Wie Farben auf unser Wohlbefinden wirken

Leben & Balance

Phänomene wie Tarn- und Warnfarben in der Natur deuten bereits an, dass Farben biologische Funktionen haben und viel mehr sind als etwas, das unserer Lebenswelt Kontur und Ausdruck verleiht. Denn Licht und Farben wirken maßgeblich auf unseren Organismus ein und helfen uns, gesund zu leben. 

Das fängt an bei der Farbe unserer Lebensmittel und geht bis in die Raumgestaltung. Farben beeinflussen unser Wohlbefinden ebenso wie unsere tieferliegende Gesundheit. Wir sind als Lebewesen nicht nur mit einer inneren Uhr ausgestattet, sondern auch mit einer mehr oder weniger bewussten Farbkodierung – die uns dabei hilft, die Dinge einzuordnen. 

Was früher ausschließlich in der Natur stattfand, passiert heute im Supermarkt und in der eigenen Wohnung. Licht und Farben bestimmen nach wie vor, wie wir uns verhalten. Wenn man versteht, wie es funktioniert, kann man Farben daher optimal als Therapie, für Gesundheit und seelische sowie körperliche Ausgeglichenheit nutzen.

Erfahre in unserem Artikel Warum wir Farben sehen: die 7 biologischen Funktionen noch mehr über Farben und ihre Funktionen.

Wer den Einfluss der Farben auf sein Leben verstehen möchte, muss sich ihrer Wirkung in unterschiedlichen Situationen bewusst werden.
Axel Buether

Farben sind Ausdruck von Lebensfreude und Vitalität

Farben werden – im Gegensatz zu Grautönen – mit Lebensfreude und Gesundheit gleichgesetzt. Rosige Wangen sind weniger besorgniserregend als ein blasses Gesicht. Frische Blumen leuchten vor Farbe, wenn sie welken, bekommen sie einen Grauschleier. Doch nicht nur symbolisch wirken Farben als Ausdruck von Vitalität.

 

Gute Farbe - Gutes Essen?

Ein Blick auf die Ernährung bestätigt dies. Ernährungsexperten empfehlen für eine gesunde Lebensweise den berühmten „Regenbogen auf dem Teller“. Möglichst bunt und farbenfroh soll die Ernährung ausfallen. Das garantiert nicht nur, dass man abwechslungsreich und vielfältig isst. Man nimmt, zumindest mit pflanzlicher Nahrung, auch eine Vielzahl an wichtigen Nährstoffen zu sich. Wer die Farben des Regenbogens isst, versorgt seinen Körper mit allem Nötigen. 

Grünes Obst und Gemüse etwa liefern den Pflanzenfarbstoff Chlorophyll, der sich im Körper positiv auf Stoffwechselprozesse auswirkt, den Muskelaufbau und die Nervenzellen des Gehirns stärkt, den Körper beim Entgiften unterstützt und laut Studien sogar Demenz vorbeugen kann. Grün signalisiert nahezu fettfreie, bekömmliche und gesunde Naturprodukte, die viele Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe enthalten. 

Ähnliche Signale senden die Farben Gelb und Orange, sowie Rot und Blau. Die Carotinoide der gelben und orangefarbenen Gemüse- und Obstsorten wie Karotten, Kartoffeln, Orangen und Bananen sind Antioxidantien, die das Immunsystem stärken und vor Bakterien, Viren und Parasiten schützen. Zudem sollen sie das Risiko für Krebs, Rheuma, Alzheimer, Lungenentzündungen sowie Atherosklerose mindern, die Hautalterung verlangsamen und den Knochenaufbau stärken. 

Das rote Spektrum weist darauf hin, dass die Früchte besonders reif und nahrhaft sind, mit einem hohen Gehalt an Fruchtzucker, Vitaminen, Mineralstoffen und Eisen. Obst und Gemüse im blauvioletten Spektrum gelten als besonders antioxidativ und somit entzündungshemmend. Zudem schützen sie die Gefäße und minimieren so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Der Trick mit der Farbe

Vorsicht ist allerdings geboten, sobald industriell verarbeitete Lebensmittel auf den Teller kommen. Denn die positive Wirkung von Farben wird natürlich auch von Werbe- und Verpackungsindustrie genutzt, um uns gewisse Produkte schmackhaft zu machen. So wird Fleisch meist nachträglich rot eingefärbt, um länger Frische zu signalisieren.

Leider kann man von außen natürliche Färbemittel, durch z.B. rote Bete, nicht von künstlichen Farbstoffen unterscheiden, da beides in der Zutatenliste mit E-Nummern gekennzeichnet wird. Am besten kauft man also frisch ein oder achtet auf den Zusatz „frei von künstlichen Farbstoffen“. Doch auch auf den Verpackungen wird gerne getrickst, um verarbeitete Lebensmittel gesund aussehen zu lassen.

So fällt die Kaufentscheidung gerne schon unterbewusst, ohne dass man sich auf der Zutatenliste noch vom Inhalt überzeugt. Nicht nur tappt man so gerne in die Ernährungsfalle. Auch die zum Färben verwendeten Mittel, die meist auf Erdöl basieren, können auf lange Sicht gesundheitsschädigend sein. Außerdem können auch die Färbemittel der Verpackungen in die Lebensmittel übergehen und unsere Gesundheit gefährden. 

