Anna Trökes: Yoga der Verbundenheit - Die Rolle des inneren Beobachters

Meditation & Achtsamkeit
Anna Trökes: Die Rolle des inneren Beobachters

Was ist der innere Beobachter?

Um uns selber auf die Spur zu kommen, brauchen wir eine Instanz in uns, die uns bei all dem zuschaut, was wir fühlen, denken und als Reaktion darauf ins Handeln umsetzen. Diese innere Instanz wird im Yoga „Beobachter“, „Zeuge“ oder „Seher“ genannt. Das Besondere an ihr ist, dass sie in der Lage ist, sich möglichst vollkommen jeder Kommentierung, Wertung oder gar Beurteilung des Wahrgenommenen zu enthalten.

Der innere Beobachter will uns helfen, die Dinge und die Menschen so zu sehen, wie sie sind, und nicht nur so, wie wir meinen, dass sie sind (oder sein sollten) – das gilt vor allem auch für den Blick auf uns selbst.

Der innere Beobachter hilft uns zu erkennen, dass unsere Sichtweisen, Denkweisen, Meinungen und Konzepte unweigerlich immer subjektiv sind, da es sich dabei auf der Ebene des Ich-Bewusstseins immer um eine gemäß meiner Prägungen konzeptualisierte Objekt-Beziehung handelt. Dadurch wird es beispielsweise möglich zu erkennen, dass es sich dann, wenn ich wieder einmal mit anderen über die Richtigkeit meiner Ansicht diskutiere, bei meiner Meinung lediglich um eine Ansicht handelt; und dieser Ansicht steht nun eine andere gegenüber, die subjektiv natürlich genauso berechtigt ist. Wenn ich erkennen und verstehen lerne, wie ich selber immer wieder die Erfahrung meiner selbst und der Welt gemäß meinen Konzepten rekonstruiere, dann muss ich davon ausgehen, dass mein Gegenüber genau diesen Prozess auch vollzieht, und zwar gemäß den Prägungen die seine Konzepte hervorbringen. Daraus kann sich Einfühlungsvermögen, Verständnis und Akzeptanz entwickeln, die mir die Erfahrung einer friedvollen und verständnisvollen (gewaltfreien) Kommunikation ermöglichen wird.

Der innere Beobachter hilft uns auch, unsere äußeren und vor allem unsere inneren Verhaltensmuster, Konditionierungen und (Denk-)Gewohnheiten wahrzunehmen und zu reflektieren, was sie bewirken. Wenn wir diese Instanz in uns zu etablieren vermögen, dann werden wir allmählich bewusster in allem, was wir denken, sagen und tun bzw. in dem, was wir nicht tun, also unterlassen oder vermeiden.

Die Funktion des Beobachters ist es jedoch nicht, uns zu kontrollieren, sondern er möchte uns vielmehr helfen zu erkennen, was in unserem Leben gut läuft und was schief geht – und warum es sich so verhält. Er ermöglicht uns, zunehmend Bewusstheit darüber zu erlangen, wo in unserem Leben wir uns gerade befinden und worauf wir hinsteuern.

 

Der innere Beobachter und Yoga

Die Körperpraxis des Yoga hilft uns, dass die Erkenntnisse dieser inneren Instanz nicht nur rein kognitiv sind. Wenn wir Yoga üben und dabei genau und differenziert in uns hineinzuspüren, dann können wir lernen, mit dem Gedächtnis und der Intelligenz des Körpers in Kontakt zu kommen. Alles, was wir je erfahren haben und was für uns bedeutungsvoll war und ist, hat unser Körper (griech. soma) nämlich in seinen Zellgedächtnis-Speichern abgelegt, den somatischen Markern. Sie zeigen sich als Signale (Marker), über die sich unser emotionales Erfahrungsgedächtnis zu äußern vermag, und steuern dadurch auf einer in der Regel unbewussten Ebene unser gesamtes Vermeidungs- und Annäherungsverhalten. Damit fällen die somatischen Marker wichtige Vorentscheidungen, die unserem vermeintlich so verstandesmäßigen Handeln zugrunde liegen.

