Vertrauen gewinnen: Warum Verschwiegenheit wichtig ist

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Stelle dir Folgendes vor: Dein Telefon klingelt, eine Freundin ist dran, und noch bevor du selbst zu Wort kommst, legt sie los: „Ich muss dir unbedingt etwas erzählen. Du glaubst es nicht: Die Anne und der Bernd, die lassen sich scheiden. Nach zwanzig Jahren! Ich sage dir: Rosenkrieg vom Feinsten. Und die Anne, die hat schon seit zwei Jahren eine Affäre mit dem Nachbarn. Unfassbar! Ich wusste ja immer, dass das nicht gut gehen kann.“ Was dann folgt, können wir uns denken: Wer mit wem, wer ohne wen und wer überhaupt ...

Kennst du das? Menschen, die mit großer Freude über das Leben anderer tratschen? Die ungeniert über Dinge urteilen, die sie nichts angehen? Und die nicht davor zurückschrecken, persönliche Geschichten Dritter zu erzählen, um sich selbst interessanter zu machen? Oft meinen diese „Tratschtanten“ es gar nicht böse. Viele von ihnen wissen nicht einmal, dass sie sich damit selbst schaden.

 

Warum Tratsch uns schadet

Tratsch ist eine der größten Vertrauensfallen. Wenn wir jemandem begegnen, der hemmungslos über das Privatleben anderer klatscht, dann stellen wir uns schnell die Frage: Wie redet diese Person über uns, wenn wir nicht dabei sind? Was von dem, was wir ihr anvertraut haben, erzählt sie bei der nächsten Gelegenheit weiter? Spätestens wenn wir diese Gedanken haben, ist für uns eigentlich klar: In Gegenwart dieser Person erzählen wir nur so viel, wie wir auch freiwillig in die Zeitung setzen würden.

Das zeigt, warum Tratsch in unseren Beziehungen zum Problem werden kann. Und zwar auch dann, wenn die Person, über die wir tratschen, gar nicht anwesend ist. Denn wir beurteilen andere nicht nur danach, wie sie sich gegenüber uns, sondern auch, wie sie sich gegenüber anderen Menschen verhalten.

Wissenschaftler haben zudem herausgefunden: Wer schlecht über andere spricht, dem werden die negativen Verhaltensweisen, die derjenige bei anderen anmerkt, auch selbst zugeschrieben. Deshalb wirken Tratscher auf ihre Mitmenschen oft unsympathisch und wenig vertrauenswürdig. Mit anderen Worten: Wer schlecht hinter dem Rücken anderer redet, absichtlich Gerüchte in die Welt setzt oder sie weiterverbreitet, der schadet nicht nur seinen Beziehungen, sondern auch sich selbst.

Tratsch ist nur eines von zahlreichen Beispielen, das zeigt, wie viele von uns mit Beziehungen umgehen. Oft halten wir ein gutes Miteinander für selbstverständlich, pflegen es daher zu wenig und tappen ungewollt in so manches Beziehungs-Fettnäpfchen: Wir erzählen Geheimnisse weiter, sind blind für die Bedürfnisse anderer, schenken unseren Mitmenschen zu wenig Beachtung oder verhalten uns respektlos. Bleibt das eine Ausnahme, verzeihen wir einander schnell. Wird dieses Verhalten jedoch zur Regel, leidet das stabile Fundament der Beziehung: das gegenseitige Vertrauen.

 

Der Schlüssel für glückliche Beziehungen

Dabei ist es leicht, gute Beziehung zu führen. Solche, in denen wir uns sicher und geborgen fühlen, einander respektieren und unterstützen. Beziehungen, in denen wir glücklich sind. Wie das gehen kann, das zeigen zahlreiche Beispiele aus Ländern, in denen Menschen einander viel Vertrauen schenken – statistisch
gesehen. Länder wie Vietnam, Kanada, die USA, Schweden, die Schweiz, Dänemark, Norwegen und die Niederlande gehen mit gutem Beispiel voran. Die Bewohner dieser Nationen leben vor, wie auch wir die Basis für erfüllte Beziehungen und ein gutes Miteinander schaffen können. Ihre Geschichten können uns Mut machen und inspirieren, denn sie zeigen: Glückliche Beziehungen zu führen ist leicht, wenn wir wissen, worauf es ankommt. Der Schlüssel dazu ist Vertrauen.

Der Schlüssel für glückliche Beziehungen ist Vertauen.
Eva Schulte-Austum

Vertrauen kann jeder

Auf meinen Reisen durch diese Länder der Welt, die zahlreichen Gespräche mit Wissenschaftlern und Experten, und aus den Erkenntnissen der aktuellen Forschung habe ich neun einfache Rezepte entwickelt, die Beziehungen für jeden von uns gelingen lassen. Bewährte Rezepte, die anderenorts dazu beitragen, dass Menschen sich miteinander verbunden fühlen, sich als Teil einer großen Gemeinschaft erleben und einander vertrauen.

Warum das wichtig ist: „Vertrauen allein macht zwar nicht glücklich. Aber ohne Vertrauen ist glücklich sein verdammt schwer.“

Diese neun Rezepte geben uns Orientierung und helfen, auch in schwierigen Situationen souverän zu reagieren, statt Vertrauen zu riskieren. Wusstest du etwa, dass selbst Fehler dazu beitragen können, deine Beziehungen zu stärken, wenn du richtig mit ihnen umgehst?

Kommen wir auf das Eingangsbeispiel zurück. Wenn Tratsch unsere Beziehungen belastet, was können wir stattdessen tun? Wie gelingt es uns, in solchen Situationen angemessen zu reagieren, um die Beziehungen zu führen, die wir uns wirklich wünschen?

Indem wir verschwiegen sind. Behalten wir Vertrauliches für uns, ohne dass man uns extra darum bitten muss, nehmen wir Rücksicht auf die Privatsphäre anderer und beweisen Taktgefühl, sind andere eher bereit uns zu vertrauen.

 

3 Tipps für mehr Verschwiegenheit

Wie aber kannst du anderen zeigen, dass du verschwiegen bist – und sie dir wirklich vertrauen können? Diese drei Tipps zeigen dir, wie es geht.

1. Sei diskret.
Behandle vertraulich, was dir jemand anvertraut hat. Unabhängig davon, ob die Person anwesend ist oder nicht. Menschen vertrauen dir, wenn sie wissen, dass ihre Geheimnisse bei dir gut aufgehoben sind.

2. Frage nach.
Du bist dir nicht sicher, ob du etwas weitererzählen darfst? Dann schaffe Klarheit. Frage bei der Person nach, ob es für sie in Ordnung ist, dass du ihre Geschichte teilst. So zeigst du dich empathisch, verrätst nicht ungewollt zu viel – und wirkst direkt vertrauenswürdiger.

3. Sei respektvoll.
Sprich nicht schlecht über andere – und tratsche nicht. Sei zurückhaltend mit dem Erzählen von Geschichten, die nicht deine eigene sind. Respektierst du die Privatsphäre anderer, wirkst du direkt sympathischer und andere schenken dir gerne Vertrauen.

 

Übrigens: In meinem Buch „Vertrauen kann jeder“ erfährst du, welche Halbwahrheiten dich daran hindern, glückliche Beziehung zu führen, wie du Vertrauensfallen erkennst, und mit welchen einfachen Rezepten es dir wirklich gelingen kann, die Beziehung zu führen, die du dir wünscht. Zu Freunden, Kollegen, Kindern - und sogar Menschen, die du noch gar nicht kennst.

©Dieter Duevelmeyer

 

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