Der Trick mit der Farbe funktioniert jedoch auch bei unverpackter Ware: An der Fleischtheke ist das Licht meist rötlich, beim Bäcker gelblich, bei Tiefkühlware weiß-bläulich, um die Lebensmittel buchstäblich im richtigen Licht erscheinen zu lassen. Wer sich dieser Wirkung bewusst ist, kann also nachhaltigere und gesunde Entscheidungen treffen.

 

So wirken Farben auf unseren Körper – und machen uns gesund

Unser Biorhythmus ist stark mit dem Licht verknüpft. Genauso verbinden wir mit Klima, Wetter und Jahreszeiten typische Farbklänge. Während zu Sonnenaufgang und -untergang das Licht rötlich wird, ist es zur Mittagszeit hellweiß. Mit diesen farblichen Veränderungen des Tageslichts schwanken auch viele unserer Körperfunktionen, wie Temperatur, Appetit, der Hormonspiegel oder die Schmerzempfindlichkeit. Das liegt vor allem am Farbstoff Melanopsin, der sich in den Zellen unserer Netzhaut befindet und unserem Gehirn Signale über Tages- und Jahreszeit sendet – und so unwillkürlich alle Körperfunktionen daran angepasst werden. 

Wirkung von Licht und Farbe - Rötliches, warmes vs. Helles, kühles Licht

Spätestens, seit die Handynutzung spätabends als ungesund gilt und Tageslichtwecker zum Trend geworden sind, zeigt sich deutlich: Licht und Farbe wirken wesentlich auf unseren Organismus ein – und können ihn sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Auch die klassische Lichttherapie bei Winterdepressionen ist solch ein Beispiel, bei der sich mit der richtigen Farbtemperatur nachweislich das Wohlbefinden steigern lässt. 

Generell gilt: Das rötlich warme Licht der späten Abendsonne, das eine Farbtemperatur von etwa 3.000 Kelvin erreicht, schafft eine wohltuende Atmosphäre. Das macht sich durch Müdigkeit und einem Gefühl der körperlichen Schwere bemerkbar. Am Morgen lässt uns das rötliche Licht langsam wach werden und bereitet den Körper darauf vor, in den Tag zu starten. Nach diesem Prinzip erleichtert auch ein Tageslichtwecker das Aufstehen – und fördert im Gegensatz zu einem unbarmherzigen, unvorbereiteten Weckerklingeln Wohlbefinden, Leistungsvermögen und langfristig die Gesundheit. 

Umgekehrt benötigen wir tagsüber eine hellere Lichtfarbe und eine kühlere Farbtemperatur, um leistungsfähig zu sein. Zur Mittagszeit steigt die natürliche Farbtemperatur auf Werte zwischen 5.000 und 12.000 Kelvin. Bereits ab 5.300 Kelvin sorgt die bläuliche Färbung für einen kaltweißen Farbeindruck, in dem wir uns aufmerksamer, wacher und konzentrierter fühlen. Deswegen sind Büroräume auch meist mit solch kaltweißem Licht ausgestattet. 

Farben teilen uns etwas mit, sie ziehen uns an oder stoßen uns ab, sie beruhigen oder warnen uns.
Axel Buether

Erholsamer Schlaf durch das richtige Licht

Die Sensorik unserer Augen funktioniert also wie ein Regelmechanismus, mit dem man uns zu Höchstleistungen, aber auch zum Einschlafen bringen kann. Deswegen ist auch die Benutzung von Handys vor dem Schlafengehen mittlerweile in Verruf geraten: Denn das helle, kaltweiße Licht der Displays stoppt die Bildung von Melatonin, dem Schlafhormon, und kurbelt unseren Organismus an. Es suggeriert dem Körper, dass es mitten am Tag ist. Bereits nach einer Zeit von zwei Stunden am Display geht die Melatoninkonzentration um 23 Prozent zurück.

Die Folge: Man schläft unruhig, die Tiefschlafphasen fallen kürzer aus und der Körper kann seine nächtlichen Reparaturarbeiten nicht vollständig leisten. Kurzfristig führt das zu Konzentrationsschwächen und Müdigkeit am nächsten Tag, langfristig können die gesundheitlichen Schäden schwerer wiegen.

Lies hier: 5 Tipps, die beim Einschlafen helfen.

 

Feng-Shui - Farbe und Bedürfnis im Einklang

Doch genauso lässt sich durch Farbenlehre und Feng-Shui auch die Gesundheit unterstützen. Die Lehre von Feng-Shui besagt, dass Farbe, Licht und Raum im Einklang mit den Bedürfnissen des Menschen stehen sollen. Anregende Atmosphären schaffen etwa viel Licht und helle, warme Farben wie Rot, Orange und Gelb. Kühle, dunkle Farben wie Blau und Lila sorgen für eine ruhige Atmosphäre. Grün ist im Feng-Shui eine ausgewogene Farbe, die zwischen beiden Kräften steht. 

Wendet man dieses Wissen über (Farb-)Feng-Shui beispielsweise in Krankenhäusern an, kann der Heilungsprozess der Patienten nachweislich optimiert werden – und auch die Arbeitsatmosphäre und somit die Leistung des Personals wird so verbessert.

Erfahre hier mehr über Einrichtung nach Feng Shui.

Farben sind ein Teil von uns: Sie existieren nicht losgelöst in der Außenwelt, sondern sind in unseren Köpfen und beeinflussen unser Wohlbefinden. Jede Person hat zwar individuelle Bedürfnisse. Doch jeder kann dank richtiger Farben gesund leben.

 

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