Susanne Seethaler: Was tun gegen die Verschwendung von Lebensmitteln?

Leben & Balance

Es ist ein Paradoxon: Auf der ganzen Welt leiden über eine Milliarde Menschen an Unterernährung, weil sie nicht genug zu essen haben. Auf der anderen Seite gibt es genügend Länder, in denen die Lebensmittel direkt vom Feld im Abfall landen und aus Großmärkten Lebensmittel in großem Stil entsorgt werden. Und selbst die meisten Endverbraucher gehen äußerst verschwenderisch mit ihren Nahrungsmitteln um. Das muss nicht sein. Mit gutem Willen sowie Achtsamkeit bei der Planung und beim Kochen kannst du dazu beitragen, dass wir in Europa nicht mehr länger jährlich 90 Millionen Tonnen gut erhaltene Lebensmittel wegwerfen. So geht’s:

 

Geh einkaufen, wenn du satt bist

Meistens gehen wir einkaufen, wenn uns der Magen bereits bis zu den Knien hängt. Und je größer der Hunger, desto voller wird der Einkaufswagen. Gehst du hingegen mit vollem Bauch einkaufen, so bist du längst nicht so anfällig für all die kleinen und großen Verlockungen, die in all den Geschäften und auf Märkten auf dich warten.

 

Checke deinen Kühlschrank

Bevor du zum Einkaufen startest, solltest du einen gründlichen Blick in deine Vorratsschränke werfen. Überleg dir sorgfältig, was genau du brauchst. Mach dir eine Liste und halte dich während des Einkaufs nach Möglichkeit auch genau daran. Ein solches Vorgehen schützt dich davor, dass du auf Sonderaktionen und Angebote hereinfällst und viel mehr einkaufst, als du konsumieren kannst.

 

In Europa landen jedes Jahr fast 90 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll.
Redaktion

Korb statt Einkaufswagen

Benutze nach Möglichkeit einen kleinen Korb für deinen Einkauf. Wenn du mit einem großen Einkaufswagen durch den Supermarkt läufst und etwas in den Wagen legst, entsteht schnell das Gefühl, dass noch irgendetwas fehlt oder du niemals satt wirst. Das Produkt sieht im Verhältnis zum großen Wagen meist winzig aus. Dieses Gefühl des (vermeintlichen) Mangels wird dann schnell mit ungeplanten Einkäufen kompensiert.

 

Denken statt blind kaufen

Sonderangebote klingen häufig verlockend. Aber brauchst du wirklich fünf Gläser Marmelade, statt dem einen, dass auf deiner Einkaufsliste steht? Was machst du mit einem Kilo Tomaten anstatt den geplanten 300 g? Viele Versprechen vermitteln uns das Gefühl, ein großes Schnäppchen zu machen. Aber später landet das halbe Sonderangebot auf dem Müll. Überleg dir also vorher genau, ob du als Single die Familienpackung auch wirklich aufbrauchst.

 

Weniger ist mehr

Weiter geht der bewusste Umgang mit den Lebensmitteln nach dem Einkauf und vor dem Kochen. Geh beim Kochen mit dem gleichen Plan vor wie beim Einkaufen. Überleg dir gut, wie viel du tatsächlich essen wirst. Oft sind die Augen größer als der Mund. Da es nicht immer leicht ist, die richtige Portionsgröße im Vorfeld einzuschätzen, kannst du dich an ein paar Richtwerten orientieren. Sie dienen selbstverständlich nur als Orientierung, können dir aber helfen, das richtige Maß zu finden.

Kartoffeln pro Person 150 Gramm

Fisch pro Person 200 Gramm

Gemüse pro Person 150 Gramm

Vollkornnudeln pro Person 130 Gramm

Reis pro Person 80 Gramm

 

Reste verwerten

Auch aus Übriggebliebenem lassen sich köstliche Mahlzeiten zaubern. Selbst dann, wenn es nicht mehr für eine ganze Mahlzeit reicht, kannst du sie am nächsten Tag noch mit zur Arbeit nehmen oder als kleine Portion einfrieren und zu einem späteren Zeitpunkt verwenden, wenn du mal keine Zeit zum Kochen hast.

 

Lebensmittel verschenken

Besonders häufig werden Lebensmittel vor dem geplanten Urlaub weggeworfen. Der Jogurt und die Milch sind angebrochen, das Stück Käse zu klein, um es der Nachbarin zu schenken. So kommt eins zum anderen, und noch ehe du dich’s versiehst, landen die kostbaren Lebensmittel im Müll. Zum Glück gibt es mittlerweile vielerorts Plattformen oder Organisationen, die dankbar sind, wenn ihnen Nahrungsmittel geschenkt werden und sie diese an Menschen verteilen können, die sich über etwas freuen, was ihnen den Hunger nimmt. Und vielleicht freut sich die Nachbarin ja auch über ein kleines Stück Käse.

 

So schonst du die Umwelt

All diese kleinen Tipps schonen übrigens also nicht nur dein Portemonnaie, sondern auch die Umwelt, da für all die kostbaren Lebensmittel Energie aufgewendet sowie Wasser und Böden verbraucht wurden. Tu dir und dem Planeten, auf dem du lebst, also etwas Gute! Hier noch ein paar Zahlen:

Ein Viertel des weltweiten Wasserverbrauchs wird für den Anbau von Lebensmitteln verwendet. Und von diesem landet viel auf dem Müll.

Pro Tag wird für jeden Erdbewohner Nahrung mit dem Energiegehalt von 4.600 Kilokalorien geerntet. Davon werden durchschnittlich nur ungefähr 2.000 Kilokalorien auch verzehrt.

In Europa landen jedes Jahr fast 90 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll.

Jeder EU-Bürger wirft pro Jahr durchschnittlich 179 Kilogramm Obst, Gemüse, Fleisch und andere Nahrungsmittel weg.

Einer Studie der Welternährungsorganisation zufolge werden in Europa sogar jährlich 280 Kilogramm Lebensmittel pro Einwohner weggeworfen, obwohl häufig noch nicht einmal das Haltbarkeitsdatum erreicht worden ist.

Einer Studie zufolge landen allein in Großbritannien täglich 7 Millionen Brotscheiben, 5,1 Millionen Kartoffeln und 1,3 Millionen ungeöffnete Joghurtbecher im Haushaltsmüll.

5 Prozent der Nahrungsmittelabfälle entstehen im Handel.

8 Prozent der unnötig weggeworfenen Lebensmittel sind Milchprodukte.

940 Euro sind unnötig weggeworfene Lebensmittel eines 4-Personen-Haushalts im Jahr wert.

1,9 Millionen Tonnen Lebensmittel gehen im Jahr bei Großverbrauchern wie Restaurants oder Kantinen verloren.

 

©Caroline Gros

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