Karlinders Kolumne: Bullenreiten für die Schönheit?

Leben & Balance

Jung, schön – und gesund?

Wie fast jeder heutzutage habe auch ich einen Instagram-Account – allerdings erst seit diesem Frühjahr. Mein Beweggrund war allerdings nicht die Selbstinszenierung, sondern die Mission „Gesundheit für alle“ – die Menschheit mit jedem „Post“ ein wenig gesünder zu machen. Deshalb gibt es häufig kleine unterhaltsame Tipps & Tricks zum Wohlfühlen, Hinweise auf unsere Themen bei „Gesünder mit Karlinder“ im SAT 1 Frühstücksfernsehen oder im Gesundheitsmagazin (www.charlotte-karlinder.de) – und natürlich zwischendurch auch private Einblicke, sonst wär’s ja auch langweilig. So weit, so gut.

Neulich schrieb dort eine Followerin unter eins meiner Fotos: „Ihre Lippen sind echt nicht gut gemacht! War ein Bullhorn Lift, oder?“ Ich hab’ mich kurz erschrocken, sah dann aber, dass der Kommentar nachts um 3 Uhr gepostet wurde – und habe es den Folgen von Alkoholkonsum zugeordnet.  Aber was nun ein Bullhorn Lift ist, hat mich dann doch interessiert, denn tatsächlich trägt einzig und allein Mutter Natur (oder zumindest meine eigene Mutter = )) die Schuld an meiner offensichtlich missratenen Lippenform. Da ich diese Schönheits OP mit dem etwas beängstigenden Namen aber wie gesagt bis dato nicht kannte, habe ich gegoogelt:

„Ein Bullhorn Lift, auch bekannt als Oberlippenverkürzung, ist auf Patienten ausgerichtet, die mit der Länge ihres Oberlippenbereichs unzufrieden sind. Es ist eine sehr effektive und elegante Elevation (Erhebung) der Oberlippe, bei der das Lippenrot vergrößert und das Lippenvolumen aufgebaut wird.“

Klang für mich irgendwie eher nach Schlauchbootlippe Chiara Ohoven. Und ganz ehrlich: Ich habe viele Jobs, einen tollen Mann und noch tollere Kinder, die meine Lippen scheinbar ganz okay finden – von daher bin ich ganz entspannt und plane erst mal KEINEN Bullhorn Lift.

Aber das Thema ist natürlich ein Dauerbrenner. Jung, schön – und gesund. Gesund kommt häufig leider erst an dritter Stelle – ich finde, es müsste umgekehrt sein. Aber gerade, wenn es nicht nur um schönere Lippen, sondern um das Altern bzw. Nicht altern geht, hängt das ja auch zusammen.

 

Je älter Männer werden und je mehr Falten sich bilden, desto attraktiver und sexier finden dies viele Frauen. Das beste Beispiel dafür ist George Clooney
Charlotte Karlinder

Alt werden ist nichts für Feiglinge

Neulich habe ich mit einer neuen Maskenbildnerin gearbeitet. Als ich nach dem Schminken aufstand, um mich anzuziehen, guckte sie mir hinter und sagte, vermutlich weil sie nett sein wollte: „Also, dafür, dass Du Mutter bist, hast Du ja echt noch ‚ne gute Figur, finde ich.“ Mein limbisches System (der Teil unseres Gehirns, der unter anderem für die Emotionen zuständig ist) war kurz davor, über das vermeintliche Kompliment in freudiger Erregung auszubrechen – aber das vorangegangene „Dafür, dass du zwei Kinder hast“, relativierte das Kompliment schlagartig in Schutt und Asche.

Dazu passt im Übrigen die Geschichte einer Freundin, die erzählte, dass jemand kürzlich auf einer Geburtstagsparty zu ihr gesagt hätte: „Dafür, dass Du schon 50 bist, siehst du ja echt noch verdammt gut aus. Ich meine, wie soll man Aussagen wie diese denn nun interpretieren? Ist das nun ein Kompliment – oder am Ende vielleicht das Gegenteil? Das ist doch im Grunde so, als ob man Gäste zum Essen einlädt, die dann sagen: Also, Charlotte, dafür, dass du eigentlich gar nicht kochen kannst, schmeckt das Essen aber gut. Ja, also was denn jetzt? Schmeckt das Essen nun oder nicht?

Mit dem Altern, das ist aber auch wirklich keine einfache Sache. Nicht umsonst gibt es wohl das Sprichwort: „Alt werden ist nix für Feiglinge!“ Viele beschreiben ein Gefühl, des „sich auf dem „Abstellgleis“ befindens, weil sie vom anderen Geschlecht nicht mehr beachtet werden.

Mein ehemaliger Chefredakteur erzählte mir mal, er gehe in Hamburg zum Mittagessen immer in die Marsbar. „Das Essen ist top. Gut, die Ladies an den Tischen drum herum sind nicht mehr ganz so knusprig, aber was soll’s...“, scherzte er. Ach so. Nicht mehr so knusprig. Er ist im Übrigen auch nicht mehr knusprig, aber da haben es die Herren ja leider auch viel besser: Je älter sie werden und je mehr Falten sich bilden, desto attraktiver und sexier finden dies viele Frauen. Das beste Beispiel dafür ist George Clooney.

Evolutionstechnisch betrachtet hat das auch wie immer einen sinnvollen Grund: Um die Versorgung des Nachwuchses sicherzustellen, ist ein älterer Mann, der mit seinem Einkommen die Ernährung der Familie sicher stellen kann die sicherere Bank – und das Alter eines Mannes zeigt sich unter anderem eben in den Falten. Deshalb empfinden viele Frauen ältere Männer als attraktiver. Wie immer hat sich die Natur also etwas dabei gedacht.

