Was digitale Medien mit unseren Kindern machen können

Work-Life-Balance
Charlotte Karlinder: Digitale Medien und Kinder

Digitale Kommunikation in Familien und Beziehungen

In der klassischen Familie herrscht heute immer häufiger Stille. Die Kinder sitzen mit dem Tablet da, die Eltern am Handy. Ab und zu ein Pling: Eine Nachricht ist eingegangen. Ich sehe immer wieder, wie sich Smartphone & Tablet mittlerweile als eine Art Familienmitglied eingeschlichen haben. Sei es im Urlaub bei der Familie im Restaurant, wo der Sohn beim Essen mit dem Tablet daddelt – mit einer Hand die Pommes essend, mit der anderen Hand spielend. Die Schwester guckt auf dem iPhone der Mutter Bibi & Tina – und der Vater scrollt bei Instagram den neuen Feed durch. Während des Essens. 

Am nächsten Morgen das Gleiche in Grün: Im Hotel liegt ein Pärchen am Pool, jeder mit seinem Smartphone, anstatt miteinander zu sprechen. Und last but not least sind auch viele Eltern auf den Spielplätzen der Nation nicht besser, die beim Schaukeln der Kinder die sozialen Medien unsicher machen.

Sicherlich tun das nicht alle, aber viele – und es werden immer mehr. Das ist eine gefährliche Entwicklung, vor allem wenn man bedenkt, dass Urlaube, Abendessen und Zeit auf dem Spielplatz eigentlich dafür da sind, sich mit der Familie auszutauschen. Häufig sind das die einzigen Zeiten, die der Familie nach Schule und Job noch für persönliche Gespräche bleiben.

 

Der richtige Umgang mit Sozialen Medien

Die rechteckigen Kommunikationsmittel sind also immer mit dabei. Mittlerweile haben acht von zehn U- oder S-Bahn-Reisende ihr Smartphone in der Hand – unterwegs auf der Website ihrer Tageszeitung, Nachrichten schreibend oder versunken in Spielen. Viele User haben es auf dem Tisch und neben dem Bett, im Auto, beim Fahrradfahren oder im Fitnessstudio immer parat. Tracken ihren Schlaf und zählen ihre Schritte: Schlafqualität 86%, vier Mal aufgewacht, 17 Minuten geschnarcht.

Ohne die digitalen Medien verteufeln zu wollen, aber: So geht es nicht.
Wir sollten dankbar sein über diese technische Entwicklung, die vieles erleichtert – aber auch einen verantwortlichen Umgang damit pflegen und ihn unseren Kindern beibringen. So wie damals, als die Autos auf den Markt kamen. Da gab es weder Sicherheitsgurte noch Airbag und auch keinen Führerschein. Mittlerweile haben wir nach der ersten Euphorie über den fahrbaren Untersatz gelernt, damit umzugehen. Fahrtraining, Führerschein und viele, viele Regeln.

So müssen wir es auch mit den digitalen Medien machen. Uns einen Überblick schaffen über Möglichkeiten und Risiken – um dann zu entscheiden, was wir brauchen, und dies auch an unsere Kinder weitergeben. Na, dann mal los!

 

So löst jede Vibration oder das Aufleuchten des Displays ein Glücksgefühl in uns aus.
Charlotte Karlinder

Warum hat das Smartphone so eine Anziehungskraft?

Die digitalen Medien machen uns glücklich. Mit jeder Nachricht schüttet unser Körper Dopamin aus. Dabei handelt es sich um ein Glückshormon, das unser Gehirn nicht nur ausschüttet, wenn wir etwas Positives erleben, sondern bereits, wenn wir etwas Positives erwarten. So löst jede Vibration oder das Aufleuchten des Displays beispielsweise ein Glücksgefühl in uns aus.

Daher könnten wir das Smartphone aus gesundheitlicher Sicht auch als Glücksspielautomat bezeichnen: Jeder Klick auf eine Nachricht kann etwas Tolles oder Aufregendes bedeuten. In den meisten Fällen ist es freilich eher unspektakulär, aber weil vielleicht in der nächsten Sekunde etwas Wichtiges passieren könnte, schauen wir immer wieder aufs Handy. Nach dem Motto: Ich darf und will nichts verpassen! Bestes Beispiel ist meine Mutter, die bei jeder Whatsapp-Nachricht aufspringt. Es könnte ja eine Tante sein, die etwas Spannendes zu sagen hat. Oder Hollywood.

 

Und wie sieht das bei Kindern aus?

Eine Studie mit Kindergartenkindern deutet auf weitere schädliche Auswirkungen der Digitalisierung bei Kleinkindern hin. 70 Prozent der befragten Kinder spielten täglich eine halbe Stunde mit dem Smartphone der Eltern. Dies kann, so die Studie, zu einer motorischen Hyperaktivität, Konzentrationsstörung und Sprachentwicklungsstörungen führen. Zudem waren diese Kinder unruhig und leicht ablenkbar. 

Forscher kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass Eltern, die während der Betreuung ihrer Kinder am Smartphone sind, ohne Zweifel den Kindern schaden. Die Folgen sind Fütter- und Einschlafstörungen. Auch stillende Mütter, die ihr Kind früher beim Stillen angeschaut haben, starren nun häufig auf ihr Smartphone.
Zudem beschäftigen sie sich im Park und auf den Spielplätzen viel weniger mit den Kindern - beides kann langfristig zu Bindungsstörungen führen.

 

Eltern sollten als Vorbilder vorangehen

Was heißt das nun für uns?
Nun, letztlich bleibt es natürlich jedem selbst überlassen, wie viel oder wenig Zeit wir mit dem Smartphone verbringen - unseren Kindern zuliebe sollten wir das Tablet aber öfter mal Tablet und das Smartphone Smartphone sein lassen, wenn die Kleinen dabei sind. 
Das fördert sicherlich nicht nur die Bindung zwischen Eltern und Kind, sondern sensibilisiert uns wieder für den Augenblick und die Zeit, die wir mit unseren Liebsten verbringen. Und die ist unheimlich wertvoll und so viel mehr wert, als eine ungelesene Nachricht auf dem Smartphone.

In welchem Alter Kinder welche digitalen Medien wie lange nutzen sollten – und wie ihr am besten Regeln zur Nutzung aufstellt, lest ihr in meinem neuen Familienratgeber „Gesundheit? Ein Kinderspiel!“, das ich mit meiner Tochter June geschrieben habe. Zum Lesen, Ausprobieren und Verschenken – für Eltern, aber zusätzlich auch kindgerecht für die Jüngsten erklärt. Es ist auch als Hörbuch erhältlich.
Und wenn ihr Fragen & Feedback habt, erreicht ihr mich persönlich hier unter dem Kontaktformular: www.charlotte-karlinder.de.

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