Ernährungsmythen aufgeklärt: »Zucker macht süchtig«

Gesundheit & Ernährung

Die Entdeckung des Zuckers

Sicher ist, dass Zucker bis zum zweiten Weltkrieg noch nicht derart in aller Munde war wie heute. Noch 100 Jahre zuvor war er ein regelrechtes Luxusgut. Nach dem Krieg wurde Zucker mit der neu aufgebauten Zuckerrübenindustrie ein wahres Massengut und war fortan nicht nur in Torten, Kuchen und Süßigkeiten zu finden, sondern er machte auch die Erfindung neuer Snacks und Softdrinks möglich. 

Und viele Produkte, die eigentlich keinen Zucker erwarten lassen, enthielten plötzlich Zucker. Teilweise, weil es billiger war, teilweise aus technologischen Gründen. Zucker bindet Wasser und kann daher konservieren und auch Lebensmittel fester machen. 

Es liegt also nicht allein am weißen Zucker, sondern wir essen insgesamt zu viel, zu süß und zu fettig.
Malte Rubach

Die Wurzel allen Übels

Wer nun aber dem Zucker an allem Übel die Schuld geben möchte, der könnte schnell falsch liegen. Ein Beispiel: mit Anstieg des Zuckerkonsums stieg auch die Lebenserwartung an. Kann mehr Zucker also das Leben verlängern? 

Natürlich nicht, genauso wenig wie irgendwelche Superfoods dies können. Fakt ist allerdings, dass wir seit dem Krieg nicht nur mehr Zucker konsumieren, sondern generell mehr Lebensmittel aller Art. Wir leben ganz einfach länger, weil wir überhaupt ausreichend zu essen haben, sogar so viel, dass heute über zwei Drittel der Menschen in Deutschland mit Übergewicht Probleme haben. 

Es liegt also nicht allein am weißen Zucker, sondern wir essen insgesamt zu viel, zu süß und zu fettig. Denn es reicht auch nicht, nur den Zucker zu sehen. Die Energie in unseren Lebensmitteln stammt nämlich zusätzlich auch aus Fett. Die gesamte Energiedichte zahlt somit auf unser Kalorienkonto ein. Daraus ergibt sich, dass man auf zwei Arten Energiekalorien reduzieren kann: weniger Zucker oder Fett, oder weniger von beidem.


 

Wie du Energiekalorien reduzierst

Der Weg dahin ist eigentlich sehr einfach. Möglichst viel Gemüse, ungezuckerte Milch und Milchprodukte, Vollkornbrot und Getreideprodukte sowie etwas Fisch und Fleisch. Im Supermarkt einfach das Süßigkeitenregal ignorieren und zu Hause höchstens noch eine Tafel Zartbitter-Schoki vorrätig halten. 

Letzter Schritt: Mahlzeitenfrequenzkontrolle. Das heißt ausreichend lange Pausen zwischen jeder Mahlzeit und jedem Snack einhalten. Das geht am besten mit einem Timer, den man sich nach dem ersten Bissen sofort auf 2,5 Stunden stellt. Dann heißt es, so lange ist Essenspause. So vermeidet man unkontrolliertes und impulsgesteuertes Essen. 
 

Ist Zuckerkonsum eine Sucht?

Aber warum fällt es uns so schwer, ohne Hilfsmittel weniger süß zu essen? Ist das eine Sucht? Nein, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird und Zucker direkt auf eine Ebene mit Kokain gestellt wird, so ist die einzige Gemeinsamkeit weiße Farbe und rieselfähiges Pulver. Zwar lässt sich durch Hirn-Scans feststellen, dass Zucker unser Belohnungszentrum aufleuchten lässt, doch nicht auch nur annähernd so sehr wie harte Drogen. Eher wie der Einkauf per Kreditkarte im Lieblingsladen. 

Und ja, es gibt auch Shopping-Sucht und jeder Mensch kann in so ungefähr jedem Bereich des Lebens suchtähnliches Verhalten entwickeln, das zu krankhaften Folgen führen kann. Unkontrolliertes Shoppen geht in den Dispo und unkontrolliertes Essen auf die Hüften. Und Übergewicht erhöht das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen und Krebs. 

Kurz gesagt: Die Probleme fangen nicht mit Zucker an sich an, sondern durch viel zu viel Essensenergie und zu wenig Energieverbrauch. „Do it yourself“ ist das Gebot der Stunde. Wer möglichst frisch kocht, nur ab und zu mal Fertigprodukte isst und die oben genannten Tipps befolgt, bringt sich schnell wieder in Balance. 
 

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