Vitamin-Pillen: verlängern sie das Leben? Ernährungsmythen aufgeklärt (4/8)

Gesundheit & Ernährung

Vitamine als Weg zur Unsterblichkeit?

Die Vision, mit geheimen Mixturen ewige Jugend und Unsterblichkeit zu erlangen, gab es schon immer. Je mehr Wissen die Menschen über die Zusammenhänge zwischen Körper, Umwelt und Lebensmittel erlangten, desto greifbarer erschien das Ziel: Wenn uns viel Obst und Gemüse gesund hält, dann müsste sehr, sehr, sehr viel Obst uns ja quasi unverwüstlich machen. 

Doch so viel Obst und Gemüse kann kein Mensch essen, deshalb müsste es doch möglich sein, nur die wirksamen Nährstoffe rauszuholen, zu verpacken und dann alles auf einmal zu essen. 

 

Wieso kommen Menschen immer wieder auf die Idee, künstliche Vitamine statt echtem Essen zu sich zu nehmen?
Dr. Malte Rubach

Die Angst vor dem Vitamin-Mangel

Wieso kommen Menschen immer wieder auf die Idee, künstliche Vitamine statt echtem Essen zu sich zu nehmen? Es dürfte eine Mischung aus Angst und Angst-Marketing sein.

Eine Studie der Barmer-Ersatzkasse hat 2019 die größten Ängste der Deutschen abgefragt: Weit vor Vitamin-Mangel kommt Donald Trump, gefolgt von Rückständen von Schadstoffen in Lebensmitteln und die Angst vor schlimmen Krankheiten. 

Sind Vitamin-Pillen die Lösung?

Die Angst vor schlechten Lebensmitteln und schweren Krankheiten stellt dabei eine Dauerbedrohung für uns dar. Mal sind unsere Lebensmittel mit zu viel Schadstoffen belastet, mal enthalten sie keine Vitamine mehr. Jedenfalls, wenn man den Werbebroschüren der Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln glaubt. 

Zum Glück, meint man, gibt es die fehlenden Vitamine ja ohne Schadstoffe in einer bunten Dose mit Obst- und Gemüsebildern drauf. Das Paradoxe: Lange bevor uns Terror und Toxine Angst gemacht haben, war des Menschen größte Sorge, ob er überhaupt genug zu essen für sich und seine Familie finden konnte. 

Normalerweise reichte es gerade so aus, dass die Lebenserwartung vor 120 Jahren nicht mehr als 40 Jahre betrug. Heute ist sie rund doppelt so hoch. Nun fragen wir uns doch einfach: Kann das an einem Vitamin- oder Nährstoffmangel gelegen haben, der uns die letzten 120 Jahre heimgesucht hat, oder eher daran, dass wir inzwischen ausreichend Vitamine durch genügend Lebensmittel zur Verfügung haben?
 

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