Stefanie Reeb: Kokosöl - Die Ernährungsirrtümer

Gesunde Ernährung
Stefanie Reeb: Kokosöl - Die Ernährungsirrtümer

Ist Kokosöl gesundheitsschädlich?

Diese Woche haben mich sehr viele Fragen rund ums Thema Kokosöl erreicht. Der Auslöser? Der Vortrag einer Professorin der Uni Freiburg, der auf Youtube viral ging und innerhalb kürzester Zeit unheimlich viele Menschen erreichte. Die Kernaussage des Vortrags: Kokosöl ist das reine Gift. Wer es isst, wird den sicheren Herztod sterben.

Dieser Vortrag ging mir ganz schön gegen den Strich. Warum? Weil er auf Irrtümern beruht und deshalb auf falsche Ergebnisse kommt. Und weil ich es traurig finde, dass unter dem Deckmantel der Wissenschaft reißerische Unwahrheiten verbreitet werden, die Menschen Angst machen. Deshalb möchte ich Dir meine Sicht der Dinge schildern. Falls Du den Vortrag nicht gesehen hast: die These, dass Kokosöl Gift sei, begründete die Professorin damit, dass es zu einem Großteil aus gesättigten Fettsäuren besteht. Diese sollen den Cholesterinspiegel erhöhen und die Arterien verstopfen und zu Herzkrankheiten führen. Sie beruft sich dabei auf die neuesten Empfehlungen der American Heart Association.

 

Irrtum 1: Gesättigte Fettsäuren erhöhen die Cholesterinwerte

Vor gesättigten Fettsäuren wird immer wieder gewarnt, da man davon ausgeht, dass sie das Cholesterin im Blut erhöhen und so zu einer Verstopfung der Herzkranzgefäße führen und damit zu Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Aber stimmt das überhaupt? Nein! Traurig, aber wahr: die Cholesterin-Hysterie entstand aufgrund eines grausamen Tierversuchs. Dabei wurde Kaninchen, die bekanntermaßen reine Pflanzenfresser sind, über lange Zeit mit übermäßig großen Mengen tierischer Fette gefüttert. Als die Kaninchen daraufhin an Arteriosklerose und Herzproblemen erkrankten, folgerte man daraus, dass gesättigte Fettsäuren auch beim Menschen zu diesen Erkrankungen führen.

Tatsächlich ist es so, dass unser Körper Cholesterin selber bildet, da es ein essentieller Stoff für ihn ist. 90 Prozent unseres Cholesterins werden vom Körper selbst gebildet, deshalb sind cholesterinfördende Lebensmittel wie Eier, tierische und gesättigte Fette, Fleisch, fetter Fisch etc. für unser Blutcholesterin nur wenig relevant.,

 

Irrtum 2: Cholesterin führt zu Herz-Kreislauferkrankungen

Jeder spricht über Cholesterin, aber kaum einer weiß, was es wirklich ist: ein lebenswichtiger Bestandteil unserer Zellmembranen, der für die Reparatur und Neuproduktion der Zellwände verwendet wird. Cholesterin ist nicht der Verbrecher, sondern der Helfer in der Not. Die Not beginnt oft mit einer vitalstoffarmen Ernährungsweise mit viel Teigwaren, stark verarbeiteten Lebensmitteln und wenig Gemüse und Obst. Fehlen unserem Körper Vitalstoffe und Antioxidanzien, werden unsere Blutgefäße unelastisch, weil ihnen Kollagen fehlt, das vom Vitamin C in der Nahrung abhängig ist. Die steifen Blutgefäße werden nun auch noch von Freien Radikalem angegriffen und werden mit der Zeit rissig. Würde der Körper jetzt nicht Erste Hilfe leisten, würde Blut ins Gewebe sickern.

Und hier kommt unser Retter ins Spiel: der Körper bildet vermehrt Cholesterin, das zusammen mit Eiweißen und Calcium einen super Sekundenkleber bildet, die Risse kittet und so das schlimmste verhindert. Wenn das eine Weile so geht, dann werden die Blutgefäße immer enger und man hat Arteriosklerose. In den Blutgefäßen abgelagertes Cholesterin ist also ein Symptom und keine Ursache.

 

Irrtum 3: Kennt man einen, kennt man alle

Es ist schon interessant, dass die größten Kritiker des Kokosöls anscheinend noch nie Kokosöl in der Hand hatten. Denn lange Zeit wurden wissenschaftliche Studien mit irgendwelchen gesättigten Fettsäuren gemacht, wie zum Beispiel mit Butter und Schweineschmalz, und dann auf alle anderen Fettsäuren übertragen. Ääähm, was??

