Ernährungsmythen aufgeklärt (7/8): Fischöle helfen gegen Alzheimer

Gesundheit & Ernährung

Wo der Name Alzheimer fällt, sind die Menschen besonders besorgt. Die Erkrankung, die nach ihrem Entdecker, dem Psychiater Alois Alzheimer, benannt wurde, tritt umso häufiger auf, je stärker sich der demographische Wandel vollzieht. Die genauen Ursachen sind bis heute nicht hinlänglich geklärt, auch wenn der Krankheitsverlauf selbst inzwischen immer besser beschrieben werden kann. Und dennoch existieren allerlei Heilsversprechen, wie man dem drohenden geistigen Verfall entkommen kann. Allen voran werden immer wieder Fischöle empfohlen, um die Nerven fit zu halten. Kann das funktionieren?

 

Ungesättigte Fettsäuren für das Nervensystem

Was hat es mit den Fischölen nur auf sich? Schon als ich noch nicht einmal damit begonnen hatte, Ernährungswissenschaft zu studieren, las ich in einigen populärwissenschaftlichen Ratgebern der 90er Jahre, wie gut diese Fischöle für unsere Gesundheit seien. Sie sollten ein starkes Herz und starke Nerven bringen. Warum? Weil zu dieser Zeit davon ausgegangen wurde, dass Eskimos und Mittelmeeranrainer so selten von Herzinfarkten betroffen sind, weil sie so viel Fisch essen.

Vor allem geht es um die mehrfach ungesättigten Fettsäuren in Fischölen, die für den Körper tatsächlich besonders wichtig sind. Aber diese kommen nicht nur in Fischöl vor, sondern auch in hochwertigen Pflanzenölen, wie etwa Raps- oder Leinöl. Sonst wären ja vor Tausenden von Jahren sämtliche Menschen aufgeschmissen gewesen, die keinen Zugang zu Fisch gehabt hatten, zumal die wertvollen Fischöle hauptsächlich in Kaltwasserfischen vorkommen, die nicht in unseren Flüssen durchs Land schwimmen.

 

Die Vorteile eines hohen Anteils mehrfach ungesättigter Fettsäuren in unserer Ernährung sind unzweifelhaft.
Dr. Malte Rubach

Es gilt als gesichert, dass die mehrfach ungesättigten Fettsäuren bereits bei der embryonalen Entwicklung des Nervensystems eine wichtige Rolle spielen und auch anschließend dabei helfen, das Nervensystem bis zum Erwachsenenalter optimal zu unterstützen.

Auch sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren für die Elastizität unserer Zellen förderlich, so sind zum Beispiel auch unsere Blutgefäße besser in der Lage, auf Veränderungen des Blutdrucks zur reagieren. Das ist vorteilhaft, um das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu reduzieren. Die Vorteile eines hohen Anteils mehrfach ungesättigter Fettsäuren in unserer Ernährung sind also unzweifelhaft. Aber müssen es Fischöle sein und helfen sie wirklich, um Alzheimer vorzubeugen?

Die Antwort ist ganz klar „Nein“. Warum erschließt sich auch relativ schnell. Bei Fischöl sind die beiden mehrfach ungesättigten Fettsäuren Eicosahexaensäure (EHA) und Docosapentaensäure (DPA) als Schlüsselfettsäuren besonders interessant, sie zählen zu den bekannten Omega-3-Fettsäuren und sind essentiell. Unser Körper kann sie also nicht selbst herstellen, außer er bekommt eine Vorstufe geliefert, die wiederum in besagten Pflanzenölen enthalten ist. Dennoch sollte Fischöl möglicherweise eine besonders positive Wirkung haben.

 

Zu viel Routine und wenig körperliche Aktivität lassen unsere Nerven einschlafen.
Dr. Malte Rubach

Verlust von Nervensubstanz

Im Krankheitsverlauf der Alzheimer-Erkrankung kommt es jedoch zu einer Ablagerung bestimmter Proteine, die zum Verlust von Nervensubstanz führt. Das Gehirn schrumpft regelrecht im Verlauf der Erkrankung. Das Wachstum unserer Nerven ist hingegen mit dem Ende der Adoleszenz abgeschlossen. Was dann einmal da ist, muss ein Leben lang halten. Um das Nervensystem möglichst gut aufzubauen, ist eine ausreichende Versorgung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren natürlich wichtig.

Dazu gehören aber auch viel Bewegung und Neugierde. Nur, wenn wir ständig dazulernen, neue Informationen aufnehmen, neue Bewegungsabläufe einstudieren (Tanzen ist übrigens besonders effektiv!) vernetzen sich unsere Nerven auch ausreichend, was die Funktion und Haltbarkeit nochmals verbessert. Zu viel Routine und wenig körperliche Aktivität lassen hingegen auch unsere Nerven einschlafen.

 

Ungesättigte Fettsäuren gegen Herzkreislauferkrankungen

Große Übersichtsstudien der Cochrane-Stiftung, die sich auf evidenzbasierte Medizin spezialisiert hat, zeigen denn auch keine Risikominderung für Alzheimer durch Omega-3-Fettsäuren, egal ob aus Fischöl oder anderen Ölen. Einen Vorteil aber haben mehrfach ungesättigte Fettsäuren ganz allgemein hingegen schon: in ausreichender Menge können sie das Risiko für Herzkreislauferkrankungen senken.

Da wir in der Regel etwas zu wenig von diesen Fettsäuren aufnehmen, kann es schon helfen, zum Kochen und für Salate einfach ein raffiniertes beziehungsweise natives Rapsöl zu verwenden oder auch einfach mal einen Esslöffel pur einzunehmen. Das ist der beste Weg zur sinnvollen Nahrungsergänzung und im Vergleich zu Fischöl-Kapseln ist anschließend auch kein schlechter Atem zu befürchten. 

 

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