Die 10 buddhistischen Vollkommenheiten (1/2)

Meditation & Achtsamkeit

Vielleicht fragst auch du dich immer wieder, wie du dein Leben so klug wie möglich gestalten kannst und endlich glücklich werden kannst – egal wie verworren oder stressig die Umstände sind. Mit dieser Frage bist du nicht allein. Seit mehr als zwei Jahrtausenden suchen Menschen nach Wegen, das Beste aus dem eigenen Leben zu machen.

Buddha schenkt uns Antworten, weil er davon ausging, dass alle Menschen eine Vollkommenheit in sich tragen und wir im Kern erleuchtete Essenz, reines Licht und absoluter Frieden sind. Diesen Kern verglich der Buddha mit einem Goldklumpen, der verborgen in uns schlummert. Mit Hilfe der Meditation können wir ihn in uns selbst und anderen erkennen, ihn freilegen und polieren – und zum Strahlen bringen.

 

Die zehn Vollkommenheiten sind:

  1. Großzügigkeit 
  2. Energie 
  3. Entschiedenheit 
  4. Wohlwollen 
  5. Nichtverletzendes Handeln 
  6. Wahrhaftigkeit 
  7. Geduld 
  8. Weisheit 
  9. Gelassenheit 
  10. Loslassen
     

Du kannst sie alle durch bewusstes Üben zum Leuchten bringen. Sie überschneiden und durchdringen sich gegenseitig und sind genau genommen nicht voneinander zu trennen und auch nicht auf eine bestimmte Reihenfolge festgelegt. Es ist wie bei einem dicken Seil, das aus zehn Strängen geknüpft ist. Jeder einzelne Strang ist wichtig, um vereinte Tragkraft zu schaffen. Jede einzelne Vollkommenheit möchte erkannt und verstanden werden. In der Verknüpfung aber werden sie mehr, als Worte fassen können. 

Wir stellen dir hier die ersten vier der zehn Vollkommenheiten vor, damit auch du sie nach und nach in dein Leben integrieren kannst:

 

Großzügigkeit bedeutet, keinen Unterschied zwischen Geber und Empfänger zu sehen
Redaktion

1. Großzügigkeit

Die zehn Vollkommenheiten beginnen und enden mit Großzügigkeit, die ihren höchsten Ausdruck darin findet, dass zwischen Geber und Empfänger kein Unterschied gesehen wird. Großzügiges Geben ist ein Ausdruck der Fähigkeit, loslassen zu können. Großzügigkeit umfasst auch die Bereitschaft, fürsorglich die Hand auszustrecken und dem anderen entgegenzukommen, wenn es um Meinungen und Ansichten, um vermeintliches Recht und Unrecht geht.

Die Kunst des Gebens zeigt sich in Mitgefühl und Dankbarkeit, in der Bereitschaft, zu verzeihen und zu dienen, in Pflege und Fürsorge. Immer wieder wird durch die Freude des Gebens die Verbindung zum Besten in uns und anderen hergestellt.

Könntest du dir vorstellen, eine Woche lang jeden Tag ganz bewusst die Großzügigkeit zu praktizieren? Du selbst kannst überlegen, welche Aspekte der Großzügigkeit dich am meisten ansprechen und diese dann in deinem täglichen Leben umsetzen. Probiere es aus und du wirst erleben, wie reich beschenkt du wirst, wenn du großzügig bist. 

 

2. Energie

Mit Energie ist die Lebenskraft gemeint, die sich als niemals nachlassendes Bemühen um Verwirklichung der besten Kräfte in uns zeigt. Sie verdichtet sich zu Vitalität und Begeisterung und gibt uns die Kraft, unseren von inneren Konflikten und Hindernissen zerrütteten Geist zur Ruhe zu bringen. Mit frei fließender Energie werden tiefe Täler ebenso wie höchste Höhen gelassen durchschritten. Die Kontinuität der geistigen Ausrichtung auf heilsam wirkende Bewusstseinszustände ist ein leitendes energetisches Prinzip. Gepaart mit Achtsamkeit führt Energie zu Sammlung.

