Achtsamer Minimalismus: So kannst du Leben und Wohnung entrümpeln

Kennst du das auch, dass du „vor lauter Bäumen den Wald nicht siehst“?! Du möchtest im Supermarkt nur schnell ein paar Äpfel kaufen und kommst mit einem riesigen Korb voller Lebensmittel nach Hause? Dein Kleiderschrank ist so voll, dass er überquillt – und trotzdem weißt du oft nicht, was du anziehen sollst? In deinem Job sollst du meist drei Dinge gleichzeitig tun und dann klingelt nebenbei auch noch das Telefon? Und dann erst die Freizeit: Sport, Freunde, Familie, Hobbys – wie bringst du das bloß alles unter einen Hut?

Volle Garage, voller Dachboden, volle Überlast: Der Besitz von konsumgesellschaftlichen Westeuropäern beläuft sich durchschnittlich auf 10.000 Gegenstände, nur Durchblick besitzt kaum jemand. Mit der Wohnung lässt sich laut Psychologen auch das eigene Leben entrümpeln, wodurch sich Minimalismus in der überforderten Überflussgesellschaft zu einem Trend entwickelt.

Stell dir vor, du könntest das ganze Hamsterrad einfach mal anhalten und zu dir selber kommen. Stell dir vor, wie befreiend es wäre, wenn du alles Unwichtige aussortieren und dich aufs Wesentliche konzentrieren könntest! Einfach leben – genau das ist es, was der Minimalismus bezwecken soll.

 

Minimalprinzip: Weniger Besitz lässt dich mehr leben

Tausende Milchsorten, Millionen von Kleidungsstücken und etliche Technikspielereien sind auf dem Boden des Konsumzeitalters gewachsen und überlasten die Konsumgesellschaft mit Überfluss. Indem du dich vor einer riesigen Auswahl wiederfindest, gerätst du im Supermarkt schwitzend unter Entscheidungsdruck, bist beim Öffnen des eigenen Kleiderschranks mit der Auswahl überfragt und hast ständig das quälende Gefühl, etwas Besseres zu verpassen. 

Minimalismus ist ein Gegenkonzept zum Konsumwahn der westlichen Überflussgesellschaft. Die minimalistische Lebensweise zeichnet sich durch bewussten Verzicht auf Unnötiges aus. Was aber so einfach klingt, fällt vielen zunächst richtig schwer. 

  • Welche Dinge brauchst du wirklich in deinem Leben, welche machen dich glücklich und welche sind seelischer Ballast?
  • Von welchen Reisen und Veranstaltungen profitierst du wirklich?
  • Welche dienen nur zum oberflächlichen Zeitvertreib?

Schon allein die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um darüber nachzudenken, könntest du zum Beispiel anstelle der nächsten Shopping-Tour einen schönen Waldspaziergang machen und draußen in der Natur die Seele baumeln lassen. Man kann dabei sehr gut meditieren und sich über vieles klar werden.

Werbebeiträge reden dir derweilen ein, dass deine Identität vom Besitz abhängt und bestimmte Produkte dein Leben erleichtern.
Redaktion

Ballast mit Minimalismus loslassen

Minimalisten wollen Überflüssiges loswerden, indem sie ausmisten und sich des beschwerenden Ballasts erleichtern. Weniger Besitz halten sie für eine Freiheit, die im Leben Ablenkungen reduziert und dadurch zur Konzentration auf das Wesentliche befähigt. Beim Aussortieren lassen sie Erinnerungen und Verantwortungen los, um Neuem offener gegenüberzutreten.

Obwohl drastische Minimalisten mit weniger als 100 Besitztümern auskommen, musst du nicht radikal minimalistisch leben, wenn du dein Leben entrümpeln und dadurch deine Seele befreien willst. Schon das Aussortieren von offensichtlich Unbrauchbarem wie verstaubten Dekorationsartikeln, abgelaufenen Medikamenten, funktionsuntüchtigen Möbelstücken und alten Liebesbriefen gibt dir in deiner Wohnung mehr Raum zum Leben.

 

Wieso du in dein Leben entrümpeln solltest

Die Einfachheit des Minimalprinzips lässt dich in einer immer komplexeren Welt in vielerlei Hinsicht profitieren. Erfüllungsdruck und Jobbelastungen beengen neben Reizüberlastungen und Leistungsdruck spätestens ab der Familiengründung im mittleren Alter deine Lebensverhältnisse, wodurch du dich nach Bewältigungsstrategien sehnst.

Wenn dir alles zu viel wird und die Essenz deiner Person in einem Chaos aus unüberschaubaren Belastungen versinkt, kann dir fokussiertes Entrümpeln ähnlich einer Meditation Gelassenheit und Ruhe zurückgeben. Studien bestätigen dem minimalistischen Downsizing daher reinigende Effekte.

