Jörg Meier: Waldbaden - Der Weg der 7 Bäume

Meditation & Achtsamkeit
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Was ist Waldbaden eigentlich?

Waldbaden – das ist der Ganzkörper-Smoothie für zwischendurch oder auch für einen längeren Aufenthalt in der Natur. Waldluft ist Medizin zum Einatmen. Das haben zahlreiche wissenschaftliche Studien - vor allem aus Japan - eindrucksvoll gezeigt. Stärkung der Immunabwehr, Abbau von Stresshormonen, Beruhigung der Herzfrequenz, Senkung von Blutdruck und Pulsschlages: Das ist nur kleiner Ausschnitt aus dem Wirkungsspektrum des natürlichen Sanatoriums Wald. Vor allem aber beruhigt das bewusste Eintauchen in die Waldatmosphäre, das Waldbaden, unseren Geist. Gehirn und Nervensystem schalten in den Entspannungsmodus.

Die spannende Frage: Wie geht das eigentlich, Waldbaden? Die japanische Gesellschaft für Waldtherapie ist da ganz entspannt: Heilung zwischen Bäumen geschieht nur, wenn wir nichts tun!  So einfach ist das. Einfach? Wenn es schön warm ist, ja klar. Nimm einfach eine Hängematte oder eine Decke mit in den Wald. Leg dich hin, schau in die Baumkronen. Eine für viele Menschen neue Perspektive, die mitunter auch eine neue Sichtweise auf die Dinge eröffnet. Einfach da sein. Nichts müssen. Das Leben als solches wahrnehmen, schätzen und genießen …

Zugegeben, bei eher kühlen Temperaturen in Herbst und Winter ist es sicher nicht das probate Mittel der Wahl, stundenlang im Wald auf der Hängematte zu liegen oder auf einem Baumstumpf ausgiebig zu meditieren.  Daher hier erst einmal eine kleine Aufwärmübung, bevor ich das Geheimnis meiner 7 Bäume für Glück und Gesundheit lüfte.

 

Die Rückkehr des Frühlings 

Such dir einen Platz im Wald, an dem sicher und fest stehen kannst. Dann starte aus den unteren Oberschenkeln leichte Stoßbewegungen, die aus den Beinen heraus Oberkörper und Kopf erreichen. Lass alle Anspannungen in den Armen, in den Schultern, im Nacken los. Stelle dir eine Marionette vor, deren Fäden ganz locker, nicht gespannt sind. Schüttele dich, der Impuls kommt aus den Beinen, der Rumpf ist ganz entspannt. Du kannst die Intensität und Frequenz der Stoßbewegungen nun erhöhen. Oberkörper und Hüfte sind locker. Spüre, wie dein Atem fließt. Du kannst den Atem an die Bewegung anpassen. Schüttele dich weiter. Ist etwas verspannt? Tut etwas weh? Ist etwas blockiert? Du kannst die Bewegung und deinen Atem jetzt genau dorthin leiten, wo die Energie nun am Dringendsten benötigt wird. Schüttele auch negative Gedanken ab, lass diese in den Waldboden fließen.

Meist brauchen wir einen Motivationsschub, um uns auf den Weg – in diesem Fall in den Wald – zu machen. Mein Tipp: Such dir Verbündete! Bäume. Lass dich bei einem Waldspaziergang einfach treiben und suche dir Bäume, die dich „anmachen“. Die du schön findest, eindrucksvoll. Ja, die etwas in dir auslösen. Lass dir Zeit dabei, vertraue einfach deiner Intuition.

Wenn du im Wald Deines Vertrauens ein solch beeindruckendes Gewächs gefunden hast, mache ihn zu deinem „Baum der Motivation“. Hier kann dein regelmäßiger Waldbaden-Rundgang starten. Hier kannst du Kraft tanken, Sorgen abgeben. Stress auf der Arbeit, Ärger in der Familie? Geh zu deinem Baum der Motivation, lehn dich an seinen starken Stamm an. Schließe die Augen, spüre deinen Atem. Nehme die Energie des Baumes, des ganzen Waldes, mit all deinen Sinnen auf. Der Baum der Motivation gibt dir Kraft, um die alltäglichen Anforderungen des Lebens zu meistern… Trau dich einfach, diesem starken Geschöpf deine Sorgen anzutrauen! Der Wald ist ein verschwiegener Ort. Der Kummer bleibt dort, gestärkt kommst du zurück.

Dein Pfad aus 7 Bäumen

Mein Shinrin-Yoku-Pfad besteht aus 7 Bäumen, denen jeweils ein Thema zugeordnet ist. Am „Körperbaum“ machen wir Übungen zum Beispiel gegen Rückschmerzen oder andere Zivilisationskrankheiten. Der „Baum der mentalen Stärke“ stellt bewährte Coaching-Tools in den Kontext Wald. „Der Familienbaum“ ist der Ort, an dem wir uns Familienmuster und Prägungen anschauen. Übrigens: Dein inneres Kind dürfte Wald lieben. „Der Wunschbaum“ soll Träume wahr werden lassen. In Japan sind Wunschrituale -auch unter gestandenen Geschäftsleuten- etwas völlig Normales. Dabei werden kleine Holzplättchen an Bäume gehängt. Einfach mal ausprobieren.    

Shinrin Yoku, das japanische Vorbild für das Baden im Wald, ist die Kunst, uns mit all unseren Sinnen mit der Natur zu verbinden. Atmen, Sehen, Riechen, Tasten, Hören: Wenn wir im Wald all unsere Sinne spüren, kommen wir schnell ein Stück weit zur Besinnung. Am „Baum der Erkenntnis“ widmen wir uns daher der Sinnfrage. Um Sinnlichkeit geht es hingegen am „Liebesbaum“…

Sich mit diesen 7 Bäumen einen eigenen Heilpfad zu konstruieren, hat eine ungeheuer motivierende Wirkung. Habe ich an diesen zauberhaften Plätzen bewegende Momente erlebt, komme ich immer wieder gern dorthin zurück. Der Wald wird so – im Wechselspiel der Jahreszeiten – zu einem ganz persönlichen Kraftort.

Ein Seminarteilnehmer hatte in meinem Wald ein solch tiefes Erlebnis, das etwas bewegt hat. Am “Familienbaum“ konnte er („endlich“) Frieden mit seiner Herkunftsfamilie schließen. Zwei Wochen nach dem Waldbaden-Workshop fragte er per Email, ob er den „Familienbaum“ noch einmal besuchen dürfte. Natürlich, Bäume halten das aus. Seitdem geht er regelmäßig dorthin, um sich upzudaten.     

 

©Max Gall  

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