 

Selbst Anhänger der Cholesterin-Theorie glauben: Kokosöl wirkt sich positiv auf die Herzgesundheit aus.
Stefanie Reeb

Eine der neuesten Studien zu Kokosöl (ja, mit echtem Kokosöl und nicht mit Schweineschmalz!) wurde von Wissenschaftlern der Cambridge Universität durchgeführt. Sie testeten Kokosöl im Vergleich zu Olivenöl und Butter und seine Wirkung auf das Cholesterin im Körper. Dabei schnitt Kokosöl am besten ab. Die Wissenschaftler waren selbst verwundert darüber, dass Kokosöl sogar dabei half, Cholesterinablagerungen zu verhindern. Sie formulierten ihre Ergebnisse sehr vorsichtig, offensichtlich hatten sie etwas anderes erwartet – das kommt davon, wenn man zu lange mit Schweineschmalz getestet hat ;–)

 

Warum hält sich die Kritik rund ums Kokosöl so hartnäckig?

Einen Grund haben wir uns gerade angesehen: die Annahme, dass Kokosöl das Cholesterin im Körper steigert – eine seit Jahren in zahlreichen Studien widerlegte Annahme. Ein weiterer Grund ist, dass es mächtige Industrieinteressen rund ums Speiseöl gibt. Im Zuge einer besseren Vermarktung heimischer Pflanzenöle begann in Amerika schon in den 1950er Jahren eine bis heute andauernde Kampagne gegen Kokosöl. Momentan existieren Großprojekte zum Anbau von Raps, die von Monsanto/Bayer initiiert werden.

Gleichzeitig empfehlen immer mehr Wissenschaftler (auch die Dame aus dem Youtube-Video) den Verzehr von Rapsöl, was als Speiseöl aber nur bedingt geeignet ist, da es überhaupt nicht erhitzt werden sollte aufgrund seiner mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Aus diesem Grund entwickelt der Bayer-Konzern zur Zeit ein genetisch verändertes Rapsöl, das nicht mehr hitzeempfindlich ist und sogar zum Frittieren von Pommes Frites verwendet werden kann. 

Fazit: Leider sind Industrieinteressen kaum mehr zu unterscheiden von den Empfehlungen, die Wissenschaftler, Fakultäten und angeblich unabhängige Verbraucherschutzorganisationen herausgeben. Zusätzlich ist das Internet geduldig, man findet viele Thesen und oft genug wenig Wahrheiten. Ich kann nur empfehlen, nicht alles blind zu glauben, sondern selbst zu recherchieren.

 

Die American Heart Association, auf deren Empfehlungen sich Kritiker von gesättigten Fettsäuren beziehen, ist nicht vertrauenswürdig.
Stefanie Reeb

Die Professorin im Youtube-Beitrag stützt sich auf die Empfehlungen der American Heart Association, gesättigte Fettsäuren aus Gründen der Herzgesundheit zu meiden. Aber ist das überhaupt eine vertrauenswürdige Organisation? Tatsächlich ist die sogenannte AHA eine non-profit-Organisation. Aber sie erhält pro Jahr an die 800 Millionen Dollar Spendengelder. Und wer befindet sich unter den Spendern? Die bekannten Pharmakonzerne wie Bayer, Boehringer Ingelheim, Merck and Pfizer. Und was verkaufen diese Konzerne? Statine!

Das sind Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken – ein Millionengeschäft. In Amerika wird die AHA deshalb von ganzheitlich praktizierenden Medizinern und Ernährungswissenschaftlern extrem kritisch gesehen. Dies wurde auch nicht durch die Tatsache gemindert, dass die AHA neue Empfehlungen herausgab, nach denen gesunde Menschen mit minimal erhöhtem Cholesterinspiegel ab jetzt Statine einnehmen sollen. Das wären 44 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen. Ein riesiges Geschäft für die Pharmaindustrie.

 

Was ist also dran am Kokosöl? Was kann es, was andere Öle nicht können?

Kokosöl besteht, wie schon mehrmals gesagt, zum großen Teil aus gesättigten Fettsäuren. Die Fettsäuren des Kokosöl sind allerdings etwas ganz besonderes und richtig gesund. Im Unterschied zu den meisten anderen gesättigten Fettsäuren sind die im Kokosöl nämlich mittelkettig. Mittelkettige Fettsäuren sind zunächst einmal sehr leicht verdaulich. Sie sind wasserlöslich und gelangen daher ohne Umschweife über die Blutbahn in die Leber, wo sie vom Körper direkt für die Energiegewinnung genutzt werden anstatt in Fettdepots eingelagert zu werden. Zusätzlich liefern mittelkettige Fettsäuren eine Kalorie weniger pro Gramm als andere Fettsäuren.

