Dinner Cancelling: 3 Wochen Selbstversuch

Gesunde Ernährung
Dinner Cancelling

Ein Erfahrungsbericht

Der Sommer steht vor der Türe, und ich hätte nichts dagegen, wenn die Waage ein paar Kilo weniger anzeigen würde. Für klassische Diäten muss man jedoch meist seine Ernährung umstellen, ausgefallen kochen oder viel für die Mittagspause am nächsten Tag vorbereiten. Hand aufs Herz: Dafür bin ich schlichtweg zu faul, und Kohlenhydrate esse ich für mein Leben gerne. Ich will zwar eine Top-Figur, aber ohne mir das Leben schwer zu machen. Da kommt mir Dinner Cancelling gerade recht: Die Methode verspricht einen schnellen Abnehmerfolg und soll auch noch ein Anti-Aging-Wunder sein – und das alles, ohne dass man sich bei den restlichen Mahlzeiten einschränken muss. Klingt zu gut um wahr zu sein? Ich habe Dinner Cancelling gemeinsam mit meiner Kollegin Ramona 3 Wochen getestet.

 

Dinner Cancelling, manche nennen es auch Intervallfasten, bedeutet nichts anderes, als das Abendessen ausfallen zu lassen.
Nicole

Was ist Dinner Cancelling eigentlich?

Der Name ist Programm: Dinner Cancelling, manche nennen es auch Intervallfasten, bedeutet nichts anderes, als das Abendessen ausfallen zu lassen. Mindestens 1x wöchentlich, besser natürlich jeden Tag. Wann die letzte Mahlzeit des Tages eingenommen werden soll hängt davon ab, wann am nächsten Tag gefrühstückt wird. Zwischen den beiden Mahlzeiten sollten mindestens 16 Stunden liegen – das ist hart. Auch zuckerhaltige Getränke sind tabu, stattdessen wird zu Wasser oder Kräutertee gegriffen. Und davon am besten reichlich, denn die Flüssigkeit dämpft das Hungergefühl. Weiterer positiver Effekt des Verzichts: Das Einsparen an Kalorien soll einen positiven Einfluss auf den Hormonspiegel von Melatonin und Somatropin haben. Außerdem soll sich der Körper während der Fastenzeit regenerieren können, da er keine Energie für die Verdauung aufbringen muss. Klingt logisch, oder?

Um möglichst schnell Effekte zu erzielen, entscheiden Ramona und ich uns natürlich für die Hardcore-Variante und verzichte jeden Tag auf das Abendessen. Berufsbedingt nehme ich das Mittagessen – und damit die letzte Mahlzeit - gegen 12 Uhr zu mir, danach gibt es maximal am frühen Nachmittag noch ein Stück Obst.

 

Hungern für die Gesundheit: Woche 1

Da mein Experiment an einem Wochenende startet, esse ich einfach etwas später zu Mittag und schlage mir so richtig den Bauch voll. Da fällt es einem abends auch leichter, aufs Essen zu verzichten. Um kurz vor 16 Uhr verdrücke ich noch ein paar Chips, um auf Nummer sicher zu gehen. Am nächsten Morgen fühle ich mich direkt 5 Kilo leichter. Vermutlich sind es aber nur 5 Gramm. Aus Angst vor den Ergebnissen stelle ich mich lieber erst gar nicht auf die Waage. Ich bin voll motiviert und zuversichtlich, dass ich 3 Wochen locker schaffen werde.

Doch sobald ich wieder in der Alltags-Routine gefangen bin, sieht das schon ganz anders aus: Ich esse mittags früher, und wenn ich abends nach Hause komme, habe ich Hunger. Viel Hunger. Und meine Gedanken kreisen nur noch um Essen. Da hilft es auch nicht, dass mein Freund – der verständlicherweise keine Lust auf das Experiment hat - genüsslich eine Pizza vor mir verdrückt. Ich bedauere mich selbst, und meine Laune sinkt in den Keller. Selbst der Hund hat irgendwann Mitleid mit mir und kaut seinen Knochen woanders. Was mir wirklich hilft: Ich schreibe meiner Kollegin Ramona eine Nachricht über WhatsApp. Gemeinsam leiden ist nur halb so schlimm. Und wenn sie nicht wäre, würde ich bestimmt viel öfter schummeln. 

