mir? 

 

Was ist Körpersprache? 

Die Körpersprache ist also eine Art Verhaltensweise, mit der wir bewusst oder unterbewusst Gefühle an unsere Außenwelt vermitteln. Eigentlich sind wir alle Profis darin, Körpersprache zu lesen, denn wir tun es tagtäglich.

Körpersprache und Gesichterlesen sind evolutionär in uns veranlagt – schließlich hatten unsere Vorfahren nur begrenzt sprachliche Mittel zur Verfügung, um Sachverhalte zu kommunizieren und taten dies vor allem durch eine bestimmte Körperhaltung oder Gesichtsausdrücke.

Genau so kommunizieren wir noch immer und interpretieren meist unterbewusst die Körpersprache, Mimik und Gestik der Menschen, denen wir begegnen. 

 

Wie kann man Körpersprache lesen lernen? 

Das Lesen von Körpersprache hat im ersten Schritt viel mit Intuition zu tun. Es gleicht einer ersten Einordnung in Schubladen, die es uns erleichtert, mit neuen Begegnungen umzugehen. Wenn du eine neue Person kennenlernst, ist sie dir meist entweder sofort sympathisch – oder eben nicht.

Das hat vor allem damit zu tun, wie diese Person dir gegenüber tritt und welchen (unterbewussten) Eindruck sie dabei auf dich macht. Das Lesen von Körpersprache kann dir helfen, einzuschätzen, wie du mit deinem Gegenüber umgehen kannst.

Pro Sekunde können wir 60 Eindrücke bewusst wahrnehmen und verarbeiten. Und unbewusst? (…) Die Zahlen, die dabei herauskommen, sind (…) unvorstellbar groß.
Tatjana Strobel

Welche Anzeichen für Körpersprache gibt es?

Wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick mit seiner Beobachtung, man könne nicht nicht kommunizieren, treffend feststellte, kommunizieren wir unablässig, weil wir uns immer in irgendeiner Art und Weise zueinander verhalten. Jede:r von uns beherrscht die nonverbale Kommunikation also intuitiv – und kann sie genauso intuitiv verstehen. Trotzdem kannst du deine Wahrnehmung für Körpersprache und das Gesichterlesen schulen. 

Stell dir vor, du bist auf einer Party, auf der du niemanden kennst. Mit wem fängst du ein Gespräch an? Versuchst du, denjenigen, der mit verschränkten Armen und zusammengezogenen Augenbrauen an der Wand steht, aus der Reserve zu locken? Oder gehst du auf diejenige zu, die sich freundlich lächelnd und mit ausschweifender Gestik angeregt unterhält?

Die verschränkten Arme dürften dir bereits eine Abwehrhaltung signalisieren. Diese Person möchte aller Wahrscheinlichkeit nicht angesprochen werden, das zeigt die nonverbale Kommunikation ganz deutlich. 
 

Frau hält Kopf schief Gesichterlesen

Es gibt Körpersignale, die sehr verlässlich ein bestimmtes Gefühl bei deinem Gegenüber verraten. Hat er oder sie etwa die Hand am Hals, kann das ein Zeichen für Unsicherheit oder Zweifel sein. Auch am Kopf kratzen kann Unsicherheit oder Ratlosigkeit bedeuten. Häufiges Blinzeln zeugt von Unsicherheit, während ein leicht nach vorne gelehnter Oberkörper Interesse am Gegenüber signalisiert. 

 

Habe ich einen Körper oder bin ich mein Körper? Für mich ist die Antwort klar: Solange ich lebe und mit anderen kommuniziere, bin ich mein Körper.
Körpersprache-Experte Samy Molcho

Körpersprache zwischen Mann und Frau: 7 Signale

Diese unterbewussten Signale sind natürlich nicht nur auf Partys, im Bus oder im Job wichtig, sondern auch auf dem Dating-Markt. Wenn du weißt, wie gewisse Körpersignale zu deuten sind, kannst du schnell durchschauen, ob dein Gegenüber hält, was er oder sie verspricht:

  • Ist er oder sie wirklich interessiert?
  • Sind die Komplimente wirklich echt oder doch Lügen?
  • Ist dein Date einfach unsicher und schüchtern oder vielleicht doch abweisend?
     
