Wie du einen guten Yogalehrer findest

Meditation & Achtsamkeit

Immer wieder gibt es Kritik an Yogalehrern, weil sie ihre Schüler*innen mit akrobatischen Übungen überfordern oder Yoga mit Leistungssport verwechseln. Und leider gibt es auch immer wieder Nachrichten über Yogalehrer, die ihre Schülerinnen als Freiwild betrachten. Dies zeigt, dass Selbstüberschätzung und Gier auch vor Yogastudios nicht halt machen. Solltest du gerade auf der Suche nach einem Lehrer sein, ist es ganz gut, eine Art Checkliste mitzunehmen. Hier kommen ein paar Tipps, woran du einen guten Lehrer erkennen kannst.
 

Achte auf dein Gefühl 

Du weißt selbst am besten, was oder wer dir gut tut. Deshalb solltest du deinen gesunden Menschenverstand auf keinen Fall am Eingang eines Yogazentrums abgeben. Hör auf dein Bauchgefühl und lass dich nicht beeindrucken von »OM« und »Shanti.Shanti.Shanti.« Mach dich auf der Suche nach einem Lehrer oder einer Lehrerin frei davon, was andere dir über ihn oder sie erzählen, sondern frage dich : »Was hat mir mein Gefühl gesagt, als ich diese*n Lehrer*in zum ersten Mal gesehen habe?« Manchmal gibt es eine innere Stimme, die sofort »Ja!« oder »Nein!« sagt. Zu diesem Nein zu stehen, wenn deine beste Freundin diesen Yogalehrer glorifiziert ist natürlich nicht leicht. Aber vergiss nicht: Für jeden Topf gibt es einen Deckel. Das gilt für die Liebe und auch für Yogalehrer*innen. Wenn deine innerste Stimme jubiliert, dann kannst du ihr vertrauen. 

 

Buddhas Rat lautete: Entwickelt positives kritisches Vertrauen auf der Suche nach einem Lehrer.
Redaktion

Achte auf Taten

Ahimsa, damit gemeint ist Gewaltfreiheit, ist die Eigenschaft, die ein*e Yogalehrer*in besitzen sollte. Wenn ein*e Lehrer*in seine Schüler*innen angrabscht oder sie unsanft oder gewaltsam in Yogahaltungen hineindrückt, kann dies kein guter Weg sein. Besonders anfällig für eine missbräuchliche Lehrer-Schüler-Beziehung sind solche Menschen, die bereits in ihrer Kindheit viel Gewalt erfahren mussten. Da uns solche Systeme vertraut vorkommen, kann es passieren, dass man unbewusst wieder bei einem solchen Lehrer landet. Nicht jede*r Yogalehrer*in oder spirituelle*r Lehrer*in ist von Haus aus gefeit gegen sexuelle Gier oder die Tendenz übergriffig zu sein.
 

Prüfe deinen Lehrer immer wieder 

Buddha inspirierte seine Schüler*innen immer wieder, seine Lehren zu überprüfen. So, wie man Gold überprüfen würde, so solle man auch seine Lehrer*innen überprüfen. Dieser Rat hat an Bedeutung nicht verloren. Auch wenn du eine Lehrerin gut findest, oder dich ein Lehrer beeindruckt, solltest du nicht alles ungefragt übernehmen. Manchmal sind Teile einer Praxis gut für seinen eigenen Körper und Geist, aber nicht für die seiner Teilnehmer. Im Yoga heißt es: »Man soll Yoga an den Menschen anpassen und nicht den Menschen an Yoga.«  Sei mutig und lasse eine Übung ruhig aus, wenn sie dir nicht zusagt oder du dich überfordert fühlst. Es geht darum, dass du deine Bedürfnisse befriedigst und nicht die deines Lehrers. 