 

Lohnt sich das alles überhaupt? Woche 2

Am schlimmsten sind Abende, an denen man verabredet ist. Den anderen – ausgerechnet im Lieblingsrestaurant - beim Essen zuzusehen, ist wirklich hart. Und ich bin immer in Erklärungsnot: Warum ich nichts esse, das kann doch nicht gesund sein, das hast du nicht nötig. Und immer nur Wasser zu trinken ist irgendwann auch ganz schön langweilig. Irgendwann erfinde ich einfach Ausreden, nur um mich nicht rechtfertigen zu müssen.

Abends auf das Essen zu verzichten fällt mir nun aber schon deutlich leichter. Es ist schon zur Routine geworden, und im Supermarkt kaufe ich deutlich weniger ein – das spart auch noch Geld. Wenn mich doch mal der Heißhunger überkommt, schreibe ich Ramona. Es tut gut zu wissen, dass man die Quälerei nicht alleine durchhalten muss. Gegenseitig können wir uns den Rücken stärken. Klassische Gedankengänge sind: "Wenn die das schafft, dann schaffe ich das auch!". Die guten Gefühle, wenn ich am nächsten Morgen in den Spiegel sehe, bleiben allerdings aus. Ich fühle mich nicht fitter, nicht schlanker, nicht schöner. Immerhin aber auch nicht hungriger als vor dem Experiment. Auf die Waage traue ich mich immer noch nicht: Wenn keine Kilos purzeln wäre meine Motivation für Woche 3 dahin.

 

Was bring der Verzicht wirklich? Woche 3

Ich bin inzwischen Profi im abends-nichts-essen. Wenn Freunde vor mir essen, juckt es mich nicht mehr so sehr. Das abendliche Hungergefühl gehört jetzt dazu und ich kann es gekonnt ignorieren. Inzwischen gönne ich mir aber einen Cheat Day pro Woche – an diesem Abend schlage ich mir zwar auch nicht unbedingt den Bauch voll, aber wenigstens darf es mal ein Stück Schokolade sein, um die Nerven zu beruhigen. Am Morgen nach dem Cheat Day fühlt sich mein Bauch allerdings direkt wieder dicker an.

Zusätzlich fange ich wieder mit Krafttraining an, um den Diät-Erfolg bestmöglich voranzutreiben. Nach dem Sport nichts zu essen fällt mir wirklich unglaublich schwer. Und mein Bauch knurrt wie verrückt. Ich bleibe aber stark. Insgesamt nehme ich deutlich weniger Kalorien zu mir, als zuvor. Vor allem da ich abends gezwungenermaßen auch auf Knabbereien verzichten muss. Der große Diät-Erfolg bleibt aber dennoch aus. Mist.

 

Ich habe wieder gelernt, auf mein Hungergefühl zu achten.
Nicole

Mein Fazit zu Dinner Cancellig

Gerne würde ich berichten, dass ich unzählige Kilos verloren habe und Dank des Intervallfastens mindestens 5 Jahre jünger aussehe. Ich habe mich aber immer noch nicht auf die Waage gestellt und mein Spiegelbild zeigt kaum Veränderungen. Meine Hosen sitzen nicht lockerer, und auch sonst habe ich nicht den Eindruck, schlanker zu sein. War die Qual also umsonst? Nein, mitnichten. Ich habe wieder gelernt, besser auf mein Hungergefühl zu achten. Mein Schokoladenkonsum hat sich deutlich verringert, und weniger Zucker zu konsumieren ist schließlich immer eine gute Sache. Wenn ich mir außerdem vor Augen führe, wie viele Kalorien ich über den Tag verteilt zu mir nehme, so habe ich schnell festgestellt, dass ich Abends ehrlicherweise gar kein Essen mehr brauche – erst recht nicht bei einem Job, in dem ich den ganzen Tag sitze. Was wirklich hilft, ist ein Gegenpol, der ebenfalls auf das Abendessen verzichtet. Wenn man weiß, dass man nicht alleine ist, hilft das ungemein, und man reist sich auch viel mehr am Riemen und schummelt nicht - das wäre schließlich unfair. Eine Wunderwaffe gegen überflüssige Kilos ist Dinner Cancelling bei mir nicht gewesen – vor allem, wenn man den Rest des Tages so isst, wie zuvor. Dennoch werde ich auch weiterhin Abends auf das Essen verzichten, nur nicht mehr jeden Tag.

 

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