  1. Wiederkehrender Blickkontakt ist ein gutes Zeichen: Er zeugt von Aufrichtigkeit und Selbstvertrauen, aber auch ehrlichem Interesse an deiner Person. Wer den Blickkontakt vermeidet, drückt damit eher Desinteresse oder Unsicherheit aus.
     
  2. Kopf schräg halten: Wer seinen Kopf leicht zur Seite neigt, drückt Freundlichkeit aus. Meist verfallen wir in diese Position, wenn wir unserem Gegenüber interessiert zuhören, weil uns das Thema emotional anspricht.
     
  3. Verschränkte Arme: Diese Körperhaltung wird gerne als Abwehrhaltung gedeutet. Besonders, wenn der Oberkörper deines Gegenübers sich dabei wegdreht, ist das ein eindeutiges Zeichen, dass er oder sie aus der Situation ausbrechen möchte. Wer eine Hand auf die gegenüberliegende Schulter legt, fühlt sich wahrscheinlich unwohl. 
     
  4. Wer beim Erzählen gestikuliert, gibt sich gerne offen. Doch es lohnt sich, genau hinzuschauen. Wer sich ständig am Hals kratzt oder die Hände im Gesicht hat, ist nervös und möchte sich verstecken. Gepaart mit einem ausweichenden Blick ist dieses Verhalten ein relativ sicherer Hinweis auf Lügen. 
     
  5. Auch die Füße verraten, ob dein Gegenüber sich gerne mit dir unterhält oder lieber flüchten möchte: Sind die Füße direkt auf dich gerichtet und leicht nach außen gestellt, wirkt das einladend und offen. Zeigen die Füße von dir weg, möchte diese Person höchstwahrscheinlich kein Gespräch führen. 
     
  6. Gleiches gilt für die Sitzposition: Sitzt dein Gegenüber auf der Stuhlkante, ist er unruhig und fühlt sich wahrscheinlich unwohl. Ein zurückgelehnter Oberkörper zeugt ebenfalls von Desinteresse. Gibt es hingegen immer wieder zufällige Berührungen untereinander, ist das ein Zeichen von Interesse und vielleicht sogar Verliebtheit. 
     
  7. Last but not least: Ein sehr sicheres Indiz dafür, dass du beim anderen gut ankommst, sind vergrößerte Pupillen – wenn man sich nicht gerade in einem dunklen Raum befindet, wo diese Reaktion eine rein physiologische ist, kannst du daraus echtes Interesse schließen.

 

Gesichterlesen: Das verrät das Gesicht über den Charakter

Auch aus Gesichtern kann man übrigens viel über den Charakter eines Menschen herauslesen. Die sogenannte Physiognomik, die Kunst des Gesichterlesens, definiert 330 (!) Merkmale, nach denen man jeden Menschen individuell analysieren kann.

Das Gesichterlesen hat seine Wurzeln im Ayurveda, der Traditionellen Chinesischen Medizin und im Alten Ägypten und war zu Zeiten Hippokrates noch Teil der Medizin. Krankheiten, Mängel und Verstimmungen ließen sich demnach deutlich im Gesicht ablesen.

Heutzutage wird die Physiognomik nicht mehr als Krankheitslehre angewandt, sondern als Mittel zum Erwerb von Menschenkenntnis. Aus dem Zusammenspiel der einzelnen Merkmale sollen sich die Charaktereigenschaften eines Menschen herauslesen lassen. 

Das ist allerdings eine sehr kleinteilige Arbeit und erfordert einiges an Übung: Allein für die Ohren gibt es 16 verschiedene Merkmale, die alle auf eine gewisse Eigenschaft hinweisen. Ebenso verhält es sich mit Falten im Gesicht, der Augenpartie von Augenbrauen über Augenfarbe bis zur Ausrichtung der Augen und dem Stand der Pupillen.

Wenn du in die Tiefen des Gesichterlesens einsteigen möchtest, empfehlen wir dir das Buch »Ich weiß, wer du bist – das Geheimnis, Gesichter zu lesen« von Tatjana Strobel.