Markus Strauß: Bärlauch - Gesundes Frühlingskraut

Gesunde Ernährung
Bärlauchpesto im Glas

So erkennst du Bärlauch

Der Bärlauch gehört zur Familie der Zwiebelgewächse und ist damit eng verwandt mit Knoblauch, Speisezwiebel oder auch dem Porree. Wie bei diesen verlaufen auch beim Bärlauch die Blattadern alle parallel.

Ab dem zeitigen Frühjahr, das kann in wärmeren Lagen auch schon ab Ende Februar sein, wachsen aus einer kleinen Zwiebel etwa 20 cm hohe, längliche, spitz zulaufende Blätter. Aus jeder Zwiebel sprießt ein kleines Büschel dieser Blätter, die allesamt einzeln gestielt sind. Und aus der Mitte des Büschels wachsen dann die Blütendolden. Diese bestehen aus vielen einzeln gestielten, sternförmigen weißen Blüten. Auch diese Blüten sind essbar und verströmen wie die Blätter den intensiven Knoblauchduft. Aus jeder einzelnen Blüte entwickeln sich 3 runde Samen.

 

Bärlauch im Wald

Der Bärlauch liebt besonders Wälder mit feuchtem Boden und einem hohen Humusanteil – ein ganz typischer Standort sind also Auwälder an Bächen und Flüssen. Hier wächst er selten als einzelne Pflanze, sondern tritt meist massenhaft auf und nimmt ganze Areale komplett für sich ein, man bezeichnet sie als »Bärlauchplätze«. In Nadelwäldern wirst du in Sachen Bärlauch dagegen nicht fündig werden. Achte aber unbedingt darauf, ihn nicht mit anderen, giftigen (!) Pflanzen zu verwechseln. Näheres dazu haben wir bei den Sammelhinweisen zusammengefasst.

 

Wirkungsweise als Heilpflanze

Bärlauch wird in der Volksmedizin schon seit jeher eine ähnliche Wirkung zugeschrieben: Die in ihnen enthaltenen Scharfstoffe, ätherischen Öle, Vitamine – vor allem A und C –, Mineralien und noch vieles mehr sorgen dafür, dass er unter anderem antibakteriell, schleimlösend, blutreinigend, entzündungshemmend und harntreibend wirkt.

Was ich persönlich so an dieser Pflanze schätze: Sie mobilisiert den Stoffwechsel und eignen sich damit hervorragend für eine effektive Entgiftungskur, die ich jedes Frühjahr mache, um mich von Winteraltlasten in Form von Müdigkeit, fehlender Energie und einem geschwächten Immunsystem zu befreien.

Falls du keine Lust hast, täglich Gerichte mit Bärlauch zu essen, aber trotzdem von den positiven Wirkungen der Pflanze profitieren möchtest, kannst du dir auch einen Frischpflanzen-Presssaft aus Bärlauchblättern herstellen und davon jeden Tag 1 Esslöffel trinken. Ich verdünne diesen Saft immer gerne mit etwas Wasser, dann schmeckt er nicht ganz so scharf.

Ich verspreche dir, du wirst nach einer solchen Kur schnell eine belebende und regenerierende Wirkung spüren. Spätestens wenn die Blätter des Bärlauchs abgestorben sind, wirst du dafür aufgeblüht sein.

Wer seinen Ernährungsplan regelmäßig mit Bärlauch bereichert, kann – ähnlich wie mit Knoblauch – langfristig sogar Bluthochdruck und Arteriosklerose vorbeugen. Dabei gibt es jedoch quantitative Unterschiede, da der Gehalt schwefelhaltiger Verbindungen im Bärlauch etwa um ein Drittel niedriger ist als im Knoblauch. Aus diesem Grund muss der Bärlauch höher dosiert werden, um die gleiche Wirkung zu entfalten. Wie alle essbaren Wildpflanzen sorgt Bärlauch für ein basisches Milieu im Körper, da sie reichlich Mineralien und Spurenelemente enthalten. Du siehst also, dass es sich auf jeden Fall lohnt, die eigene Ernährung mit diesem Power-Helfern aus dem Wald zu bereichern. Ich garantiere dir, dass kein anderes Kulturgemüse, das man im Supermarkt kaufen kann, dich so nachhaltig und effektiv mit Nähr- und Vitalstoffen versorgt wie die Wildpflanzen, die so manch einer direkt vor der eigenen Tür sammeln kann.