Mit Energie streben wir Bewusstseinszustände an, die frei von Leiden sind. Um nicht den unwillkürlichen triebhaften Impulsen ausgeliefert zu sein, brauchen Körper, Herz und Geist eine klare Ausrichtung. Dies gelingt nur durch tatkräftiges Üben, das sich den immer wieder neu auftauchenden Hindernissen mutig stellt. Energie ist essenziell, um »am Ball« zu bleiben. Viel zu viele negative Gedanken und Geschichten bündeln unsere Energie.

Wie wäre es, wenn du heute probierst, ganz bewusst deine Energie ganz klar und bewusst auf die Dinge und Menschen auszurichten, die dich nähren und dich bereichern? Ein spannendes Experiment. Probiere es doch gleich einmal aus.

 

3. Entschiedenheit

Diese Vollkommenheit verleiht die nötige Ausrichtung und Motivation, um sich auf einen geistigen Weg einzulassen und das eigene Verhalten entsprechend anzupassen. Trotzdem wirkt sie weich, ruhig und liebevoll. Sie justiert unser Verhalten im Alltag laufend und bringt unser Denken und Handeln in Einklang mit den Prioritäten unseres Herzens.

Entspannt und hingebungsvoll hält die Entschiedenheit uns auf Kurs, wenn wir in schwierigen Zeiten lieber ausweichen würden. Ohne langes Nachdenken tut sie, was getan werden muss. Sei es die tägliche Buchführung am Ende eines langen Arbeitstages, das Zähneputzen oder das Leeren des Mülleimers. Entschlusskraft wird nicht vom Willen gesteuert. Es geht dabei nicht um eine rigide Zieldefinition, sondern eher um eine kontinuierliche und entschiedene Ausrichtung des Herzens.

Überlege dir, was dir wirklich wichtig ist. Mache eine Prioritätenliste und richte deine Aufmerksamkeit auf die Vorhaben, die ganz oben auf der Liste stehen. Lass dich nicht länger von Nebenschauplätzen ablenken. Nimm dir die nächsten vier Wochen als Probezeit vor und überprüfe dann, wie viel näher du deinem Ziel kommst, denn du konsequent dranbleibst, um es zu erreichen. 

 

4. Wohlwollen 

Metta ist ein Wort aus dem Pali und wird mit Wohlwollen, Sympathie, Freundlichkeit, Offenherzigkeit oder liebende Güte übersetzt. Metta ist keine Emotion, sondern eine Geisteshaltung, die von Wohlwollen und guten Absichten durchdrungen ist. Metta stellt die Kraft unseres Herzens in den Mittelpunkt. Hierbei geht es um eine aktive Gestaltung der Herzenskräfte, ein kontinuierliches, bewusstes Ausrichten auf wohlwollendes Denken und Handeln. Wir üben, der Stimme des Herzens eine Priorität einzuräumen.

Auch wenn wir von Natur aus als Säuglinge und Kleinkinder herrlich vorbehaltlose Wesen sind, entwickeln wir leider im Heranwachsen viele psychische Abwehrhaltungen, die sich zu Verschlossenheit und Härte verdichten. Aus Furcht vor Verletzung und Enttäuschung bleiben unsere Herzen nicht offen, im Gegenteil: Wenn wir zu fest von inneren Vorstellungen und Verpflichtungen geprägt sind, spüren wir oft unser Herz gar nicht mehr. Es ist unserem Empfinden abhandengekommen. Metta hilft uns dabei, wieder mit unserem Herzen in Kontakt zu kommen.

Achte heute darauf, wie wohlwollend deine Gedanken dir selbst und anderen gegenüber sind. Solltest du merken, dass du primär kritisierst oder bewertest, so versuche, dich und die anderen mit Wohlwollen zu betrachten. Schenke deinem inneren Kritiker einen Urlaubstag und lass stattdessen dein Herz sprechen. 

Wenn es dir gelingt, diese Vollkommenheiten nach und nach in dein Leben zu integrieren, wirst du gelassen und dein Umgang mit den Herausforderungen des Lebens leichter. In Teil 2 des Artikels gehen wir näher auf die weiteren sechs buddhistischen Vollkommenheiten ein.

 

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