Lass dich weder blenden noch angrapschen

Mach dir immer wieder bewusst, dass du das Recht hast, deinem Yogalehrer oder deiner Yogalehrerin Grenzen aufzuzeigen. In vielen Studios wird mit »Hands on« unterrichtet. Damit gemeint ist, dass dein*e Lehrer*in dich anfassen und deine Haltung korrigieren darf. Solltest du das Gefühl haben, dass dein*e Lehrer*in dich unterschwellig anmachen möchte oder schlimmer noch, dich angrapscht, dann traue dich, ihm/ihr eine Grenze aufzuzeigen. Vertraue dir! Und traue dich! Dir selbst zu vertrauen bedeutet, mehr Selbstverantwortung für das eigene Denken und Handeln zu übernehmen. Sei mutig! 

Lies hier, wie du eigene Grenzen erkennen und setzen kannst.
 

Guten Yogalehrer finden

Einmal Schüler, immer Schüler

Selbst gut ausgebildete Yogalehrer*innen können Fehler machen. Oder anders ausgedrückt: Keiner besitzt ein vollkommenes Wissen. Und jeder besitzt blinde Flecken und Schattenseiten. Ein*e gute*r Yogalehrer*in weiß darum und steht dazu. Er oder sie wird nicht immer Recht haben wollen, sondern ist offen dafür, dazu zu lernen. Sollte dein*e Lehrer*in dogmatisch sein und darauf bestehen, dass nur er/sie weiß, was richtig und falsch ist, dann hat er/sie einen wichtigen Grundsatz des Yoga nicht gelernt: Einmal Schüler. Immer Schüler. 
 

Ein fundiertes Wissen als Basis

Ein*e Yogalehrer*in sollte über ein bestimmtes Maß an anatomischem Wissen verfügen. Da Unfälle im Yoga zunehmen, weil Lehrer*innen Standardprogramme mit ihren Schüler*innen üben, ist auch hier immer wieder wichtig zu überprüfen, ob du dich wirklich gesehen fühlst. Du solltest dich am Ende einer Stunde immer wohler, entspannter und besser fühlen als vorher. 

 

Ein mitfühlendes Herz, eine Portion Selbstironie und ein Ozean voller Demut entsprechen dem Ideal.
Redaktion

Eigene Praxis 

Ein*e gute*r Lehrer*in zeichnet sich auch dadurch aus, dass er/sie selbst regelmäßig und nach Möglichkeit schon viele Jahre praktiziert - und dies unter der Obhut eines Lehrers oder einer Lehrerin. Erst dann, wenn man einer eigenen Praxis folgt, weiß man auch um den inneren Schweinehund, die Steine auf dem Yogaweg und die Hürden, die einem im Laufe der Jahre begegnen. Eine eigene Erfahrung schenkt einem/einer Lehrer*in die Fähigkeit, sich gut in andere hineinversetzen zu können. 
 

Authentizität und Demut

Ein*e gute*r Lehrer*in sollte nach Möglichkeit immer er oder sie selbst sein, um seine Schatten- und Lichtseiten wissen und seine Grenzen kennen. Erst das macht ihn zu einer Vertrauensperson. Ein mitfühlendes Herz, eine Portion Selbstironie und ein Ozean voller Demut entsprechen vielleicht dem Ideal eines Lehrers oder einer Lehrerin, sind aber besser als ein selbstverliebter und unkritischer Mensch, der sich für den Nabel der Yogawelt hält. 
 

Beherzige drei – oder besser noch – alle Tipps, wenn Du eine*n Yogalehrer*in suchst. Ein*e Yogalehrer*in sollte eher die Rolle eines Freundes/einer Freundin als die eines Geliebten/einer Geliebten einnehmen, damit du auf deinem spirituellen Weg ein gutes Stück weiterkommst. Und vergiss nie, dass du immer gehen darfst, wenn du das Gefühl hast, nicht mehr weiterzukommen. Manchmal begleitet uns ein*e Lehrer*in nur für eine kurze Zeit auf unserem Weg, manchmal sind es Jahre. Wie lange es auch ist, er oder sie sollte daran interessiert sein, dich in deine Kraft zu bringen und aus dir einen eigenständig denkenden Menschen zu machen und kein dummes Schaf, dass einem anderen blind folgt. 
 

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