Küchen-Apotheke: Wirkungsvolle Hausmittel für deine Selbstheilung

Gesunde Ernährung

Wer hätte das gedacht: In dem Einkaufskorb, den wir alle regelmäßig vom Gemüsemann an der Ecke, vom Supermarkt oder auch vom Wochenmarkt am Samstagmorgen nach Hause tragen, liegen nicht nur schmackhafte Zutaten für leckere Gerichte.
Nein, in diesem Einkaufskorb verbergen sich echte Heiler – man muss sie nur zu nutzen wissen. 
Wie bei Cinderella aus dem Kürbis eine Kutsche wird, so verwandeln sich in der Küchen-Apotheke wohlbekannte Gemüse- und Obstsorten zu medizinischen Helfern und Heilern. 

  • Die Kartoffel in eine nährende Küchenmamsell, die Kraft gibt und nervöse Gemüter beruhigt, auf ihre weiche, milde Weise. 
  • Knoblauch und Zwiebel wären einer Putzkolonne vergleichbar, die die letzten Winkel und Ecken ausfegt und desinfiziert – und dabei nicht gerade zimperlich vorgeht! 
  • Die Zitrone kann man sich wie eine Krankenschwester vorstellen, die gutgelaunt morgens ins Zimmer kommt, die Betten ausschüttelt, die Fenster öffnet und die Sonne hereinlässt.

 

Hausmittel sind mehr als bloße Theorie

Das Wissen um den medizinischen Einsatz von Lebensmitteln ist kein Bücherwissen. Es ist ein Wissen, das in der Küche entstanden ist und in den häuslichen vier Wänden ausprobiert wurde. Und das dann von Mutter zu Tochter, von Freundin zu Freundin weitergegeben wurde und wird. 

„Der Große hat einen Reizhusten? – Kein Problem. Da hat die Omi doch immer diesen Hustensaft aus Zwiebeln gemacht.“
„Der Kleine hat Fieber? Weißt du was? – Meine Kusine legt ihren kleinen Kindern längsgeschnitten Kartoffelscheiben von großen Kartoffeln in die Kindersocken. Das zieht die Hitze nach unten zu den Füßen, sagt sie.“  
„Halsschmerzen? Ja, klar kann man da einen Wickel machen. Ist nur die Frage, welcher .... Quark? Zitronenwasser? Kartoffeln? Kennst du dich da aus?“ 

Genau so sehen typische Gespräche zwischen Frauen aus, früher am Fenster oder auf der Straße, heute per Whatsapp. Wobei – natürlich – das Wissen nicht an das biologische Geschlecht gebunden ist, sondern an die Familienarbeit und die Rolle.  

Und so ist anzunehmen, dass mit dem Rollenwechsel auch die alten Hausmittel „väterlich“ modifiziert werden dürften. Um so besser, denn dann gibt es sicherlich neue Ideen, Tipps und Kniffe!

 

Mittlerweile kursieren zahlreiche Tipps auch im Internet. So anregend diese ganzen Hinweise und Erfahrungsberichte in Sachen Gesundheit auch sind – es bleiben in den meisten Foren Tipps von Laien für Laien. Wann man zum Arzt muss, ob ein Mittel im eigenen Fall wirklich das richtige ist, ob es vielleicht Nebenwirkungen oder Interaktionen oder auch Gegenanzeigen gibt, ist ohne entsprechende Ausbildung nicht einfach einzuschätzen. 

Wassertreten ist super bei kalten Füßen – aber eben nicht bei Krampfadern. Und wie sollen Laien beurteilen, ob aus dem Husten unbemerkt eine fette Bronchitis oder gar eine Lungenentzündung wird, aus der leichten Blasenentzündung still und heimlich eine Nierenentzündung? 

Für all das brauchen wir Ärzte. Ärzte und Ärztinnen, die ihre Patienten ermutigen, aktiv zu werden, und gleichzeitig ein waches Auge auf den Krankheitsverlauf werfen. Und im Zweifelsfall die Reißleine ziehen.

Möglichkeiten und Grenzen der Selbsthilfe sind das eine große sensible Thema bei Hausmitteln und der Medizin aus der Küche.
Dr. Annette Kerckhoff

Das andere sind neue Probleme: Schadstoffbelastung, Herkunft von Gewürzen und Kräutern, Interaktionen mit Medikamenten. Zum Beispiel hat Knoblauch einen blutverdünnenden Effekt und verstärkt damit die Wirkung von gerinnungshemmenden Medikamenten.