 

In Schönheit altern. Wir wollen das Altern nicht verhindern, aber den Weg schöner machen. Mit ein paar leuchtenden Blumen am Wegesrand – dann läuft man doch auch viel lieber dort entlang.
Charlotte Karlinder

Anti Aging ist auch keine Lösung

Was hingegen gar keinen Sinn macht, ist das, was die Gesellschaft dann gegen das Altern erfunden hat: ANTI AGING, ungebrochen in aller Munde. Was Bescheuerteres habe ich noch nie gehört. Es geht im Grunde schon los mit dem Wort. Anti Aging – denn es bedeutet ja übersetzt: Gegen das Altern!

Natürlich ist das eine schöne Vorstellung, natürlich älter zu werden, weil das nun mal der Lauf der Dinge ist. Statements dieser Art hört man häufig, insbesondere von sehr jungen Frauen:  Ich will natürlich bleiben und würde NIEMALS so Dinge wie Botox ausprobieren. Ja, so lange der Busen steht wie eine 1 und die Pfirsichhaut leuchtet … klar! Es gibt im Übrigen eigentlich nur zwei Gruppen, die sagen können: Ich mache nichts! Die, die jung sind. Und die gute Gene haben. Glück gehabt, Heidi Klum, Michelle Hunziker & Co. Da ist der Koch einfach losgegangen auf den Markt: „Nur die besten Zutaten, bitte!“ Bei den anderen war’s es eher ne Portion Pommes-Schranke am Imbiss.

Im Grunde kann man das vergleichen mit einem Haus. Nehmen wir zu Beispiel mal einen schönen Neubau. Toll! Und weil das Haus ja neu ist, machen wir nichts dran. Wir genießen das Leben darin und freuen uns. Aber was, wenn es dann mal 40 Jahre alt ist? Da muss man ran – sonst sind ganz schnell als Mitbewohner ausgezogen. Und dann steht man da: Ohne Dach! Alleine!

Ganz ehrlich: Anti Aging beschreibt etwas, das NICHT zu schaffen ist. Es ist zum Scheitern verurteilt, von vorneherein. Das Wort, der Inhalt, das Ziel. Ich meine, wie soll das gehen? Wir können doch so viel dagegen sein wie wir wollen – es wird nicht funktionieren, das Altern aufzuhalten. Das beste Beispiel dafür ist doch Carmen Geißen. Gut wenn man so aussehen möchte – dann ab und Arzt und rein mit Botox & Co. Aber ich gehe davon aus, dass Sie und die meisten von uns das nicht wollen.

 

Mein Tipp: Beauty Aging

Die Frage, die sich dann aber sofort stellt, ist: Was ist die Alternative? Kapitulieren und uns den Falten ergeben? Eine Psychotherapie gegen die Faltenphobie? Nein!

Meine Meinung: Im Grunde wollen wir eine Art „ANTI-ANTI-AGING“. Deshalb habe ich überlegt, wie es eigentlich heißen müsste, nämlich: BEAUTY AGING.

Klingt das nicht wunderschön und viel erstrebenswerter als total verkrampft und mit Druck verhindern zu wollen, dass wir älter werden? Was ja wie gesagt auch ohnehin nicht möglich ist. Im Wort BEAUTY AGING steckt hingegen alles drin: In Schönheit altern. Wir wollen das Altern nicht verhindern, aber den Weg schöner machen. Mit ein paar leuchtenden Blumen am Wegesrand – dann läuft man doch auch viel lieber dort entlang.

Die Frage ist nämlich nicht, ob ich etwas tue oder nicht. Das machen wir ja schon, indem wir zum Beispiel Rouge auftragen, wenn wir uns blass fühlen. Stärken herausheben und Schwächen wegpolieren, das sollte die Aufgabenstellung sein, predige ich immer. Wer zum Beispiel ein heller Typ ist ist wie ich und deshalb unsichtbare Augenbrauen hat, kann diese doch ruhig betonen, damit das Gesicht mehr Ausdruck bekommt. Wir gehen ja auch zum Friseur und rasieren uns – anstatt rumzulaufen wie Reinhold Messner.

Fakt ist: Wir fühlen uns besser, wenn wir ins Spiegelbild schauen und denken: WOW! Denn diese Reaktion stimuliert beispielsweise die Produktion der wichtigen Glückshormone Endorphine, Dopamin und Noradrenalin. Dadurch entsteht dann wiederum ein positiver Kreislauf: Wenn wir besser aussehen, fühlen wir uns auch besser, das wiederum macht uns auf Dauer glücklich und GESUND!

 

Meine Top 3 für einen schönen Weg des Alterns

Daher für Euch für die kommende Woche zum Ausprobieren:

  • Morgens und abends ein Glas lauwarmes Wasser – für unsere Sinne und den perfekten Stoffwechsel
  • Normale Hautcreme gegen ein Aloe Vera-Gel tauschen – die beste Pflege der Welt
  • Kauft Euch eine bequeme „Wohlfühlhose“, die Ihr immer zu Hause anzieht, wenn Ihr frei habt oder in den Feierabend startet
  • Meditiert mit dem Timer der „Achtsamkeit-App“ ("Stille Meditation" wählen) jeden Abend wenn Ihr von der Arbeit kommt 10-15 Minuten
  • Probiert Intervallfasten aus – wirkt Wunder für Hüfte und Haut! (Hier mehr erfahren)

 

Habt ihr Fragen? Ihr erreicht mich jederzeit per Kontaktformular auf www.charlotte-karlinder.de

Eine fantastische Woche euch – und bis nächste Woche,

Charlotte Karlinder

 

©Reinhard Hunger

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