Anusara Yoga: die 5 Prinzipien der Ausrichtung

Meditation & Achtsamkeit

Anusara Yoga zeichnet sich durch seine Liebe zur Präzision aus. Deshalb finden viele Yogis damit eine Praxis, die präzise ist und gleichzeitig das Herz öffnet. Anusara Yoga ist eine moderne Schule des Hatha Yoga und nahm seinen Anfang im Jahr 1997, als der amerikanische Yogalehrer John Friend Anusara Yoga gründete. »Anusara« bedeutet »mit Anmut fließen« oder »dem Herzen folgen«. An die Bedürfnisse der heutigen Menschen angepasst, kombiniert es die lebens- und körperbejahende Philosophie des Tantra mit den universellen Prinzipien der körperlichen idealen Ausrichtung.

Besonders geeignet ist Anusara Yoga für Anfänger. Jede Yogahaltung wird mit sehr viel Präzision angeleitet und durchgeführt. Diese genaue körperliche Ausrichtung, die auch in den Fortgeschrittenen-Stunden eine wichtige Rolle spielt, minimiert die Verletzungsgefahr. 

 

Alles ist in allem enthalten

Anusara Yoga beinhaltet auch die tantrische Philosophie, die sich in folgendem Satz zusammenfassen lässt: Alles ist in allem enthalten. Diese Einheit enthält auch Shiva und Shakti, Bewusstsein und Manifestation. Und eben diese Einheit ist nicht getrennt von unserem wahren Wesen. Nichts steht außerhalb des Einen. Nichts ist in seiner Essenz höher, göttlicher oder besser. Der Tantraphilosophie zufolge ist dieses Eine auch in jedem von uns vorhanden. 

Wenn du dich auf allen Ebenen auf die Yogapraxis einlässt, wirst du sowohl deine Licht- als auch deine Schattenseiten kennenlernen.
Nicole Konrad

Die 3 As des Anusara Yoga

Diese allem innewohnenden Kräfte des Absoluten zeichnen sich durch Willen, Wissen und Handeln aus. Diese Kräfte durchdringen unser Leben sowohl auf der Matte als auch im Alltag. Wenn du dich auf allen Ebenen auf die Yogapraxis einlässt, wirst du sowohl deine Licht- als auch deine Schattenseiten kennenlernen. Deine Anusara-Yoga-Praxis wird zum Spiegel deiner eigenen Persönlichkeit. 

Um dich nicht von der Yogapraxis abbringen zu lassen, braucht es der tantrischen Philosophie nach nicht viel. Nur drei Qualitäten, um genauer zu sein: Absicht, Wissen und Handlungsbereitschaft. Im Anusara Yoga werden sie als »die 3 As« bezeichnet. 

1. Überprüfe deine Absicht
Bist du bereit, an und mit dir zu arbeiten? Hast du den Mut, deinem Schatten und deinem Licht zu begegnen? Aber auch deinen Verletzungen, deinen Ängsten und Sorgen, ebenso wie deiner Stärke, deiner Fähigkeit zu Hingabe und Liebe? Wenn du diese Fragen mit Ja beantworten kannst, dann bist du hier genau richtig!

2. Öffne dich für das Wissen
Die Philosophie des Tantra kann dir das notwendige Wissen vermitteln, damit du deine Richtung nicht aus den Augen verlierst. Sie wird dich auch darin unterstützen, mit auftauchenden Widrigkeiten besser umgehen zu können. 

3. Festige deine Handlungsbereitschaft
Damit du auf deinem Weg weiterkommst, musst du praktizieren. Sonst trittst du auf der Stelle. Also: Ab auf die Matte!

 

Die 5 universellen Prinzipien der Ausrichtung

Neben den drei As geht es beim Anusara Yoga auch darum, eine präzise Körperhaltung einzunehmen. Diese bekommst du durch die fünf Prinzipien der Ausrichtung. Sie schenkt dir mehr körperliche Stabilität und vermeidet Verletzungen. Diese Prinzipien lassen sich auf jede Haltung anwenden, um deinen Körper optimal auszurichten. Durch ihre Pendelbewegung zwischen energetischer Expansion und Kontraktion spiegeln sie das allumfassende Pulsieren des Lebens wider. 


Das erste Prinzip: Finde deine Basis und öffne dich für das Größere

Die Körperteile, die das Fundament für die Haltung darstellen, sind gleichzeitig deine Basis. Bei Standhaltungen sind es die Füße, in Entspannungshaltungen die gesamte Körperrückseite. Das Fundament sollte immer leicht und stabil sein, weil es den ganzen Körper tragen muss.

Vergleichbar ist diese Basis mit dem Fundament eines Hauses: Der Untergrund und das Material sollten stimmen. 

Auf deine Yoga-Praxis bezogen, ist nicht die körperliche Ausrichtung gemeint. Du sollst dich auch selbst immer wieder fragen: Wie geht es mir jetzt gerade? Was brauche ich in diesem Moment, um in meine Mitte zu kommen? Mit solchen Gedanken hinterfragst du deine Motivation und legst gleichzeitig deine Absicht für die heutige Praxis fest. Der zweite Aspekt beinhaltet, dass du dich für etwas Größeres öffnest. Was genau du darunter verstehst, bleibt dir selbst überlassen. 