Diese beiden Eigenschaften führen dazu, dass Kokosöl den Ruf hat, weniger zur Gewichtszunahme beizutragen als andere Fette, ja, im Gegenteil sogar beim Abnehmen helfen kann. In einer japanischen Diät-Studie, die im Jahr 2001 im The Journal of Nutrition veröffentlicht wurde, stellte sich heraus, dass mittelkettige Fettsäuren im Vergleich zu langkettigen (mehrfach ungesättigten Fettsäuren) dabei helfen, das Körpergewicht zu reduzieren, ohne dabei einen Schwund der Muskelmasse zu riskieren.

 

Kokosöl ist hitzestabil und schützt uns vor dem wahren Übeltäter: den Trans-Fettsäuren

Gesättigte und (mehrfach) ungesättigte Fettsäuren unterscheiden sich in ihrer Hitzebeständigkeit. Gesättigte Fette wie zum Beispiel Kokosöl und Ghee können hoch erhitzt werden ohne ihre chemische Struktur zu verändern. Anders sieht das bei den ungesättigten Fettsäuren aus. Das einfach ungesättigte Olivenöl kann man noch bis 180° C erhitzen, aber alle mehrfach ungesättigten Fette wie Sonnenblumen-, Raps-. Distel-, Weizenkeim-, Lein- und Hanföl sollten nicht erhitzt werden, da sie ihre Struktur verändern und zu Trans-Fettsäuren werden.

Diese fördern Entzündungen im Körper und damit auch allerlei Krankheiten. Gefährlich sind sie vor allem deshalb, weil unser Körper sie mit gesunden Fettsäuren verwechselt und als Bausubstanz für seine Zellen verwendet. Das führt dazu, dass elastische Zellmembranen plötzlich unelastisch werden und wichtige Zellfunktionen blockieren. Um selbst nicht versehentlich Trans-Fettsäuren zu erzeugen, eignen sich zum Braten am besten gesättigte Fettsäuren wie – Du ahnst es schon – Kokosöl oder Ghee.

 

Die ungesättigten Fettsäuren des Kokosöls wirken gegen Viren, Bakterien und Pilze

Die mittelkettige Laurinsäure im Kokosöl macht allein etwa 50 Prozent seiner Fettsäuren aus. Im menschlichen oder tierischen Körper wandelt sich die Laurinsäure zunächst in Monolaurin um. Monolaurin wehrt speziell behüllte Viren (z. B. HI-, Herpes-, Cytomegalo- und Grippeviren) im menschlichen und tierischen Organismus ab, indem sie die Lipidhülle der Viren auflöst und so das Virus inaktiviert.

 

Ungesättigte Fettsäuren im Kokosöl versorgen das Gehirn mit Energie

Studien haben gezeigt, dass die mittelkettigen Triglyzeride (MCTs) des Kokosöls das Gehirn mit Energie versorgen können, wenn die Versorgung durch Glucose nicht funktioniert. Das ist vor allem für Alzheimer-Patienten interessant, die genau dieses Problem haben. Die sogenannten Ketone aus dem Kokosöl können eingesetzt werden, um die Entwicklung der Krankheit zu verlangsamen oder zu verbessern. 

 

Fazit

Es gibt keinen Grund, auf natürliches Kokosöl in Bioqualität zu verzichten. Schließlich ist es eins der besten Öle fürs Backen und Kochen, da es – im Gegensatz zu ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren – sehr hitzebeständig ist. Kokosprodukte werden schon seit Jahrtausenden von Völkern der Südsee gegessen, die bis vor kurzer Zeit keine unserer Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs kannten. Kokosöl hat einen positiven Einfluß auf den Stoffwechsel, wird weniger in Fettdepots eingelagert als andere Öle und wirkt schädlichen Bakterien, Viren und Pilzen entgegen. All diese Wirkungen sind durch Studien innerhalb der letzten 30 Jahre mehrfach und eindeutig bewiesen. Generell ist es empfehlenswert, reine Fette und Öle nur in Maßen zu konsumieren und ruhig öfter mal das Ursprungsprodukt, aus dem das Öl gemacht ist (zum Beispiel das Fleisch der Kokosnuss oder im Fall von Olivenöl die Olive) zu essen. Und sonst gilt: don’t worry, be happy und iss Dein Kokosöl, wenn Du magst!

 

©Thomas Leininger

 

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