Anna Trökes: Krankheit - ein Hindernis?

Meditation & Achtsamkeit

Zeit für innere Einkehr

Auch wenn wir uns einer regelmäßigen Yogapraxis unterziehen, werden wir von Zeit zu Zeit mal krank werden. Vielleicht ist es eine fette Erkältung, vielleicht ein kleiner Unfall, die bewirken, dass wie eine Weile nicht so wie gewohnt unsere Körper- und Atemübungen ausführen können. In diesem Zusammenhang wird auch im Yoga Krankheit als ein von außen kommendes Hindernis angesehen, dem wir uns so lange unterzuordnen haben, bis wir wieder gesund und belastbar sind. Gleichzeitig können wir diese Zeit für eine innere Einkehr und Standortbestimmung nutzen, z.B. um uns bewusst zu werden, wodurch wir einer Erkrankung oder einen Unfall hervorgerufen haben und was vorher in unserem Leben schon alles schief gelaufen ist.

 

Krank aus Angst?

Die klugen und pragmatischen Yogameister beobachteten aber noch einen anderen Aspekt, wie Krankheit uns behindern kann. In manchen Situationen nämlich erschaffen wir uns Beschwerden, um etwas zu vermeiden. Ich erinnere mich noch gut, dass ich mir vor Jahren vorgenommen hatte, tauchen zu lernen, um etwas gegen meine Angst vor tiefem Wasser zu unternehmen. Nach der ersten Schnuppertauchstunde, nachdem mir klar wurde, was ich alles lernen sollte, unter Wasser zu tun, erschaffte ich mir gleich danach eine heftige Ohrenentzündung. Die tat zwar weh, aber ich hörte mit Entzücken, dass ich unter diesem Umständen keinesfalls weitere Tauchergänge machen könnte. Ich war erleichtert und konnte anschließend meine Angst noch ein weiteres Jahr pflegen...

Solche Mechanismen sind uns allen seit unserer Kindheit bekannt, als wir passend vor der gefürchteten Mathe-Arbeit ganz fürchterliche Bauchschmerzen bekamen und nicht zu dieser Prüfung antreten mussten. Auch haben viele von uns ganz tief verinnerlicht, dass Krankheit Schonung, Zuwendung und erhöhte Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen bewirken kann. Tatsache ist aber vor allem, dass wir uns durch eine körperliche Beschwerde oder eine Krankheit daran hindern lassen, bestimmte Erfahrungen zu machen.

 

Hier setzt die klärende Praxis des Yoga an 

Yoga hilft uns, uns zu hinterfragen, welche Mechanismen wirksam werden und welchen Stellenwert wir unseren Beschwerden geben sollten. Wann brauchen wir wirklich Ruhe und Schonung? Haben wir vielleicht die Angewohnheit uns immer solange zu fordern, bis wir nicht mehr können und unser Körper verzweifelt mit einer Krankheit die Notbremse zieht? Oder neigen wir eher dazu, uns zuviel zu schonen und uns nicht richtig etwas zuzutrauen? Solche Reflexionen sollen uns helfen, unser rechtes Maß und den rechten Umgang mit den Gesundheitsstörungen zu lernen, die das Leben uns als Hindernisse in den Weg stellt.

Werde dir bewusst, wie du damit umgehst, wenn du krank bist oder körperliche Beschwerden hast. Wie groß – oder klein – ist das Maß deiner Duldsamkeit mit dir, wenn du nicht so gesund und leistungsfähig bist, wie du es gewohnt bist? Lerne im Umgang mit Krankheit und Gesundheit mehr und mehr, dein rechtes Maß zu finden. 

 

©Mira Burgund

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