Fast alle unsere Körperempfindungen sind Ausdruck unserer in den Zellen abgelegten Erfahrungen, die auf das Engste mit angenehmen oder unangenehmen Gefühlen verbunden sind (neutrale Erfahrungen sind für uns in der Regel bedeutungslos und fallen damit nicht ins Gewicht). Oft reichen schon kleinste und unterschwellige Reize wie ein Blick, ein (Reiz-)Wort, eine Veränderung in der Körperhaltung oder im Tonfall unseres Gegenübers, um unsere Befindlichkeit nachhaltig zu beeinflussen. Wenn wir lernen, diese Körperbotschaften bewusst zu empfangen und achtsam zu dekodieren, können wir die Stimmigkeit oder Unstimmigkeit erkennen in all dem, was wir erfahren, fühlen, denken und in Handlungen umsetzen.

Viele Menschen begegnen dem Konzept des inneren Beobachters zunächst einmal mit Misstrauen, da sie fürchten, dass sie fortan alles in ihrem Leben nur noch aus der Distanz wahrnehmen würden und sie damit ihre Spontaneität und Emotionalität einbüßen könnten. Diese Furcht ist jedoch unbegründet, da es in der Regel viele Jahre braucht, bis der Beobachter wirklich zu einem Teil von uns geworden ist. Bevor der Geist wirklich geschult ist, sind wir so spontan und emotional wie immer, da solche Reaktionen durch Gewohnheit in unglaublicher Schnelle ablaufen. Im Laufe der Zeit bekommen wir jedoch auch immer schneller mit, dass wir gerade wieder in solch ein gewohntes und tief in unserem Nervensystem eingefrästes Reiz-Reaktions-Muster verfallen sind, und können dann gegebenenfalls gegensteuern oder es abpuffern. Damit werden wir wieder aktiv, werden Teilhabende an der Dynamik des Lebens, das sich auch jenseits der üblichen Reiz-Reaktions-Fallen entfaltet.

 

Das wesentliche Werkzeug, um die Instanz des inneren Beobachters in uns zu etablieren und zunehmend zu stärken, ist die Entfaltung von Achtsamkeit.
Anna Trökes

Den inneren Beobachter etablieren und stärken 

Das wesentliche Werkzeug, um die Instanz des inneren Beobachters in uns zu etablieren und zunehmend zu stärken, ist die Entfaltung von Achtsamkeit.

Achtsamkeit bedeutet eine bewusste und nicht wertende Wahrnehmung dessen, was gerade jetzt geschieht, also was wir gerade jetzt machen und was wir dabei denken und fühlen.

Damit weicht achtsames Wahrnehmen in zwei bedeutsamen Punkten von unserer alltäglichen Wahrnehmung ab:

  • Zum einen im Grad der Bewusstheit und damit in der Kontrolle über unsere Aufmerksamkeit. Achtsam sein heißt also, unsere Aufmerksamkeit auf jedes äußere oder innere Phänomen richten zu können und in der Lage zu sein, solange wir wollen in dieser Aufmerksamkeit zu verweilen.
  • Zum anderen im Nicht-Werten, was bedeutet, bewusst Abstand zu halten zu dem, was uns unser Gehirn aufgrund seiner Prägungen als reaktive Festlegung – also als Bewertung – anbietet. Achtsam sein heißt in diesem Kontext, einfach nur wahrzunehmen, was ist.

„Es ist, wie es ist.“ Erst einmal nur das – und nicht mehr.

Für beide Funktionen der Achtsamkeit müssen wir die Netzwerke unseres Gehirns schulen, die in der Lage sind zu merken, wenn unsere Aufmerksamkeit abweicht. 

 

Die Nabe des Bewusstseins

Um zu verhindern, dass wir immer wieder unbewusst in unsere Wahrnehmungs- und Bewertungsmuster zurückfallen, ist es außerordentlich hilfreich, wenn wir der Instanz des Beobachters in uns einen festen Platz zuweisen, entweder in unserem Körper oder in einem konzeptionellen Bild. Ein solches überaus hilfreiches Bild hat der Psychiater Daniel Siegel entwickelt.

