Sind Süßstoffe krebserregend?

Gesundheit & Ernährung

Ist etwas dran an dem Gerücht, dass Süßstoffe krebserregend sind – immerhin hatte sich das bei manchen Tierversuchen gezeigt. Um diese Fragen zu beantworten, müssen wir uns zwei Dinge genauer ansehen: erstens, wie entsteht Krebs überhaupt, und zweitens, wie wird bewertet, ob etwas krebserregend ist oder nicht? Aber der Reihe nach.

 

Wie entsteht Krebs?

Ob Krebs entsteht oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab. Ganz wesentlich ist dabei unsere Genetik, die auf mehreren Ebenen eingreift. Es handelt sich um bestimmte Gene, die das Risiko für eine bestimmte Krebsart steigern können, wie es beispielsweise bei Brustkrebs bekannt ist.

Anderseits sind auch Gene ausschlaggebend, die unabhängig von einer bestimmten Krebsart sind. Diese Gene steuern zum Beispiel, wie gut unser Entgiftungsstoffwechsel funktioniert. Je besser die Entgiftung des Körpers funktioniert, desto weniger haben möglicherweise krebserregende Substanzen eine Chance.

Außerdem spielen unsere Reparatursysteme eine wichtige Rolle. Sie korrigieren Fehler in unserem Erbgut oder vermeiden, dass sich Krebszellen überhaupt vermehren und ausbreiten können. An diesen Prozessen ist auch unser Immunsystem beteiligt und auch das unterliegt einer genetischen Programmierung, die uns in die Wiege gelegt wurde.

 

Je älter wir werden, desto wichtiger werden unser Lebensstil und die Umweltbedingungen, die uns beeinflussen.
Dr. Malte Rubach

Genetische Ursachen vs. äußere Umstände

Unsere genetische Grundausstattung spielt also schon mal eine ziemlich große und vielfältige Rolle dabei, wie hoch unser Krebsrisiko ist. Ohne diese körpereigenen Schutzmechanismen würde unser Risiko an Krebs zu erkranken, deutlich größer sein, würde er nicht schon im Anfangsstadium verhindert werden. 

Die Krux bei der Sache: Je älter wir werden, desto schlechter funktionieren sämtliche Stoffwechselprozesse inklusive der Krebsabwehr. Fehler bei der Zellteilung werden seltener korrigiert, Tumorzellen nicht mehr so effektiv bekämpft und krebserregende Schadstoffe schlüpfen öfter durch die Entgiftungsmaschinerie. 

Die Folge ist, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, mit dem Alter natürlicherweise ansteigt. Deshalb werden alle nicht-genetischen Faktoren umso wichtiger – also unser Lebensstil und die Umweltbedingungen, die uns täglich beeinflussen. 

Diese sind allesamt mindestens so vielfältig wie unsere Gene und es lässt sich kaum ein einzelner Faktor herausgreifen, der allein für die Entstehung von Krebs verantwortlich gemacht werden könnte. Ausnahmen sind UV-Strahlung bei Hautkrebs und Tabakkonsum bei Lungenkrebs oder Alkoholkonsum bei Leberkrebs. Doch selbst hier kommt es auf die Dosis an, wie stark das Risiko jeweils ansteigt. 

 

Wie wird ermittelt, was krebserregend ist und was nicht?

Dazu bedarf es einer aufwendigen Beobachtung und Gesundheitsüberwachung. So ließen sich zum Beispiel in den 70er und 80er Jahren Häufungen von Lungenkrebsdiagnosen beobachten, die später mit dem Tabakkonsum in Verbindung gebracht werden konnten. 

Das geht natürlich nur, wenn ein Staat auch über die notwendigen Institutionen verfügt, die gewissenhaft Statistiken von Krankenhäusern und Krankenkassen dokumentieren und auswerten. 
Wenn dann vermehrt Fälle einer bestimmten Krebserkrankung auftreten, ist das allerdings erst der Anfang, denn nun muss die tiefergehende Forschung mehr über die Ursachen in Erfahrung bringen. Gibt es andere Auffälligkeiten, zum Beispiel eine Umweltkatastrophe oder Veränderungen in der Ernährungsweise, die kleinere oder sogar größere Bevölkerungsgruppen betreffen? So war zum Beispiel die radioaktive Strahlung nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl klar mit einer Häufung von Krebserkrankungen verbunden. 
 

Sind Süßstoffe also krebserregend?

Will man also nun wissen, ob Süßstoffe krebserregend sind, müssten größere Bevölkerungsgruppen über mehrere Jahre beobachtet werden. Treten dann bei Menschen mit einem hohen Süßstoffkonsum häufiger bestimmte Erkrankungen auf, so könnte das auf eine risikosteigernde Wirkung von Süßstoffen für Krebserkrankungen hinweisen. 

Genau das wurde bis 2019 anhand mehrerer Großstudien gemacht und durch eine Gesamtanalyse von Cochrane-Deutschland ausgewertet. Das Ergebnis lautet: Es sind keine schädigenden Wirkungen von Süßstoffen aufgetreten. 

Allerdings konnte auch nicht festgestellt werden, dass Süßstoffnutzer schneller abnehmen. Süßstoff ist also kein Abnehm-Garant, aber er schädigt weder die Gesundheit noch ist er krebserregend.

 

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