Kann Stress einen Nährstoffmangel verursachen?

Gesundheit & Ernährung

Wer kennt sie nicht, die einschlägige Werbung für das „Anti-Stress-Vitamin“ Vitamin B12? Ein gehetzter Alltag, das Wetter ist mies und an allen anderen Ecken und Enden läuft es auch nicht so rund. Die Lösung: einfach eine Dosis Anti-Stress-Vitamine. Doch mangelt es uns tatsächlich an Nährstoffen, wenn wir im Stress sind?

 

Was passiert bei Stress im Körper? 

Stress ist ein völlig natürliches Phänomen, das uns schon seit Anbeginn der Evolution begleitet. Wahrscheinlich kennt jeder die Geschichte vom Säbelzahntiger und dem Fluchtreflex, auch wenn Säbelzahntiger heute nicht mehr unser größtes Problem sind. Dennoch bietet unsere Umwelt noch genügend Möglichkeiten, durch die unser Alltag in Stress ausartet. 

In unserem Körper wird bei steigendem Stresslevel das Hormon Cortisol ausgeschüttet. Auch das ist zunächst nicht ungewöhnlich, sondern ganz natürlich. Cortisol bewirkt, dass unsere Muskeln und unser Nervensystem ausreichend mit Energie versorgt werden, so dass unsere Sinne maximal scharf und unsere Muskeln einsatzbereit sind. Auf ähnliche Weise wirkt auch das bekannte Stresshormon Adrenalin. 
 

Wer ständig unter Stress steht, hat weniger Zucker im Blut und erschöpft seine Körperreserven.
Dr. Malte Rubach

Cortisol und Adrenalin

Im Unterschied zu Adrenalin folgt Cortisol allerdings einer eigenen Tagesrhythmik. Sein Spiegel im Blut steigt unabhängig vom Stressfaktor am frühen Morgen an und sorgt für einen leichten Anstieg des Blutzuckerspiegels, damit wir mit Energie in den Tag starten. Bis zum Abend fällt der Cortisolspiegel wieder ab, da wir ja gewöhnlich wach sind und etwas essen können. Wäre da nicht der Stress, der den Cortisol-Spiegel immer mal wieder in die Höhe treibt – mit teilweise ernsthaften Folgen.

Die Energie unter Stress stammt aus unseren Körperreserven an Kohlenhydraten und dem vorhandenen Blutzucker. Wer ständig unter Stress steht, hat also zunächst einmal weniger Zucker im Blut und erschöpft seine Körperreserven. Der Körper steuert dagegen, indem er in der Entspannungsphase nach dem Stress dafür sorgt, dass die Reserven wieder aufgefüllt werden. 
 

Risiko Stressessen

Häufiger und intensiver Stress kann daher zu dem bekannten Stressessen führen. Dies kann dann zum Problem werden, wenn der Stressauslöser kein Säbelzahntiger ist, vor dem wir uns durch einen weltrekordverdächtigen Sprint in Sicherheit bringen und so immense Energiemengen verbrauchen. 

Realistischer ist, dass wir im Stau stehen oder am Schreibtisch sitzen, wo die Arbeit Stress auslöst. Das heißt also, dass wir Energiereserven auffüllen, die wir gar nicht effektiv verbraucht haben. Das Resultat können unnötige Kilos auf den Hüften sein.
 

Teste dich hier: Wie gestresst bin ich?

 

Bei Stress steigt die Stoffwechselleistung

Tatsächlich steigt unter Stress auch unsere Stoffwechselleistung an, um die Energiereserven in Aktivität umsetzen zu können. Insbesondere im Glukose- und Aminosäurestoffwechsel sind manche B-Vitamine maßgeblich an wichtigen Stoffwechselschritten beteiligt. 

Auch eine andere Art von Stress, der so genannte oxidative Stress, kann bei erhöhter Stoffwechselaktivität natürlicher Weise ansteigen. Die anti-oxidativen Schutzsysteme werden dann auch stärker beansprucht. Hier kommen auch die Vitamine C und E ins Spiel. Vitamin B12 ist für die Herstellung von Adrenalin notwendig und kann durch dauerhaften Stress vermehrt verbraucht werden. 

 

Stress kann auch Gewebe und Organe verändern

Gleichzeitig verändern sich durch Stress jedoch auch andere Körperfunktionen, wie zum Beispiel die Magensäurebildung. Ein zu saurer Magen kann die Aufnahme von Vitamin B12 wiederum stören, aber auch zu Schäden an der Magenschleimhaut führen. Stress kann also neben reinen Stoffwechselveränderungen auch durch Veränderungen an Geweben und Organen deutlich werden.

 

Solltest du einen sehr stressigen Alltag haben, ist ein Stück Obst oder ein paar Nüsse in der Tasche gut, um zur Not eine Portion Energie nachzuliefern.
Dr. Malte Rubach

Einem Nährstoffmangel vorbeugen 

Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist für jeden Menschen die beste Möglichkeit, einem Nährstoffmangel, egal welcher Ursache, vorzubeugen. Wie wir schon gesehen haben, ist insbesondere unser Energielevel in Form des Blutzuckers bei Stress messbar betroffen. Wer im Alltag nur unregelmäßig essen kann, der tut gut daran, seine Gewohnheiten zu verändern. Ein regelmäßiges Mahlzeitenmuster beugt auch bei Stress dem gefährlichen Stressessen vor. 

Ich empfehle dazu aus meinem Buch Das Geheimnis des gesunden Alterns die Methode des Mikrointervall-Fastens. Dabei stellst du dir einen Timer auf zwei bis drei Stunden, in denen du Esspausen machst. Nach jeder Pause kannst und solltest du etwas essen. Durch die Pausen gibst du deinem Körper ausreichend Zeit, die Nahrung zu verstoffwechseln. Solltest du einen sehr stressigen Alltag haben, ist ein Stück Obst oder ein paar Nüsse in der Tasche eine gute Lösung, um zur Not eine verträgliche Portion Energie nachzuliefern.
 

Bei dauerhaftem Stress kann eine ausreichende Aufnahme bestimmter Vitamine gestört oder die Verfügbarkeit durch eine allgemein unausgewogene Ernährungsweise eingeschränkt sein.
Dr. Malte Rubach

Mögliche Folgen von dauerhaftem Stress

Bei sehr hohen und dauerhaften Stressniveaus kann es zu einem chronisch erhöhten Cortisol-Spiegel im Blut kommen. Leider hat dies nachweislich eine Steigerung des Risikos für Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes und weitere Stoffwechselerkrankungen zur Folge.

Zu diesem Zeitpunkt kann auch die ausreichende Aufnahme bestimmter Vitamine gestört sein oder die Verfügbarkeit durch eine allgemein unausgewogene Ernährungsweise eingeschränkt sein. In diesem Fall kann ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, wenn ein Mangel durch eine Blutuntersuchung nachweisbar ist.

Solltest du dich vegetarisch oder vegan ernähren, liest du hier, welche Vitamine für dich besonders wichtig sind: Vegetarier und Veganer: Diese Vitamine sind wichtig

 

Die Lösung: Stressniveau senken

Allerdings kann die Ursache für den Stress weder durch eine Ernährungsweise noch durch Nahrungsergänzungsmittel beseitigt werden. Auch wenn manche Anbieter vorbeugende Wirkweisen ihrer Produkte oder Konzepte, zum Beispiel Säure-Base Ernährung gegen „stressbedingte Übersäuerung“, ausloben, so kann nur eine ganzheitliche Umstellung des Lebensstils effektiv dabei helfen, das Stressniveau zu senken.
 

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