Siegel zeigt in seinem Modell das Bild eines Rades, dessen acht Speichen durch die uns vertrauten fünf Sinne – Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken – gebildet werden, ergänzt durch drei weitere wichtige Sinne, die uns aus dem Yoga durchaus (sehr) bekannt sind:

  • Den Sinn der Eigenwahrnehmung und Körpererfahrung, die Propriozeption,
  • Den Sinn, der es uns erlaubt, die Aktivität und die Bewegungen und Tendenzen unseres Geistes zu erfahren; Siegel nennt diesen Sinn „Mindsight“,
  • Den Sinn, der es uns ermöglicht zu erkennen, wie das, was wir erfahren, Beziehung erschafft, mit einander in Beziehung steht und die bereits bestehenden Beziehungen modifiziert. Man könnte ihn den Sinn unseres sozialen Gewahrseins oder auch unseren Resonanzsinn nennen.

Das achtsame Bewusstsein bzw. unser Beobachter soll sich nun, diesem Modell folgend, in der Mitte dieses Rades, inmitten der Speichen der acht Sinne, niederlassen – in der Nabe. Sie ist ein Bereich, der per definitionem immer in vollkommener Ruhe und Bewegungslosigkeit verharrt. Wenn es uns gelingt, mit unserer Wahrnehmung in dieser Nabe des Bewusstseins zu ruhen, dann erleben wir das Getriebe der Welt unserer Sinneseindrücke von einem vollkommen anderen Standpunkt aus. Vom Standpunkt dieses ruhigen und zentrierten Ortes aus kann unser Bewusstsein in aller Ruhe und Klarheit entscheiden, ob – und wenn ja, wie weit – wir uns jeweils über eine der Speichen der Wahrnehmung mit dem verbinden wollen, was das Leben uns aktuell anbietet. Als Beobachter, Zeuge und Seher in der Nabe des Bewusstseins ruhend erleben wir, wie alles um uns herum entsteht, besteht und vergeht, während wir selber still und unbeteiligt in uns verweilen. Wenn unser Bewusstsein dort verankert ist, darf alles geschehen, was geschehen will, und alles auf der Bühne unserer Wahrnehmung treten, was dort auftreten will – das Angenehme wie das Unangenehme.

Indem wir üben, unsere Wahrnehmung in der Nabe des Bewusstseins ruhen zu lassen, wird sich unser Gehirn verändern. Es wird in sich Netzwerke etablieren, die in der Lage sind, Gefühle von Stress und Angst zu schwächen, unangenehme Gefühle zu deeskalieren und Aggressionen zu hemmen. Die Arbeit mit dem Konzept und dem Bild eines solchen ruhigen und verlässlichen Ruhepols für unseren Geist kann uns daher helfen, zunehmend Ruhe und Gelassenheit zu entwickeln.

 

Die Gedanken Gedanken sein lassen

Wenn wir in Momenten der Ruhe in uns gehen oder uns in die Meditation zurückziehen, wird uns oft erst einmal richtig bewusst, wie unruhig unser Geist normalerweise ist. Nicht umsonst wird der Geist im Yoga auch gerne „Monkeymind – Affengeist“ genannt, denn oft genug scheinen unsere Gedanken wie eine Herde wild gewordener Affen durch unseren Kopf zu hüpfen. Und selbst dann, wenn es gerade mal nicht so wild zugeht, werden wir immer wieder beobachten können, dass unsere Gedanken ein bemerkenswertes Eigenleben führen; Gedanken „gehen uns durch den Kopf“, sie „beschäftigen uns“ und „machen uns froh / glücklich / traurig / wütend“.

Der Sprachgebrauch macht es deutlich: ich selber als der geistige Raum (im Yoga Chitta genannt), in dem sich das alles abspielt, bleibe dabei vollkommen passiv. Unsere Sprache zeigt auf, dass unsere Gedanken uns beschäftigen und manipulieren – kurz: wenn wir nicht unter unsere Kontrolle bringen, dann machen sie mit uns, was sie wollen.

Wenn wir lernen, diesen Vorgang bewusst und achtsam wahrzunehmen, dann ändern sich allmählich die Machtverhältnisse, denn nun beschäftigen wir uns mit unseren Gedanken, wenn wir entschieden haben, dass gerade jetzt dafür der geeignete Zeitpunkt ist.

