Waldbaden als Konzept

Meditation & Achtsamkeit
Waldbaden

Shinrin yoku: So wäscht dir Waldbaden den Stress vom Leib

Gestresst? Im aktuellen Zeitalter bist du damit in guter Gesellschaft. Heiße Vollbäder wirken in dieser Situation Wunder. Seit 2012 erforscht der waldmedizinische Wissenschaftszweig japanischer Universitäten, ob für das Waldbad dasselbe gilt. 20 Jahre früher legte die staatliche Forstbehörde der japanischen Bevölkerung aus Gesundheitsgründen regelmäßige Waldaufenthalte ans Herz. Seit dieser Empfehlung hat sich das Waldbad (Shinrin yoku) in Japan zum festen Begriff entwickelt, wenn es um Stressabbau geht. 

 

In der Abgeschiedenheit der Natur leert sich dein Geist.
Redaktion

Wieso dein Glück auf weichen Waldböden liegt

Bäder im Wald bestehen nicht aus Schwimmeinheiten. Zum Waldbaden brauchst du deshalb weder Bikini noch Badehose. Bei dem Wellnesstrend geht es darum, mit allen Sinnen ins Hier und Jetzt einzutauchen. Wer die Waldluft bewusst aufsaugt, vereint sich laut der Achtsamkeitstheorie mit der Waldatmosphäre. In der Abgeschiedenheit der Natur leert sich dadurch dein Geist. Was zwischen hohen Bäumen noch zählt, sind Kontraste aus Licht und Schatten, das Gefühl kühler Luft auf der Haut, Vogelstimmen und Blätterrauschen. Sobald du dich auf diese Eindrücke konzentrierst, vergisst du deine Zukunft und Vergangenheit. Dieser Ausbruch aus deinen eigenen Gedanken intensiviert deine Aufmerksamkeit für den Moment, bis du dich unbeschwert fühlst.

 

Was die Bäume in deinem Garten zu Psychologen macht

Menschen verdanken grünen Blättern weit mehr als nur die Luft zum Atmen. 2009 haben japanische Wissenschaftler bewiesen, dass Wälder deiner Gesundheit nicht nur durch die saubere Waldluft gut tun. Um das Zusammenspiel zwischen Bäumen und der Psyche zu prüfen, schickten die Forscher Studienteilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes in den Wald. Eigentlich waren es insgesamt 24 verschiedene Wälder. In regelmäßigen Abständen wurde der Stresszustand aller Versuchspersonen gemessen. Innerhalb von 20 Minuten senkte der Waldaufenthalt den Puls und das Stresshormonlevel. Nach diesen Beobachtungen schossen in Japan ganze Therapiezentren aus dem Waldboden. Statt Menschen übernehmen Bäume darin die Psychologenrolle. 

 

Ätherischer Öle in der Luft der Wälder stärken dein Immunsystem und regen dadurch die Selbstheilung an.
Redaktion

Welche Gesundheitseffekte in der Waldluft liegen

Die Waldmedizin beruft sich auf die gesundheitlichen Wirkungen ätherischer Öle in der Luft der Wälder. Diese Stoffgemische stärken dein Immunsystem und regen dadurch die Selbstheilung an. Terpene bringen deinen Körper zur Produktion von Abwehrzellen. Deshalb helfen Waldspaziergänge sogar bei der Krebsvorsorge. Weil Frischluft und Sauerstoff deine Vitalität ankurbeln, fühlst du dich nach jedem Waldbad fitter und wacher. Je wacher der Geist, desto mehr nimmst du von deiner Umgebung wahr. Von der Wahrnehmungsfähigkeit hängt wiederum deine Realität ab. Hast du dich in Zeiten der Unsicherheit je an das dicke Moos starker Baumstämme gelehnt? Dann weißt du, dass die Standhaftigkeit fest verwurzelter Bäume erdende Wirkung hat. 

 

Wodurch Shinrin yoku deine Selbstheilung anregt

Seit Waldbaden nach Europa schwappt, empfinden viele Menschen die Aufforderung zur Wiedervereinigung mit den Wäldern als zwanghaften Trend. Im japanischen Verständnis sind Waldbäder bewusste Genusserfahrungen. Im Kontrast dazu entwickelt sich das Bad in den Blättern im europäischen Medienhype zur Stresserfahrung, anstatt zu bewusstem Stressmanagement beizutragen. Damit der Wald zu deinem Arzt werden kann, musst du ihm das Herz öffnen. Sobald du Waldbaden als Verpflichtung empfindest, bleiben mit dem Genuss die positiven Effekte auf der Strecke. Waldmediziner Qing Li von der Nippon Medical School gibt Tipps, damit deine Waldbäder zu Genusserfahrungen werden. 

  • keine ermüdenden Waldausflüge
  • Pausen zum Meditieren und Erholen
  • persönliche Lieblingsplätze entdecken
  • Marschrouten von fünf Kilometern für Tagesausflüge 
  • individuelle Noten in Abstimmung auf deine Konstitution
  • Snacks und Getränke für mehrstündige Exkursionen
  • keine Handys
  • Umgebung anfassen und spüren
  • keine Musik in den Ohren
  • mehrstündige Aufenthalte

Zur Stärkung des Abwehrsystems verbringst du laut Qing Li idealerweise zwei bis drei Tage im Wald. Den Stress spürst du dagegen nach einem einzigen Tag von deinen Gliedern fallen.

 

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