 

Sammelhinweise und Erkennungsmerkmale

Blätter:
Hauptsaison von März–Mai

Blüten:
Ende April–Mai

Zwiebeln:
Juni–Februar

Das Allerwichtigste, was ich dir für das Sammeln des Bärlauchs ans Herz legen möchte: Achte als verantwortungsvoller Waldbesucher und Sammler darauf, rücksichtsvoll »ans Werk« zu gehen. Hast du deinen Bärlauch-»Stammplatz« einmal gefunden, wirst du zwar immer reichlich mit Erntegut versorgt sein, dennoch solltest du die einzelnen Büschel auf keinen Fall vollständig abernten, denn dies schwächt die Pflanze sehr, so dass sie während ihrer kurzen Vegetationszeit kaum noch Fotosynthese betreiben kann. Ich bitte dich daher, an verschiedenen Büscheln nur jeweils maximal ein Drittel der Blätter zu pflücken. Vermeide bitte auch unnötiges Umhergehen und damit das Zertrampeln der wertvollen Nachbarpflanzen.

Und noch etwas: Bitte beachte beim Sammeln von Bärlauch die möglichen Verwechslungsgefahren hauptsächlich mit Aronstab und Maiglöckchen:

Zwar kommt der Bärlauch an seinen »Plätzen« dominant vor, dazwischen kann aber trotzdem der giftige Aronstab wachsen. Gerade in jungem Zustand können ihn unerfahrene Sammler mit seinen pfeilförmigen Blättern leicht mit dem Bärlauch verwechseln. Und da er grundsätzlich einfach die gleichen Standorte mit feuchtem, humosem Boden liebt, wird man ihn fast immer in der Nähe des Bärlauchs finden. Die Verwechslungsgefahr mit dem Aronstab ist von Natur aus die größte, da das Maiglöckchen in der Tendenz eher trockenere Standorte bevorzugt. Außerdem erscheint das Maiglöckchen erst 3 bis 4 Wochen nach dem Austrieb des Bärlauchs. Wer also den frühen Bärlauch pflückt, muss das Maiglöckchen nicht fürchten. Die Herbstzeitlose, die ebenfalls ein theoretischer »Verwechslungskandidat« ist, wächst nur auf Wiesen, nicht im Wald.

Präge dir die eindeutigen Erkennungsmerkmale des Bärlauchs ein und sammel nur die Blätter, die diesen entsprechen, dann bist du auf der sicheren Seite:

  • einzeln gestielte Blätter
  • Blätter haben eine oval lanzettliche Grundform
  • Blattunterseite ist matter und heller als die Oberseite
  • Blattadern sind parallel, nie netzartig
  • Blütenstand ist eine Dolde
  • einzelne Blüten sternförmig und weiß, sie haben 6 Blütenblätter
  • 3-teiliger Fruchtknoten

Der Duft ist zwar ein eindeutiges Merkmal, aber in der Praxis weniger hilfreich. Denn hast du erst einmal eine Tüte Bärlauch gesammelt, ist alles mit seinem Geruch erfüllt und man kann ihn nicht mehr unterscheiden.

Nach dem Sammeln kommt das kochen. Probiere gerne unsere beiden Pesto-Rezepte selber aus!

 

Weißes Pesto von der Bärlauchblüte

Da Bärlauch sich nicht zum Trocknen eignet, ist es eine gute Möglichkeit, das Aroma zu bewahren, indem man die Blüten und Blätter in Öl einlegt oder als Pesto zu verarbeiten.

  • 100 g Bärlauch-Blütendolden
  • 100 g gemahlene Mandeln
  • 100–125 ml Olivenöl
  • Saft von 1 Zitrone
  • 1 TL Birnen- oder Apfeldicksaft
  • Salz und Pfeffer nach Belieben

Zubereitung:

Alle Zutaten zusammen in einem Mixer oder mit einem Pürierstab zu einer homogenen Masse verarbeiten und gut gekühlt aufbewahren. Schmeckt lecker mit Pasta oder Hirse sowie pur aufs Brot.

 

Grünes Bärlauchpesto von den Blättern

Für ein grünes Bärlauch-Pesto die 100 g Blütendolden durch grüne Bärlauchblätter ersetzen. Indem du deine Pesti vegan, also ohne Käse, zubereitest, sind diese besser haltbar und gekühlt auch in rohköstlicher Form lagerfähig. Wichtig dabei ist allerdings: saubere Gläser und Deckel verwenden, das relativ flüssige Pesto ohne Luftblasen einfüllen und die Oberfläche mit Olivenöl bedecken.

 

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