Noch etwas anderes wird deutlich, wenn wir unsere Gedanken beobachten: Gerade in der Meditation erleben wir immer wieder Gedanken, die so zusammenhanglos auftauchen – und häufig so unfassbar banal sind –, dass wir uns unwillkürlich die Frage stellen, wo sie wohl herrühren mögen. Wenn wir ihnen freien Lauf lassen, werden wir merken, dass unser Geist unruhig und zerstreut wird. Wenn wir lernen, sie zu beobachten, dann können wir feststellen, dass es sich bei solchen Gedanken einfach nur darum handelt, dass unser Gehirn „hirnt“. Es produziert einfach so Gedanken bzw. manchmal wirklich nur einfach so und manchmal aber auch, weil unser Gehirn in Phasen der Ruhe, in denen es nicht immer weiter Sinnesreize aus der Außenwelt ausgesetzt ist, beginnt, alles das, was es vorher bewusst oder unbewusst aufgenommen hat, zu verarbeiten. Das Gehirn räumt sich selbst auf und dabei denkt es frei und assoziativ vor sich hin. Deshalb haben die Gedanken, die dabei entstehen, auch oft mit unserem aktuellen bewussten Erleben so wenig zu tun. Eine Konsequenz dieser Erkenntnis kann sein, dass wir merken, dass wir nicht immer alles glauben müssen, was wir denken – und es auch nicht immer so persönlich nehmen müssen. Seit jeher sagen uns die Yoga-Meister: „Du bist nicht alles, was du denkst!“ und laden uns ein, auch einfach mal entspannt zuzuschauen, wenn unser Gehirn gerade wieder einmal vor Begeisterung das tut, was es nun einmal am allerbesten kann: denken – oder besser ausgedrückt – hirnen!

 

Die Wahrnehmung unseres inneren Resonanzraums 

Neben all diesem gewissermaßen aus sich selbst dahinströmenden mentalen Geschehen gibt es noch eine andere Ebene des Denkens in uns, die keineswegs unverbindlich und folgenlos bleibt, und zwar in Form unserer Meinungen.

Bei Meinungen handelt es sich um Gedanken, die sich zu einer festen Form kristallisiert haben, sodass wir unsere Ansichten, und schließlich auch unser Handeln, auf ihnen zu gründen vermögen. Interessanterweise sind die meisten Ansichten und Meinungen, die wir teilweise sogar vehement vertreten, gar nicht auf unserem eigenen Mist gewachsen, sondern sind uns von unseren Eltern, anderen für uns bedeutungsvollen Menschen und sogar von der Gesellschaft, in der wir leben, mitgegeben worden. Sie sind damit Teil unserer Prägungen, aus denen sich unser Charakter und unser Ego geformt haben. Wir haben dadurch gelernt, eine sehr genaue Meinung darüber zu haben, wie etwas zu sein hat, wie etwas gemacht werden sollte und wie wir selbst und unser Leben sein sollte. Da unser Bewertungssystem in diesen Meinungen gründet, geben sie uns vermeintlich Orientierung und damit Sicherheit. Genau deswegen sind sie aber auch ein Nährboden für unsere Irritation, Enttäuschung, Frustration und sogar unsere Aggressivität, wenn das, was das Leben uns – auch in der Erfahrung unserer selbst – präsentiert, nicht unseren Erwartungen entspricht und wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir meinen, dass sie laufen sollten.

Der Yoga lädt uns nun dazu ein zu erkennen, dass wir, da wir immer nur an einem Ort im Leben stehen kann, folglich auch immer nur eine – unsere – Perspektive haben können. Er lädt uns ein, die absolute Subjektivität und Relativität all unserer Meinungen anzuerkennen und in der Folge auch die volle Verantwortung für unser Denken, Fühlen und Handeln zu übernehmen. Auch wenn unsere Meinungen in unserem besten Wissen und Gewissen gründen mögen, bleiben sie doch subjektiv.

Wenn wir vorbehaltlos anerkennen können, dass jeder von uns die Welt ausschließlich durch die „Brille“ seiner Sichtweisen und Meinungen wahrnimmt und erfährt, dann müssen wir auch anerkennen, dass jemand anderes, der an einem anderen Ort im Leben steht, der andere Erfahrungen gemacht hat und damit andere Meinungen entwickelt hat, eine Perspektive entwickeln kann, die (sehr weit) von unserem Standpunkt abweichen kann.