Du merkst wahrscheinlich schon: Hausmittel haben mich über viele Jahre fasziniert. Ich finde es einfach großartig, wenn Menschen sich selber helfen können. Ich finde es immer wieder spannend – wie letzte Woche auf einem Workshop von der Medizinanthropologin Caroline Contentin-El Masri und mir mit den Neuköllner Stadtteilmüttern in Berlin -, wenn Frauen aus anderen Kulturen berichten, was sie zuhause tun, wenn der Mann an einer Erkältung leidet (und wir wissen ja alle, wie geradezu lebensbedrohlich dieser Zustand für den Ärmsten ist....), die Kinder kränkeln und die beste Freundin kurz vor dem Burnout steht.

Mit Händen und Füßen wird in solchen Workshops berichtet. Eine Frau aus der Türkei erzählt von positiven Erfahrungen bei Schilddrüsenproblemen mit Knoblauch, eine Frau aus dem Libanon von Kartoffelscheiben mit Salz als Auflage bei Kopfschmerzen (hätte ich das nur schon für mein Buch gewusst, aber da gibt es immerhin das russische Rezept von Kartoffeln mit Essig bei Kopfschmerzen).

Schließlich meldet sich eine Medizinethnologin aus Bangladesh zu Wort und sagt sinngemäß: „Ich habe in einem Projekt in Kalkutta gearbeitet. Dort haben sie den Frauen erklärt, dass man bei Durchfall von kleinen Kindern Wasser mit Salz und Zucker vermischen muss. Weil viele Frauen nicht lesen können, haben Sie das mit den Händen vorgemacht: Sooo viel Salz (sie zeigt eine Handhaltung wie für eine gute Prise) und sooooo viel Zucker (jetzt wird die Hand zur Faust geballt). Und wisst Ihr was? Die Kindersterblichkeit in Kalkutta ging durch diese Aufklärungskampagne zurück.“

Ich freue mich: „Genau das Rezept habe ich in meinem neuen Buch, der Küchen-Apotheke, aufgeschrieben. Nachgemessen sind es 6 gestrichene Teelöffel Zucker auf ½ gestrichenen Teelöffel Salz auf 1 Liter abgekochtes Wasser oder Mineralwasser.“ 

Das Frauenwissen, man muss es dokumentieren. Und das tue ich seit Jahren. Genauso wichtig wie die Dokumentation ist aber: Dieses Wissen muss geprüft werden.

 

Glaube nicht alles, was du liest

Gerade im Internet kursiert viel zu viel Mist. Oder besser: Oft ist es nicht wirklich Mist, aber wichtige Informationen fehlen. Da wird der Zimt gegen Diabetes gelobt, aber mit keinem Wort erwähnt, dass eine ganz bestimmte Zimtsorte (Cassia-Zimt) viel Cumarin enthält, welches bereits in relativ niedriger Dosierung Leberschäden verursachen kann.
Oder dass man sich schon fragen muss, wie es mit der Schwermetallbelastung im Reis aussieht.

Oder es gibt Tipps, zu denen man aus fachlicher Sicht noch gar nicht so viel sagen kann.

So war das übrigens auch auf meinem Workshop letzte Woche, wo auch ich von den anwesenden Frauen komplett neue Anwendungen gehört habe: von gequetschten Rosinen als Gelenkauflage bei Schmerzen bis zu Fischhaut bei Verbrennungen. Da bleibt dann erstmal nur ein großes Fragezeichen.

In der Patientenaufklärung, als Autorin, Referentin und Hochschuldozentin beschäftigte ich mich seit über zwanzig Jahren mit genau diesem Thema:

  • Was kann ich selber tun?
  • Wie funktioniert das?
  • Worauf muss ich achten?
  • Und wann muss ich zum Arzt? 

 

Tipps zur Selbsthilfe

Während Ärzte dafür ausgebildet werden, Krankheiten hoffentlich richtig zu diagnostizieren und richtig zu behandeln, ist es mein Job, Krankheiten zu erklären, Zusammenhänge im Körper zu erklären, Verfahren aus dem weiten Bereich der Komplementärmedizin und der Selbsthilfe zu erklären. Und diese Selbsthilfetipps dann ganz genau zu beschreiben, damit auch nicht die kleinste Unsicherheit zurückbleibt. 
Quark für den Quarkwickel – ja, welche Fettstufe nehm ich denn da? Und muss der aus dem Kühlschrank sein? Und noch was, kann ich da jetzt auch veganes Joghurt nehmen?

Genau das ist mein Job. Und ich liebe es, jede kleine Fitzelfrage in Ruhe zu bedenken und zu beantworten, gerne und viel in Zusammenarbeit mit naturheilkundlichen Ärzten.  

In dieser Artikelserie möchte ich dich nun ein wenig in die Geheimnisse der Küchen-Apotheke einweihen.

Dieser erste Teil ging um die „Küchen-Apotheke“ ganz allgemein. In den nächsten Beiträgen stelle ich dir einzelne Heiler aus der Küche vor.

Ich verspreche dir, du wirst deine Kartoffeln, Zwiebeln und Zitronen mit ganz anderen Augen sehen!

 

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