Eine gute Basis: die Ausrichtung der Füße 

Um deine Füße ideal auszurichten, stehen sie hüftgelenkbreit. Dabei ist wichtig, dass die zweite Zehe in einer Linie mit der Mitte der Ferse steht. Dadurch wird verhindert, dass sich die Füße nach innen oder außen drehen und es wird ermöglicht, dass das Gewicht des Rumpfes in den geraden Körperachsen auf die Füße verteilt und dadurch stabiler stehen kann.

Um dein Gewicht ideal auf dem Fuß zu verteilen, werden vier Hilfspunkte verwendet: Das Grundgelenk des großen Zehs, die innere und die äußere Fersenseite sowie das Grundgelenk des kleinen Zehs. Das Ziel ist, dass du dein Gewicht auf alle Punkte gleichermaßen verteilst. 

 

Anusara Yoga Ausrichtung der Füße

Das zweite Prinzip: muskuläre Energie

Die muskuläre Energie schafft die notwendige Kraft, Zentrierung und Festigkeit. Sie drückt die Qualitäten von Nach-innen-Ziehen, Zentrierung, Willensstärke und Handlung aus. Es geht um aktives Handeln. Gemeint ist auch die Frage, was du selbst dazu beitragen kannst, um das Beste aus dem jetzigen Moment sowohl auf deiner Yogamatte als auch in deinem Leben zu machen.

Richte dich auf allen Ebenen – Körper, Atem und Geist – auf deine Absicht aus. Nutze die Kraft, die dir gerade zur Verfügung steht, um dein Vorhaben umzusetzen. Nutze deine muskuläre Energie, um deine Muskeln zu aktivieren und deinen Körper zu stabilisieren.

Bei dieser Ausrichtung gibt es drei Bewegungsrichtungen:

  • von der Peripherie zur Mittelline und dann zum jeweiligen Fokus, der in der stehenden Position immer das Becken ist
  • von der Haut durch die Muskulatur zum Knochen
  • Arme und Beine ziehen isometrisch aufeinander zu

 

Frau zeigt Muskuläre Energie im Anusara Yoga

Das dritte Prinzip: innere, expandierende Spirale

Auf dem zweiten Prinzip baut sowohl zum Ausgleich als auch zur Verfeinerung der Bewegungen die innere, expandierende Spirale auf. Sie verbindet auf der anatomischen Ebene die Gliedmaßen perfekt mit dem Rumpf. Dadurch weitet sich der Körper über seine Rückseite, die für die Selbstbeobachtung und die Verbindung mit der Schöpferkraft steht. 

Bei dieser Ausrichtung

  • fühlen sich die Sitzbeinhöcker geweitet an, dadurch wird die natürliche Lordose (Krümmung) der Lendenwirbelsäule verstärkt
  • kippt der obere Bereich des Beckens nach vorne, während der untere Bereich nach hinten kippt
  • wird das Steißbein vom Schambein weggezogen
  • werden die Leisten weich

 

Das vierte Prinzip: äußere, kontrahierende Spirale

Die äußere Spirale bildet die natürliche Gegenbewegung zur inneren Spirale. Sie gleicht sie aus, ohne sie aufzuheben. So wird es dem Körper möglich, sich in einer neutralen Aufrichtung gut einzurichten, nachdem er in den großen Gelenken der Hüfte und der Schulter gut verankert wurde. 

Die äußere Spirale und die muskuläre Energie werden willentlich ausgerichtet, um eine verfeinerte Verbindung herzustellen. Während die innere Spirale das Anlehnen an die universelle Kraft symbolisiert, stehen hier die Zentrierung und die Aktivierung der eigenen Kraft im Vordergrund. 

Bei dieser Ausrichtung 

  • bewegen sich die Außenseiten der Hüften, Beine und Füße aufeinander zu 
  • ziehen sich die Hüftseiten in Richtung Mitte zusammen
  • verlängert sich das Kreuzbein nach unten und die Lordose wird verringert
  • wird der Beckenboden parallel zur Erde ausgerichtet

 

Ausrichtung des Beckens im Anusara Yoga

Das fünfte Prinzip: organische Energie

Hier werden Kraft, Weite und Expansion geschaffen, während die Bewegungsrichtung von innen nach außen erfolgt. Die Ausrichtung geschieht gleichmäßig in alle Richtungen. Obwohl muskuläre Energie (nach innen ziehend) und organische Energie (nach außen expandierend) gegensätzlich sind, bilden sie gemeinsam eine ausgeglichene Balance. 

Bei dieser Ausrichtung

  • expandierst du aus deiner Mitte entlang der Mittellinien des Körpers nach außen. Auf diese Weise erfährst du ein Gefühl von Weite und Raum
  • genießt du die Haltung, dein offenes Herz und dein So-Sein 

 

Die fünf Prinzipien der Ausrichtung des Anusara-Systems erscheinen auf den ersten Blick wie schwierige technische Informationen zu wirken. Wenn du aber regelmäßig Anusara praktizierst, wird es dir leichter fallen, dich auf die Ausrichtung deines Körpers und die Frage nach dem Sinn einzulassen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Anusara Yoga es dir auf einzigartige Weise ermöglicht, deinen Körper präzise auszurichten, dein Herz zu öffnen und so in einen wunderbaren Flow und Wohlgefühl zu kommen, in dem du dein So-Sein genießen kannst. 

Mache hier den Selbsttest: Welche Yoga-Art passt zu mir?

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