Besonders bedeutsam für unser Wohlbefinden sind die Meinungen, die wir uns über uns selbst zu eigen gemacht haben. Sie verfestigen sich zumeist in Glaubensätzen, das heißt in Sätzen, die wir über uns gehört haben, die uns beschreiben sollten und die wir nun glauben wie etwa: „Du bist ein braves Mädchen“; „Du bist immer so ungeschickt!“; „Das wirst du nie lernen“; „Das macht man nicht!“; „Sei nicht so vorlaut!“ usw. Das sind Sätze, die wir – gefühlt – schon tausend Mal gehört und deren Inhalt wir in der Folge ganz tief verinnerlicht haben.

 

Sie bestimmen auf einer unbewussten Ebene unablässig unser Verhalten, aber auch unsere Befindlichkeit, denn sie sind uns zu einer innerlichen Norm geworden, an der wir uns ständig orientieren. Viele von uns sind so erzogen worden, dass sie nicht in ihrem So-Sein unterstützt wurden, sondern möglichst genau gemäß der Erwartungen ihrer Erziehungsberechtigten geformt wurden. Wie selbstverständlich und vollkommen natürlich geschah dies nur mit den besten Absichten, damit „etwas aus uns wird“ in der Welt und wir nicht dauernd anecken.

Wenn wir uns auf den Weg zu uns selbst machen, dann sind solche Festschreibungen der Art und Weise, wie wir zu sein haben, jedoch äußerst hinderlich. Hier hilft uns unser innerer Beobachter zu erkennen, welchen Glaubenssätzen über uns wir Macht geben und ob die Botschaften dieser Sätze uns eher aufrichten oder klein machen.

In einem ersten Schritt geht es nun darum, einfach nur anzuerkennen, dass bestimmte Meinungen Macht über uns haben.

In einem zweiten Schritt können wir die Verantwortung für unser Gewordensein übernehmen: Wir haben uns formen lassen und selber geformt, weil wir die tiefe Sehnsucht in uns tragen, angenommen, wertgeschätzt und geliebt zu werden. Diese Sehnsucht ist so tief und so existenziell, dass wir als Kinder fast alles dafür getan haben. Für die Anerkennung und Liebe unserer Eltern, und später unserer Freunde, sind wir bereit, uns auch zu verbiegen und sogar zu deformieren – und das setzen wir dann oft über viele Jahre hinweg fort, weil wir es nicht besser wissen.

In einem dritten Schritt können wir uns selber Mitgefühl schenken. Das ist nötig, denn oft bedeutet die Erkenntnis, durch welche Glaubenssätze wir uns regieren lassen, auch die Einsicht, dass wir jahrelang gegen unser natürliches Sein und unsere innere Wahrheit gelebt haben.

In einem vierten Schritt können wir uns der Sichtweise zuwenden, dass jeder Mensch – und damit auch wir selber – das Potenzial in sich trägt, alles zu verstehen und sich zu wandeln.

Und dann können wir in weiteren Schritten beginnen, in das Menschsein und das Menschenbild hineinzuwachsen, das wir für uns selbst als förderlich, heilsam und günstig erachten.

Die Meinungen, wie wir sein sollten, können wir dabei allmählich hinter uns lassen. Dafür ist es hilfreich, sich seiner eigenen Ressourcen bewusst zu werden (Was kann ich schon? Was ist mir mitgegeben? Was sind meine Stärken?) und sich den Raum zu erschaffen, in den hinein sich unsere Potenziale entfalten können.

So können wir auch gelassener werden, wenn wir erkennen, dass wir in den allermeisten Fällen keine Ahnung haben, wo genau das Leben mit uns hin will, und können diese Ungewissheit und dieses Nichtwissen leichter auszuhalten. Unser Vertrauen ist es, das uns helfen wird, nun unseren Lebensweg zu gehen – gemeinsam mit dem achtsamen Beobachter. Er hilft uns, immer wieder abzuklären, ob unsere Entscheidungen stimmig sind, und er geleitet uns als achtsame Instanz durch all die Versuche und Fehler, die auf diesem Weg der Selbstfindung und Selbstentfaltung unvermeidlich sind.

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