Tara Stiles: Ein Atemexeperiment

Meditation & Achtsamkeit
Tara Stiles Atemexperiment

Ein einfacher Atemzug

Atmen. Wir tun es planlos, ohne jede Anstrengung, ohne darüber nachzudenken. Es ist unsere am meisten unterschätzte, am wenigsten genutzte, natürlichste, nachhaltigste und regenerativste Ressource. Wenn wir es vertiefen, schenkt es uns Energie, stärkt uns und gibt unserem Körper Auftrieb. Wenn wir uns damit anfüllen, werden wir innerlich ruhiger und klarer. Wenn wir ihm Beachtung schenken, gleiten wir in einen wunderbaren Zustand der Sicherheit, Dankbarkeit und des vertrauten Daseins mit ihm. Und wenn wir regelmäßig üben, ihm Beachtung zu schenken, stärken wir unsere Fähigkeit, uns zu regulieren, wieder instand zu setzen, zu regenerieren und zu gesunden.

 

Der Atem sensibilisiert uns dafür, wie wir uns fühlen.
Tara Stiles

Ein Atemexperiment

Lass uns spaßeshalber ein Experiment machen, um zu sehen, wie wir auf ganz einfache Weise unsere Erfahrung mit dem Atem vertiefen können. Bleib einfach da, wo du gerade bist. Ob du stehst, sitzt oder liegst, ist egal. Heb den rechten Arm. Lass den rechten Arm sinken. Heb den linken Arm. Lass den linken Arm sinken. Heb beide Arme. Lass beide Arme sinken.

Okay, das war jetzt nicht besonders kompliziert, ich weiß. Für die meisten von uns ist das eine ganz leichte Übung, die weder viel Kraft noch Anstrengung kostet. Wahrscheinlich können wir die Arme heben, ohne uns großartig konzentrieren zu müssen. Es ist eine einfache Bewegung.

Lass es uns aber jetzt noch einmal zusammen mit dem Atem versuchen. Nimm dir einen Augenblick Zeit und schließ die Augen. Geh mit der Aufmerksamkeit ein Stückchen weiter nach innen. Atme tief ein, bis du ganz angefüllt bist. Atme lange und tief aus und entspann dich dabei. Lass mit dem nächsten Einatmen den rechten Arm nach oben gleiten. Lass den Atem gehen und den Arm dabei sinken. Lass mit dem nächsten Einatmen den linken Arm nach oben gleiten. Atem gehen und Arm sinken lassen. Atme ganz tief ein und hebe nun beide Arme. Lass mit dem Ausatmen die Arme zu den Seiten sinken.

Wie war das? Wahrscheinlich vom Gefühl her ein bisschen angenehmer, großzügiger und anmutiger, oder?

 

Das Kernelement der Leichtigkeit

Der Atem sensibilisiert uns dafür, wie wir uns fühlen. Das setzt die Entspannungsreaktion in Gang, die wiederum für uns arbeitet und alle Ungleichgewichte wirksam und natürlich heilt. Der Atem kann Körper und Geist leichter machen, zum Loslassen oder in Bewegung bringen und mit Energie versorgen für alles, was wir angehen möchten. Zugleich nimmt er uns jeden Druck, so dass wir den Prozess genießen können. Es macht Spaß, sich in Übereinstimmung mit dem Atem zu bewegen. Wenn wir es tun, ohne ihn zu beachten, können wir wahrscheinlich immer noch die meisten Aufgaben erfüllen, doch fallen sie uns dann schwerer als nötig und machen viel weniger Spaß. Oft halten wir unseren ja immer gegenwärtigen Atem für selbstverständlich und ignorieren ihn. Schenken wir ihm jedoch unsere Aufmerksamkeit, dann können wir ihn nutzen, um mit Leichtigkeit viel mehr zu erreichen. Und zugleich bleibt Raum für geistige Klarheit, Kreativität und Erfrischung.

Ziel der bewussten Atmung ist die Unterstützung sowohl von Bewegung wie von Raum für Ruhe. Und wenn wir uns das erlauben, geschieht etwas Großartiges. Die Sorgen verschwinden, die Bewegungen werden fließend und wir können in einen meditativen Zustand eintreten. Wenn wir beim Bewegen körperlich und geistig Leichtigkeit verspüren, wird die Bewegung zu bewegter Meditation. 

 

Deine Körper-Atem-Verbindung im Yoga

Hier sind ein paar Sätze, mit denen du die Körper-Atem-Verbindung visualisieren kannst:

  • Jedes Einatmen öffnet eine Tür. Jedes Ausatmen führt dich hindurch.
  • Jedes Einatmen schafft Raum. Jedes Ausatmen bewegt dich in den Raum hinein.
  • Jedes Einatmen stärkt. Jedes Ausatmen entspannt.
  • Jedes Einatmen füllt dich auf. Jedes Ausatmen zentriert.
  • Das Einatmen hebt und verrichtet die Arbeit für dich. Mit dem Ausatmen kannst du direkt loslassen.

Wenn du in deiner Yogapraxis die Körper-Atem-Verbindung anwendest, macht dir die Bewegung Spaß, sie wird leicht und rund. Atem und Körper bewegen sich zusammen und bilden einen Rhythmus wie die Wellen im Meer, die heranrollen und sich wieder zurückziehen. Du lässt dich, während du dich bewegst, aufrichten und einsinken. Du gleitest in die Aufrichtung und wieder nach unten in die Zentrierung. Du machst den Anfang, und der Atem liefert dir die Kraft für die Bewegung.

 

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