Wie Bewegung bei Kindern zum Selbstläufer wird

Work-Life-Balance

„Turne bis zur Urne“ sagte mal ein befreundeter Arzt im Spaß zu mir. Meinte es aber durchaus ernst. Den Satz habe ich mir gemerkt. Und am Anfang turnen Kinder sogar viel unbewusst, ohne dass man sie auffordern muss. Bestimmt ist dir schon mal aufgefallen, dass eine Maus beispielsweise viel schnellere Bewegungen macht als ein Elefant? 

Bei kleinen Kindern ist das ähnlich: Die Stoffwechselrate von Kindern ist höher als bei Erwachsenen. Das führt dazu, dass kleine Kinder sich auch schneller bewegen – sie rennen quasi immer. Die Lust, schnell zu laufen, spiegelt auch den Spieltrieb wider. Und: Das ständige Rennen fördert die körperliche Entwicklung: Die Kinder trainieren damit das Zusammenspiel ihrer Muskeln, ihren Gleichgewichtssinn und ihre Fitness. Aus diesem Grund solltest du darauf achten, dass dein Kind genügend Raum für seinen Bewegungsdrang bekommt. 

 

Sei ein Vorbild 

Die beste Methode, um unseren Kindern zu zeigen, wie wichtig es ist, Bewegung immer in den Alltag einzubauen, ist, diese von Anfang an mit in das Familienleben zu integrieren.  Das geht schon im Kinderwagenalter los – mit dem zu Fuß laufen.
Wenn deine Kinder erst mit fünf Jahren zum ersten Mal den Weg nach Hause oder die Treppe hochlaufen müssen, ist das zu spät. Mit Recht fragen die Kinder sich dann, warum. Ist der Fahrstuhl kaputt? Ging doch die letzten fünf Jahre auch auf dem Arm der Eltern super. Und klar, die Erwachsenen machen es auch vor: Sie fahren abends zum Sport ins Fitnesstudio – aber nehmen im Büro den Fahrstuhl. Und zum Sport geht’s natürlich auch mit dem Auto.


 

Laufen, laufen, laufen

Anstatt die Kinder im fortgeschrittenen Alter wie selbstverständlich in den Kinderwagen zu setzen, sollten wir diesen daher nur als Fortbewegungsmittel für Notfälle benutzen, wenn die Kinder nach längeren Strecken nicht mehr können. Aber ab wann ist das? Schließlich schmeißen sich einige Kinder bereits nach 500 Metern auf den Boden und schreien: „Ich kann nicht mehr!“ Einige halten im gleichen Alter 2 Kilometer durch – das ist sehr individuell, je nach Durchhaltevermögen, Energie und Muskelkraft der Kinder.

Die Frage ist also: Was leben wir unseren Kindern vor? Kinder lernen vom Abgucken. Mein wichtigster Tipp ist daher, sage nicht mit erhobenem Zeigefinger: „Fahr mit dem Fahrrad, das ist viel gesünder!“ Sondern fahre auch selbst Fahrrad. Ha! Ja, ich weiß, das ist die Schattenseite der gesunden Familie. 
 

 

Erzähle deinen Kindern von dem Gefühl, wie schön es ist, wenn man vom Sport kommt - ausgepowert und glücklich. Dass im Körper Glückshormone ausgeschüttet werden und das wir dadurch stark wie Pippi Langstrumpf und gesund wie ein Hund werden.
Charlotte Karlinder

Treppe statt Fahrstuhl 

Die beste Methode, um Kindern Bewegung schmackhaft zu machen ist, dass sie sehen, dass wir bewusst die Treppe statt des Fahrstuhls oder der Rolltreppe nehmen, mit dem Fahrrad zur Arbeit oder Schule fahren und dass Sport zu unserem Alltag gehört. Sie registrieren nämlich alles – und machen es nach. 
 

Eltern-Kind-Turnen

Sehr beliebt bei jungen Eltern ist die wöchentliche Turnstunde von Eltern und Kindern im Alter von ein bis drei Jahren. Besonders schön fand ich immer die Lautstärke der versammelten Truppe Kleinkinder – völlig aufgekratzt vom anstrengenden Kita-Tag. Was dort passiert, macht aber wirklich Sinn: Die Kleinsten bewegen frei Schnauze, meist zu Musik, ihren ganzen Körper – das aktiviert die komplette Muskulatur und stärkt ihr Immunsystem, wie Studien zur Infektanfälligkeit von Kindern zeigen. Zusätzlich bekommen die Kinder erste Vorstellungen von ihren körperlichen Fähigkeiten, und das „Rumhampeln“ verbessert den Gleichgewichtssinn. Um Bewegung von Anfang an in den Alltag zu integrieren, ist das ein hervorragender Start.


 

Tipps für ein Leben in Bewegung – von Anfang an: 

 

  • Vor dem Schulbeginn am besten nur Hüpfen, Laufen, Klettern, Fangen und Radfahren. Im Alter von sechs Jahren können Kinder zusätzlich auch mit Kursen beginnen. Dann sind sie in einem Alter, in dem sie eine richtige Sportart erlernen und sich eine Technik aneignen können. Vorher sind die motorischen Fähigkeiten noch nicht genügend ausgeprägt.
     
  • Im Sportverein müssen wir den richtigen Sport finden, denn nur weil Papa gerne einen kleinen Ronaldo aus dem Sohn machen würde, heißt das nicht, dass der auch gerne Fußball spielt. Und aus vermeintlichen Prinzessinnen wird auch nicht zwangsläufig eine Prima Ballerina. Deshalb: Viel Zeit nehmen für die Suche nach der richtigen Sportart und die Kinder nicht beeinflussen. Es geht darum, dass dein Kind sich langfristig dafür begeistern kann. 
     
  • Teamsport ist insbesondere toll für diejenigen, die eine etwas dominante Art haben oder sehr willensstark sind. Sie lernen im Team, Rücksicht zu nehmen, sich anzupassen und abzugeben. Wichtig im Umgang mit Freunden und vor allem später im Job mit Kollegen. 
     
  • Wenn wir unsere Kinder früh an einen oder mehrere Ballsportarten heranführen, entwickeln sie ein Gefühl für den Ball – und ihnen stehen später mehr Sportarten offen. Schießen, werfen und fangen sind komplexe Bewegungsabläufe, die sich im Kindesalter leichter erlernen lassen. 
     
  • Mein persönlicher Spaß-Tipp ist Tischtennis! Ich liebe es Tischtennis zu spielen. Und das, obwohl ich gar kein ausgeprägter Ballsportler bin. Im Gegenteil. Aber es gibt wenig Dinge, die ich so spaßig finde. Zu zweit, mit der Familie, aber auch in größeren Runden. Einfach herrlich, wenn man es erst mal kann. Und wenn ich das sogar kann, dann kann das jeder lernen! Der Sport eignet sich für Kinder ab fünf Jahren.

 

Und:  Tobt mit den Kindern! Egal, ob es die Kissenschlacht im Bett, die Rauferei auf dem Sofa oder die Jagd durch den Garten ist. Eine schöne Toberei mit Eltern, Geschwistern, Freunden stärkt die Bindung, baut Stress ab und ist kostenlose Bewegung! Und Spaß macht es auch noch.

Noch mehr Tipps und Tricks zum Thema Kindergesundheit findest du in meinem neuen Gesundheitsratgeber für Eltern und Kinder, den ich mit meiner Tochter June geschrieben habe
 
Fragen? Melde dich gerne jederzeit über mein Kontaktformular auf www.charlotte-karlinder.de

Weitere Artikel der Mami-Reihe:

 

Mehr für dich