Besonders das Loslassen von Gegenständen mit Assoziation zu vergangenen Lebensabschnitten kann dich als symbolischer Akt von Zukunftshemmungen befreien und bei ersehnten Veränderungen unterstützen. Wer wenig besitzt, fühlt sich flexibler und entwickelt sich dadurch leichter zu der Person, die er gerne wäre.

 

Weil es einfach ist: So vereinfachst du dein Leben

Konzentriere dich beim Ausmisten auf die Frage, was du zum Leben wirklich brauchst. Behalten darfst du alles, das für deinen Alltag eine Rolle spielt. Trotz Minimalprinzip verzichtest du beispielsweise nicht auf deine Kamera, wenn du deinen Lebensunterhalt mit Fotos bestreitest.

Hast du Gegenstände im vergangenen Jahr dagegen nicht benutzt oder ihre Existenz vergessen, können sie für dein Leben nicht allzu wichtig sein und verlassen daher ihren staubigen Stellplatz. Wie oft hast du zum Beispiel den alten Mixer noch benutzt, den du beim Kauf des neuen „für alle Fälle“ aufgehoben hast? Wann, glaubst du, wirst du die alten Hosen noch einmal anziehen, die schon seit fünf Jahren ungenutzt im Schrank liegen? Und brauchst du auf deinem Schreibtisch wirklich 15 verschiedene Kugelschreiber? Dasselbe gilt für doppelte Ausführungen derselben Objekte, Statussymbole ohne weiteren Daseinszweck und unkenntlich gewordene Besitztümer.

Loslassen“ – so heißt ab jetzt für dich die Devise. Nimm einfach mal einen großen Korb, geh durch deine Wohnung und sammle alles ein, was du seit Jahren nicht mehr in der Hand hattest oder was dir schon lange nicht mehr gefällt (oder vielleicht noch nie gefallen hat). Du wirst sehen, wie viel Raum da plötzlich entsteht und wie befreiend das ist!

Weniger Ballast – das heißt außerdem auch, dass du weniger abstauben, weniger putzen und weniger reparieren musst. Die Zeit, die du dadurch gewinnst, ist nun frei fürs Wesentliche. 

Willst du dauerhaft dein Leben entrümpeln, setzt du zukünftig auf Qualität statt Quantität.
Redaktion

Weil es gut tut: Tue mit Ausgemistetem Gutes

Obwohl du deinem Seelenfrieden zuliebe Überflüssiges loswerden solltest, wehre dich gegen das Prinzip der Wegwerfgesellschaft. Das Aussortieren überflüssiger Konsumgüter steht keineswegs im Widerspruch zur Nachhaltigkeit – ganz im Gegenteil: Indem du Gegenstände verkaufst, tauschst oder verschenkst, führst du sie einer sinnvollen Weiterverwendung zu. Tauschbörsen, Flohmärkte oder Kleinanzeigen im Internet bringen dich mit Gleichgesinnten in Kontakt und bieten den entsprechenden Marktplatz. 

Mit dem Konsumzeitalter geht laut Verbraucherforschern neben verschwenderischem Umgang fehlendes Bewusstsein und geringe Wertschätzung einher, wovon du dich trotz ausgemistetem Besitz abgrenzen solltest. Indem du noch brauchbare Produkte nicht in die Mülltonne wirfst, beweist du Nachhaltigkeitsbewusstsein. Obwohl Verkauf gerade bei wertvolleren Besitztümern eine verführerische Option ist, empfindest du verschenkten oder gespendeten Altbestand abseits von materialistischen Straßen vielleicht trotzdem als erfüllender.

Um auf Dauer eine minimalistische Lebensweise beizubehalten, brauchst du also eine gewisse Disziplin. Wehre den Anfängen und lass dich nicht wieder zum Kauf von Dingen verleiten, die du nicht wirklich benötigst. Je besser du dich auf deinen neuen Lebensstil eingestellt hast, desto mehr wirst du die neue Freiheit genießen, die er mit sich bringt.

 

Achtsamer Minimalismus: verzichte auf Dauer auf Müll

Genauso schnell wie sich ein geleerter Geist nach Meditationen wieder mit ablenkenden Gedanken füllt, füllen sich Besitzfriedhöfe wie Garagen und Dachböden mit verzichtbaren Objekten. Für jedes neue Objekt verbannen Radikalminimalisten beispielsweise zwei alte Besitztümer aus ihrem Leben.

Wie viel du nach der Entrümpelungsaktion auch besitzt: Der wichtigste Moment zur Wiederholungsprävention ist beim Minimalismus im wörtlichen und übertragenen Sinn eine Bewusstwerdung im Hinblick auf den Müll im eigenen Leben.